Dagmar Kohl aus Rohrendorf bei Krems: Mit Wein, Mut und klaren Worten

Weinbau, Heuriger und dazu noch Bezirksbäuerin - Dagmar Kohl bringt vieles unter einen Hut. Die 35-Jährige hat vor vier Jahren den Betrieb in Rohrendorf bei Krems übernommen und führt ihn gemeinsam mit ihrer Familie. Neben dem Weinbau betreibt sie einen Heurigen mit kalten Speisen, Wein und Mehlspeisen - ein Angebot, das vor allem bei Tourist:innen gut ankommt.
Am Hof wird produziert, was später auch verkauft wird. Der Großteil geht “direkt über den Tresen“, erzählt Dagmar. Im Sortiment finden sich klassische Sorten wie Grüner Veltliner, Muskateller, Riesling, Weißburgunder, aber auch die alte Sorte Müller-Thurgau wird angeboten. Gleichzeitig ist sie offen für Neues: Seit fünf Jahren wächst auch ein Donauveltliner am Betrieb - eine pilzresistente Sorte, die mit weniger Pflanzenschutz auskommt.

Zwischen Betrieb, Funktion und frischen Ideen

Neben dem eigenen Betrieb engagiert sich Dagmar als Bezirksbäuerin in Krems und bringt dabei frischen Wind und neue Ideen ein. Sie ist die jüngste Bezirksbäuerin in Niederösterreich und bekommt viel positives Feedback, sowohl von Gebietsbäuerinnen als auch von ihrer Vorgängerin.

Ihr Zugang ist klar: Landwirtschaft gehört nach außen getragen. “Wir brauchen uns auf keinen Fall verstecken, wir müssen mit erhobenem Haupt sagen, was wir können“, betont sie. Genau das motiviert sie auch, sich zu engagieren und andere mitzunehmen.
 
Weiterbildung war für Dagmar schon immer wichtig. Der ZAMm-Lehrgang hat sie in ihrer Rolle als Bezirksbäuerin zusätzlich gestärkt. “Ich habe viele tolle Frauen kennengelernt, die mir Kraft und Tipps gegeben haben“, erzählt sie. Auch die Vernetzung spielt für sie eine große Rolle. “Es ist ein richtiger Schwung drinnen“, sagt sie. Bei Treffen und Sitzungen nehme sie immer etwas mit. Gleichzeitig seien daraus auch Freundschaften entstanden. Für sie ist klar: Wer sich austauscht und weiterbildet, bleibt am Ball und entwickelt sich weiter.

Verantwortung als Chance

Verantwortung sieht Dagmar nicht als Belastung, sondern als Chance. “Ich mache das gern“, sagt sie. Auch wenn einmal etwas nicht so läuft wie geplant, gehört das für sie dazu. Fehler seien kein Problem - man könne daraus lernen und es beim nächsten Mal besser machen.

Ihre Stärke liegt darin, offen zu bleiben und Fragen zu stellen. Gerade bei Herausforderungen sucht sie aktiv den Austausch. “Ich lasse mich gerne aufklären und frage nach, wie es wirklich ist“, erzählt sie.
 

Frauen stärken und sichtbar machen

Ein wichtiges Anliegen ist es ihr, Frauen in der Landwirtschaft zu stärken. “Ein Hof ohne Frau funktioniert auch nur halb“, sagt sie überzeugend. Umso wichtiger sei es, Frauen sichtbar zu machen und ihnen Mut zu geben, Verantwortung zu übernehmen.
 
Jungen Bäuerinnen, die überlegen, eine Funktion zu übernehmen, rät sie klar: “Unbedingt machen!“ Der Zusammenhalt sei groß und es sei eine Chance, auch einmal aus dem eigenen Alltag herauszukommen.
 

Steckbrief

Name: Dagmar Kohl
Betrieb: Weinbau mit Heurigen
Alter: 35 Jahre
Talent: Gute Fragen stellen. Motivation geben.

 
Das Projekt “ZAMm unterwegs“ wird unterstützt von Bund, Ländern und Europäischer Union.

Zum Lehrgang

Du willst aufstehen und mitreden? Eine moderne Agrarpolitik braucht die Stimme der Frauen. Der ZAMm-Lehrgang “Professionelle Vertretungsarbeit im ländlichen Raum“ wurde von der ARGE Österreichische Bäuerinnen initiiert und hilft Frauen, sich aktiv in agrarischen und kommunalen Gremien, Vereinen und Verbänden einzubringen. Der Kurs richtet sich speziell an Bäuerinnen und stärkt ihre Fähigkeiten, mitzugestalten.

Mehr dazu online unter www.zamm-unterwegs.at