Sylke Herse hat ihren Weg mit der Heidelbeere gefunden

Erfolg ist kein Privileg für Männer.
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Sylke Herse © Mathis Studio
Gemeinsam mit Sylke Herse, der CERES-Award-Gewinnerin und Landwirtin des Jahren 2025, sind wir eingetaucht in die Welt der Heidelbeere, denn sie ist es, auf die Herse ihren Hof in Niedersachsen ausgerichtet hat.
 
Aus einer bäuerlichen Familie stammend, hat sie nach ihrem eigenen Weg gesucht und dann den Sprung ins kalte Wasser gewagt und sich für die Heidelbeere als Produktionsschwerpunkt ihres Betriebes entschieden. Bewirtschaftet werden die 25 ha biologisch und überwiegend von Hand. Haupterntesaison ist im Juli bis ca. Mitte August. Aktuell muss für den Schutz der Sträucher vor Frost gesorgt werden, denn -8 Grad Celsius sind nachts nun durchaus möglich.

Nachhaltigkeit, Gerechtigkeit und Verwurzelung

Nachhaltigkeit und Gerechtigkeit sind Herse sehr wichtig. So finden sich auf allen Dächern des Hofes Photovoltaikpaneele und es werden zahlreiche Maßnahmen zum Schutz der Artenvielfalt gesetzt, wie Blühwiesen. “Wir müssen auch vernünftige Löhne zahlen“, so Herse. Damit sind sie ein Vorreiterbetrieb in der Region. Auf die Einbeziehung der Menschen aus dem Dorf legt die Bäuerin großen Wert: Hoffeste, Veranstaltungen für die Kinder aus dem kleinen Ort, ein regionaler Zirkus usv. Sind Zeichen der Verwurzelung.

In der Vermarktung breit aufgestellt

“Direktvermarktung ist meine Leidenschaft“, sagt Sylke Herse von sich selbst. Und dabei lässt sie ihrem Ideenreichtum freien Raum. 2013 hat sie ein Hofcafe - inspieriert von einer Skihütte - mit 200 Sitzplätzen eröffnet, um es noch im selben Jahr auf 400 zu erweitern. 2025 wurde es von 70.000 Gästen besucht - und das in einem 150 Einwohnerdorf. Dafür habe sie viel Werbung und durch den Besuch von Ausstellungen und Messen, sich selbst sichtbar gemacht, betonte Herse. “Die Leute kommen traditionell für einen halben Tag oder einen ganzen Tag auf unseren Hof - ernten die Früchte, trinken Kaffee, gehen spazieren.“ Auch in der Produktenwicklung lässt sich Herse durch nichts bremsen. In ihrem Hofladen finden sich u.a. Blaubeer-Senf, Blaubeer-Ketchup, Blaubeer-Salat. Es gibt Saft mit Wein und auch Glühwein. Jährlich entwickelt sie ein neues Produkt mit und um die Blaubeere. “Wir sind mit sieben Produkten kulinarischer Botschafter Niedersachsen geworden. In diesem Jahr gibt es wieder einen Wettbewerb, bei dem wir uns was ausdenken.“ Neu im Programm sind getrocknete Waren, mit denen man in die Gesundheitsschiene will.

Von “Pflück dir deine Blaubeeren selbst“ bis zur “Strauchpatenschaft“

Auf der Plantage neben dem Cafe können Gäste auch selbst Blaubeeren pflücken. Das Konzept hat sich über die Jahre geändert, so Herse. Statt viel zu pflücken und weiterzuverarbeiten, schlagen sich die Besucher:innen nun in der Selbstpflückplantage die Bäuche voll und nehmen nur wenige Blaubeeren mit nach Hause. Daher zahlt man nun Eintritt und bekommt die Früchte zum Mitnehmen zu einem günstigeren Preis. Übrigens: 1.500 Personen haben schon eine Patenschaft für einen der Blaubeersträucher übernommen.
 
Auch in der traditionellen Vermarktung ihrer Früchte die kreative Landwirtin schon viel versucht: Sie liefert an den Lebensmitteleinzelhandel - ein Modell von dem sie aber Abstand nehmen will, um "unabhängig zu sein“. Sie beliefert den Naturgroßhandel, wo jedoch die Nachfrage in den vergangenen Jahren von rund 20% auf 5% gesunken ist. Seit drei Jahren wird mit Crop Farming gearbeitet - einem Unternehmen, das Lebensmittel im Internet anbietet und direkt zu den Käufer:innen nach Hause schickt. 2025 konnten auf diese Weise 20 t Blaubeeren verkauft werden.
Herse: “Das hätte ich mir auch nicht träumen lassen, dass das mal so sein wird. Aber Erfolg ist kein Privileg für Männer. Das musste ich meinem Vater auch erst beibringen.“