Voraussetzungen für gute Kommunikation

Menschen auf Bauernhöfen verbringen viel Zeit miteinander. Man hat daher das Gefühl, immer irgendwie im Gespräch zu sein. Warum spießt es sich dann manchmal trotzdem? Vielleicht glaubt man gerade deshalb, weil man sich so gut kennt und so viel zusammen ist, auch ohne Reden genau zu wissen, was die anderen denken und wollen.
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cartoons 12 Kommunikation am Bauernhof © LKÖ/www.ideenwerkstatt-verlag.at
Auf Bauernhöfen wird vieles zwischen Tür und Angel kommuniziert. Was manchmal der Grund für so manche Unstimmigkeiten sein kann. Kommunikation verbindet Menschen. Gute Rahmenbedingungen dafür ermöglichen mehr Leichtigkeit im Miteinander und bei der Arbeit. Kleine Szenen aus dem Beratungsalltag sollen das verdeutlichen.

Szene 1:
Vater zum mitarbeitenden Sohn (stehend, das Kaffeehäferl vom Frühstück noch in der Hand): “Manuel! Da Wetterbericht schaut jetzt gor nimma so guat aus. I fohr gleich mahn! Schau, dass‘d glei nochikimmst.“ Manuel: “Hey, Papa! Du woaßt genau, dass i heit Abend a wichtiges Match spül‘n muaß! Mia haum do g‘sogt, dass ma d‘rum erst morg‘n mit‘m Silier‘n aunfaungan!“ Vater (laut im Davonlaufen): “Wos is wichtiger?!“ Manuel haut die Tür zu und stürmt wütend davon.

Die meisten Menschen erleben heute eine klare Trennung von Familien- und Arbeitswelt. In der aktuellen Pandemiezeit macht oft schon die teilweise Aufhebung dieser Grenzen zu schaffen. Bäuerliche Familien (er)leben nach wie vor überwiegend die Einheit von Familie und Arbeit. Diese sehr ursprüngliche Lebensform kann viel Lebensqualität bieten und wird für viele daher wieder attraktiv. Es gibt dabei aber auch Herausforderungen: n Sowohl die Beziehung als auch der Betrieb müssen gut gehen, damit die jeweils andere Seite auch funktionieren kann. N Die Rollen in Familie und Betrieb sind meist gleichzeitig da und oft ist nicht klar, in welchem Feld und in welcher Rolle gerade kommuniziert wird.

Im Beispiel gibt der Vater in seiner Rolle als Betriebsführer seinem Mitarbeiter einen Auftrag. Es handelt sich somit um betriebliche Kommunikation, bei der es rein um Entscheidungen und das Funktionieren der Arbeitsabläufe geht. Er vergisst dabei, dass er natürlich auch Vater ist. Manuel hört in seiner Rolle als Sohn, dass der Vater seinen geliebten Sport nicht wichtig genug nimmt, um sich an Abmachungen zu halten, und er reagiert als gekränktes Kind sehr emotional. Bei der Familienkommunikation geht es um uns als Person, um die Bindung zueinander, um unsere Gefühle und ums Reden an sich - also darum, in gutem Kontakt zu sein. Solche Rollenverflechtungen werden leichter verstehbar, wenn man die Rolle dazusagt: z. B.: “Als Vater freut es mich, dass dir dein Sport so am Herzen liegt, und ich verstehe deine Enttäuschung. Als Betriebsführer muss ich aber auf die veränderte Wettersituation reagieren und bitte um dein Verständnis. Packen wir‘s an und ich überlege, wie wir das mit deinem Spiel hinkriegen.“ Im konkreten Fall können wahrscheinlich fünf Minuten Gespräch die Stimmung des ganzen Tages retten.

Zuhören verbessern

Zuhören ist für eine gute Kommunikation genauso wichtig wie das Reden. Beides braucht genügend Zeit. Gespräche “schon am Sprung“ oder “zwischen Tür und Angel“ haben wenig Chance auf Qualität. Eine zusätzliche Herausforderung entspringt unserer Neigung, dass, sobald im Gespräch unangenehme Signale daherkommen, wir uns schon, während das Gegenüber noch spricht, innerlich auf eine Entgegnung vorbereiten. Dann können wir aber nicht mehr gut zuhören. Dabei sollte man sich einmal selber beobachten. Das Bewusstwerden dieses Reaktionsmusters ist der erste Schritt zur Verbesserung. Mit eigenen Worten das Gesagte zu wiederholen ermöglicht einen weiteren Qualitätssprung in der Kommunikation. Das nimmt Tempo heraus, verbessert die Aufmerksamkeit, macht sichtbar, was angekommen ist, und vermittelt Interesse. Als Beispiel für Manuel: “Der Wetterbericht ist so vü schlechter word‘n, dass du heit‘ schon mah‘n willst? Oje ...“

