Wir sind Exoten“: Landwirtschaft am Stadtrand von Linz

Dass Landwirtschaft auch dort funktioniert, wo andere Urlaub machen, zeigt Karin Huber: Am Waldbothgut in Linz-Ebelsberg verbinden sie und ihre Familie Ackerbau und Urlaub am Bauernhof. Die ruhige Lage lockt gerade deswegen eine eher untypische Besuchergruppe an.
Ein Betrieb, der auf den ersten Blick ungewöhnlich wirkt. Oder wie Karin Huber selbst sagt: “Wir sind Exoten“. 54 Hektar umfasst das Waldbothgut, davon 37 Hektar Ackerfläche, 11 Hektar Wald und Obstgärten. Angebaut werden unter anderem Purpurweizen, Gerste, Zuckerrübe und Kümmel - klassischer Ackerbau also. Und doch ist der Betrieb mehr als das. Mit Urlaub am Bauernhof hat sich die Familie ein zweites Standbein aufgebaut. Karin Huber ist dabei die zentrale Ansprechperson für die Gäste. Was noch erstaunt: Viele ihrer Kund:innen kommen gezielt wegen der Ruhe und der idyllischen Lage auf den Betrieb. Darunter sind auch viele Geschäftsleute, die bewusst Abstand vom hektischen Arbeitsalltag in der Innenstadt suchen.
 

So vielseitig ist der Alltag am Waldbothgut

Der Hofalltag ist klar aufgeteilt, aber flexibel. “Ich stehe auf und schaue zuerst, dass für meine Kinder alles passt“. Danach folgt das Frühstück für die Gäste, Zimmer reinigen, organisieren, telefonieren, Angebote schreiben. Es ist viel Büroarbeit – mehr, als sie ursprünglich erwartet hat. Wenn es notwendig ist, übernimmt ihr Mann Franz auch das Zubereiten des Frühstücks für die Gäste. Karin sitzt dafür ebenso an manchen Tagen am Traktor oder arbeitet im Wald mit. Zum Ausasten hat sie sogar eine eigene kleine Motorsäge bekommen. Unterstützung kommt inzwischen auch von ihren Kindern, die ebenso ehrenamtlich sehr engagiert und offen für Neues sind. Gerade dieser Zusammenhalt ist es, der den Betrieb ausmacht, so Huber.

Ihr Motto: Schritt halten und motivieren

Stillstand ist für Karin keine Option. Weiterbildung beschreibt sie als “sehr, sehr wichtig, damit man am Puls der Zeit bleibt“. Besonders begeistert haben sie zuletzt Aufzeichnungen und Analysen beim Thema Urlaub am Bauernhof. “Wenn sich der Erfolg in Zahlen widerspiegelt, weiß ich: Das, was ich mache, mache ich richtig und gut.“ Gleichzeitig helfen sie beim Reflektieren: Wo steht der Betrieb? Und an welchen Schrauben kann man drehen, damit sich der Aufwand reduziert und sich die Arbeit weiterhin lohnt?, sagt Karin.

Vernetzen statt Einzelkämpfen

Gerade in der Landwirtschaft sieht die Linzerin ein wichtiges Thema: Sichtbarkeit. “Wir sind eh schon so wenig.“ Ein gutes Netzwerk, welches einander motiviert, ist für sie besonders wertvoll. Vernetzung bedeutet für sie, Menschen kennenzulernen und miteinander zu gestalten. In ihren Worten: “vorleben statt vorgeben“.

Karin weiß, dass Zeit für sich selbst im Alltag einer Bäuerin eher selten bleibt und arbeitet bewusst an ihrer Freizeitgestaltung. Zwei Turngruppen hat sie sich fix eingeplant, damit sie zumindest eine davon regelmäßig besuchen kann. Dort gibt sie auch ihr Handy ab. “Me-Time ist sehr wichtig“, sagt sie. Das rät sie auch allen anderen: “Ein Hobby und bewusste Abgrenzung helfen, Rollen, Ehrenämter und Verantwortung besser koordinieren zu können.“
 

Steckbrief

Name: Karin Huber
Betrieb: Ackerbau mit Urlaub am Bauernhof in Linz/Ebelsberg
Alter: 49 Jahre
Superkraft: ihre Coolness & Entspanntheit
 
Diese Reportage ist Teil des Projektes “ZAMm unterwegs“ und wird unterstützt von Bund, Ländern und Europäischer Union.
Karin Huber ist Absolventin des ZAMm-Lehrganges: Du willst aufstehen und mitreden? Eine moderne Agrarpolitik braucht die Stimme der Frauen. Der ZAMm-Lehrgang “Professionelle Vertretungsarbeit im ländlichen Raum“ wurde von der ARGE Österreichische Bäuerinnen initiiert und hilft Frauen, sich aktiv in agrarischen und kommunalen Gremien, Vereinen und Verbänden einzubringen. Der Kurs richtet sich speziell an Bäuerinnen und stärkt ihre Fähigkeiten, mitzugestalten.

Mehr dazu online unter www.zamm-unterwegs.at