Ohne Bäuerinnen keine Zukunft

2026 steht ganz im Zeichen jener Frauen, die Landwirtschaft innovativ gestalten und den ländlichen Raum tragen.
Die Vereinten Nationen (UN) haben das Jahr 2026 zum Internationalen Jahr der Bäuerin erklärt. Damit soll die unverzichtbare Leistung von Frauen in der Landwirtschaft sichtbar gemacht werden. Ziel ist es, ihren Beitrag zu Ernährungssicherheit, Gesellschaft und Wirtschaft hervorzuheben und gleichzeitig auf bestehende Herausforderungen aufmerksam zu machen sowie Verbesserungen anzustoßen. Im Mittelpunkt stehen die Bäuerinnen, die mit ihrer täglichen Arbeit wesentlich zu unserem Alltag beitragen - sei es in der Lebensmittelproduktion, der Pflege unserer Kulturlandschaft oder in der Bewahrung kultureller und traditioneller Werte.
 
“Unsere Bäuerinnen leisten Tag für Tag Enormes - für unsere Ernährung, unsere Landschaft und unsere ländliche Kultur. Oft geschieht das im Stillen, aber niemals ohne Wirkung. Das Internationale Jahr der Bäuerin 2026 ist eine wertvolle Chance, diese Arbeit sichtbar zu machen. Es ist an der Zeit, den Frauen in der Landwirtschaft die Wertschätzung zu geben, die sie verdienen“, so Rosemarie Ferstl die Vizepräsidentin der Landwirtschaftskammer OÖ.
 
Die Landwirtschaftskammer OÖ als bäuerliche Interessenvertretung wird in diesem Jahr besonders auf die bedeutende Rolle der Bäuerinnen auf den Höfen eingehen. Die klassische Arbeit der Bäuerinnen umfasst vielfältige Aufgaben - wie die Betreuung von Tieren, die Pflege der Felder und Gärten sowie die Organisation des Hofalltages - die sie mit großem Wissen und Einsatz bewältigen. Bäuerinnen sind vielseitig, packen dort an, wo Hilfe nötig ist, und halten mit ihrer Flexibilität und ihrem Arbeitseinsatz Familie und Hof am Laufen. Besonders zeichnen sie sich durch Ideenreichtum, Innovationsstärke und Mut aus und sind damit oft Motor des bäuerlichen Betriebes.
 
“Wenn Bäuerinnen aufgrund von Schicksalsschlägen wie Krankheit oder Unfall des Partners den Hof plötzlich allein weiterführen müssen, tragen sie oft unter großem persönlichem Einsatz die gesamte Verantwortung für Tiere, Felder und Betrieb, um den Fortbestand ihres landwirtschaftlichen Lebenswerks zu sichern. Auf vielen Bauernhöfen führt die zusätzliche Verantwortung der Altenbetreuung zu einer erheblichen Mehrbelastung, da neben der landwirtschaftlichen Arbeit auch die intensive Pflege und Unterstützung älterer Familienmitglieder bewältigt werden muss“, erläutert Ferstl.
 
In Österreich werden 36 % der rund 101.000 landwirtschaftlichen Betriebe von einer Frau geleitet (36.035 Betriebe laut Agrarstrukturerhebung 2023), in weiteren 12% der Fälle partnerschaftlich gleichberechtigt. Damit liegt Österreich im EU-Vergleich im Spitzenfeld. Was allerdings auch belegt ist: Für die Arbeit am Bauernhof braucht es ein aktives Miteinander und nur, wenn alle an einem Strang ziehen, sind Betriebe gut aufgestellt.
 
In Oberösterreich werden von 24.440 landwirtschaftlichen Betrieben 43,6% von Frauen bzw. in einer Ehegemeinschaft geführt (10.651 Betriebe) - 25,7% nur von einer Bäuerin, 17,9% in einer Ehegemeinschaft. Die meisten rein von Frauen geführten Bauernhöfe gibt es in Vöcklabruck mit 633, gefolgt von Freistadt mit 625 und Braunau mit 611. Prozentuell gesehen ist in folgenden drei Bezirken der von Frauen geführte Betriebsanteil am höchsten: 28,9% in Vöcklabruck, 28,7% in Ried und 28% in Braunau.
 
“Bäuerinnen übernehmen unternehmerische Verantwortung und sind treibende Kraft bei der Entwicklung zusätzlicher Einkommensstandbeine wie Direktvermarktung, Urlaub am Bauernhof, sozialen Dienstleistungen oder Verarbeitung. Gerade diese Erwerbskombinationen ermöglichen Frauen, einen eigenständigen Arbeitsplatz am Hof zu schaffen und die wirtschaftliche Stabilität der Betriebe zu erhöhen“, erläutert Ferstl.

