Ausstellung: Not fit for Marketing - Bäuerinnen jenseits der Idylle

Fotoausstellung in der Hipp Halle in Gmunden bis 31. Oktober 2026.
Für die Ausstellung haben Fotografinnen, ihre Archive geöffnet und nach jenen Bildern gesucht, die bislang kaum sichtbar waren, das verschiebt den Blick von der repräsentativen Oberfläche hin zu den Rändern des Bildgedächtnisses.
 
Es geht um Fotografien, die nicht unbedingt funktionieren müssen: nicht als Werbung, nicht als idyllische Erzählung, nicht als Beleg für Authentizität, sondern als eigenständige Zeugnisse von kräftezehrender Arbeit, herausforderndem Alltag, müden Körpern, belastenden Beziehungen und harten Lebensrealitäten.
 
“Wenn wir heute an Landwirtschaft denken, begegnen uns bestimmte Bildmuster mit großer Regelmäßigkeit: der gepflegte Hof, die gedeihende Landschaft, die Familie bei der Ernte, glückliche Tiere, gesunde regionale Produkte, Natürlichkeit und Authentizität. Die Bäuerin erscheint darin häufig als glaubwürdige Vermittlerin
dieser ‘selbstverständlichen‘ Werte. Diese Bilder sind nicht notwendigerweise falsch. Aber sie erfüllen bestimmte kulturelle und zunehmend auch ökonomische Funktionen um das ‘perfekte Bild‘ aufrechtzuerhalten“, so Marlene Elvira Steinz in ihrer Eröffnungsrede.
 
“NOT FIT FOR MARKETING“ bezeichnet deshalb jene Bilder, die sich dieser visuellen Ökonomie entziehen: Bilder, die zu beiläufig, zu widersprüchlich, zu unperfekt, zu persönlich oder zu wenig repräsentativ erscheinen, um als ideale Bildträger zu funktionieren.
 
Die gezeigten Fotografien bilden kein neues Idealbild der Bäuerin ab. Vielmehr erweitern sie das Feld dessen, was wir sehen können. Sie lassen Widersprüche zu: wie etwa Nähe und Distanz, Anstrengung und Stolz, Intimität und Öffentlichkeit, das Unspektakuläre und das Widerständige. Jedenfalls zeigen sie
das Ursprüngliche und Echte.
 
Die Fotografien dieser Ausstellung zeigen Lebenswelten, die gegenwärtig sind und deren Bedingungen sich weiterhin verändern. Landwirtschaft steht heute zwischen Tradition und Transformation, zwischen ökonomischem Druck, ökologischen Herausforderungen, technologischer Veränderung und der Frage, wie ländliches Leben überhaupt wahrgenommen und dargestellt wird. Deshalb ist es notwendig, die Bäuerin nicht länger nur als Bildträgerin für romantisierende Vorstellungen zu betrachten - nicht allein als Symbol für Heimat, Natürlichkeit oder Tradition, sondern als eigenständiges Subjekt ihrer Gegenwart in all ihrer Authentizität und Wahrhaftigkeit.
Die Schau läuft bis 31. Oktober 2026.

Öffnungszeiten:
  • Freitag: 13 - 18 Uhr
  • Samstag und Sonntag: 10 - 18 Uhr
  • Für Gruppen auch nach telefonischer Vereinbarung außerhalb der Zeiten möglich.
 
Adresse: Hipphalle, Theresienthalstraße 68a, 4810 Gmunden
 

Zum weiteren Austausch laden die Veranstalter ein am:

  •  8. Oktober, 18 Uhr: Gespräch mit Maria Fanninger (Land schafft Leben) und Karin Metz (Kürbishof Metz)
  • 16. Oktober, 13 - 16 Uhr: Austausch mit Landesbäuerin Johanna Haider
  •  17. und 18. Oktober: 10 - 18 Uhr: Tage des offenen Ateliers -  Bilddialog mit Daniela Köppl
  •  31. Oktober, ab 14 Uhr: Finissage mit offenem Artist-Talk