Der Betrieb im Bett

Szene 2: Er: “Mogst net a wenig kuscheln kem-ma?“ Sie (abwesend): “I bin mit‘n Herrichten im Verkaufsraum net ganz fertig word‘n. Du muaßt ma in da Früh noch helf‘n.“ Er: “Jo eh - wos is jetzt mit‘n Kuscheln?“ Sie: “Hot net die Frau Gruber bei dir a wos b‘stellt g‘hobt?“ Er: “Mmmmm.“ Sie: “Guade Nocht!“

Die betrieblichen Sorgen im Bett wirken sich negativ auf guten Schlaf und sicher auch auf eine “sinnliche“ Atmosphäre aus. Natürlich liegt bei Arbeitsspitzen in der Vegetation, bei der Vermarktung, im Stall oder bei Bauprojekten der Fokus der Aufmerksamkeit klar auf dem Betrieb. Wenn das Thema “Arbeit“ aber alle Gedanken, die ganze Zeit und alle Plätze am Hof besetzt - was bleibt dann noch für eine gute Beziehung, für die Kinder, für Freunde und Hobbys?

Zeit für sich und Familie

Sich eigene Bedürfnisse bewusst zu machen ist die Voraussetzung, sie auch ansprechen und die der anderen wahrnehmen zu können. Daher braucht es auch Zeit für sich allein - zum Nachdenken, zum Weiterentwickeln und zum Auftanken. Wichtige persönliche Bedürfnisse wie die nach einer guten Beziehung, nach Anerkennung und Wertschätzung lassen sich nicht ein Leben lang unterdrücken. So treffen wir vermehrt Paare über 50 in der Scheidungsmediation, weil sie sich, nachdem sie enorme betriebliche Entwicklungen geschafft haben und die Kinder ausgezogen sind, plötzlich nichts mehr zu sagen haben. Dem gilt es rechtzeitig vorzubeugen. Eine gute Paarbeziehung ist das Fundament für die Familie und den Betrieb. Man sollte sich, allen betrieblichen oder anderen Appellen zum Trotz, Zeit als Paar - z.B. zum Spazierengehen, zu gemeinsamen Aktivitäten und Urlauben - nehmen. Das ermöglicht gute Gespräche und dabei auch Gefühle auszudrücken - darum geht es in der Beziehung. “Betriebsfreie“ Zeiten tun auch der Familie gut. In einem Fall wurde z.B. dem Wunsch der Bäuerin entsprechend vereinbart: “Am Sonntag zu Mittag sitzt der Betrieb nicht mit am Tisch! Da kommen die Kinder heim - da red‘ ma als Familie.“

Regelmäßige “Dienstbesprechungen“ oder Jour fixe mit rein betrieblichen Themen wirken auf der anderen Seite der ständigen Vermischung von Familie und Betrieb entgegen. Dazu braucht es Vereinbarungen: Wann geht‘s gut? Wo passt es? Wie machen wir‘s? (z.B. ausreden lassen, Störquellen wie das Handy ausschalten, Notizen machen ...) Wie oft wollen wir das - z.B. einmal pro Woche, pro Monat ...? Gute Kommunikation am Hof braucht Zeit, den richtigen Ort, Interesse und Wertschätzung füreinander, aufmerksames Zuhören und fixe Vereinbarungen. Wenn es alleine zu schwierig wird und bevor Konflikte eskalieren, hilft Unterstützung von außen. Unter Lebensqualität Bauernhof findet man dazu Angebote in den Bundesländern. Auf gute Gespräche! Übrigens: Wann haben Sie zuletzt Ihren nächsten und liebsten Menschen am Hof etwas Wertschätzendes gesagt?
Tipps für gute Kommunikation
  • Arbeitsabläufe klar regeln
  • Rücksicht auf Wünsche anderer nehmen
  • Bei Rollenverflechtungen die Rolle dazusagen
  • Miteinander reden
  • Zeit für sich und die Familie nehmen
  • Jour fixe auch am Hof
  • Eigene Bedürfnisse bewusst machen
  • Abmachungen wie: Am Sonntag zu Mittag sitzt der Betrieb nicht mit am Tisch

Auslöser für Konflikte im Hofalltag
  • Unangenehme Signale während des Redens
  • Alle Gedanken besetzen die freie Zeit am Hof
  • Betriebliche Sorgen wirken sich negativ auf den Schlaf aus
  • Als Elternteil nicht auf die Bedürfnisse der Kinder vergessen
  • Aufpassen, in welcher Rolle man gerade kommuniziert, in der Rolle vom Betrieb oder der Familie
  • Das Handy kann oftmals eine Störquelle sein