Bäuerinnen: der Motor für die Diversifizierung

Innovation ist in der Landwirtschaft vielfach weiblich geprägt. Bäuerinnen übernehmen am Betrieb häufig eine zentrale Rolle, wenn es darum geht, neue Ideen zu entwickeln. Diese neuen wirtschaftlichen Standbeine sind insbesondere für kleinstrukturierte Familienbetriebe von großer Bedeutung.
 
Ein besonders wichtiges Feld der Diversifizierung ist die Direktvermarktung. Österreichweit betreiben laut Erhebungen rund 28% der landwirtschaftlichen Betriebe Direktvermarktung. In der Direktvermarktungsdatenbank der Landwirtschaftskammer Oberösterreich sind aktuell 2.462 Betriebe erfasst, wobei je nach Definition und Erhebungsmethode von insgesamt rund 5.000 direktvermarktenden Betrieben in Oberösterreich ausgegangen wird. Direktvermarktung ist dabei ein Bereich, der stark von Bäuerinnen getragen wird.
 
Auch im Bereich Urlaub am Bauernhof zeigt sich die unternehmerische Stärke der Bäuerinnen. Österreichweit bieten rund 7.400 Betriebe Urlaub am Bauernhof an. In Oberösterreich führen 254 Betriebe ein umfangreiches und professionelles Angebot in diesem Bereich, das in der Praxis überwiegend von Frauen organisiert und umgesetzt wird.
 
Ein weiteres Beispiel für erfolgreiche Diversifizierung ist Schule am Bauernhof. Österreichweit sind 644 Betriebe Teil dieses Bildungsangebots. In Oberösterreich gibt es 143 Schule‑am‑Bauernhof‑Betriebe, wobei 83% der Angebote von Bäuerinnen umgesetzt werden. Insgesamt sind es 130 Bäuerinnen, die hier ihr Fachwissen einbringen und Landwirtschaft für Kinder und Jugendliche erlebbar machen.
 
Ähnlich stark weiblich geprägt ist der Bereich der Seminarbäuerinnen - das sind fachlich geschulte Botschafterinnen der Landwirtschaft, die in Workshops, Vorträgen und Lehrküchen praxisnahes Wissen rund um regionale Lebensmittel vermitteln. Österreichweit engagieren sich rund 330 Seminarbäuerinnen, davon 60 in Oberösterreich. Viele von ihnen sind über Jahrzehnte aktiv, wie etwa Emilie Staudinger aus Großraming, die seit 1994 als Seminarbäuerin tätig ist und ihre Arbeit bis heute mit großem Fachwissen und persönlichem Engagement ausübt.
 
Auch im zukunftsweisenden Bereich Green Care nehmen Frauen eine tragende Rolle ein. Österreichweit gibt es 132 zertifizierte Green‑Care‑Betriebe, davon 16 in Oberösterreich. Bei 12 dieser 16 Betriebe sind Frauen federführend für die Green‑Care‑Angebote verantwortlich.

Frauenanteil in den agrarischen Gremien

Die Landwirtschaftskammer OÖ richtet den Blick verstärkt auf den Frauenanteil in agrarischen Entscheidungsgremien. Während Bäuerinnen in der Betriebsführung längst eine tragende Rolle einnehmen, spiegelt sich diese Stärke in der politischen Vertretung bislang nur eingeschränkt wider. Derzeit liegt der Anteil weiblicher Funktionärinnen in Oberösterreich bei 26% - ein Wert, den die Kammer deutlich steigern möchte. Entscheidend ist es, Bäuerinnen zu ermutigen, Verantwortung zu übernehmen und sich aktiv in die Gremienarbeit einzubringen.
 
Ferstl betont dabei die Bedeutung einer stärkeren weiblichen Präsenz: „Frauen bringen andere Perspektiven, Erfahrungen und Lösungsansätze ein. Wenn wir die Zukunft der Landwirtschaft gestalten wollen, müssen diese Stimmen in unseren politischen Gremien stärker hörbar werden.“
 
In den Vollversammlungen der Landwirtschaftskammern konnte der Frauenanteil in den vergangenen Jahren bereits schrittweise auf durchschnittlich 25% erhöht werden. Das ursprüngliche Ziel der 2017 ins Leben gerufenen Charta für partnerschaftliche Interessenvertretung von 30% versteht die Kammer dabei als Etappenziel auf dem Weg zu einer ausgewogenen Geschlechterverteilung in allen agrarischen Gremien.

Landwirtschaftskammer unterstützt angehende Funktionärinnen

Der Landwirtschaftskammer OÖ ist es wichtig, angehende Funktionärinnen zu unterstützen und in Form von Weiterbildungsangeboten zu stärken. Ein eigens hierfür entwickelter Ausbildungslehrgang (ZAMm - Zukunftsorientiert, Agrarwirtschaftlich, Motiviert - zusammen unterwegs für eine zukunftsorientierte Agrarwelt) bietet den Teilnehmerinnen die Möglichkeit, sich die nötigen Werkzeuge anzueignen.
 
Der erste Ausbildungslehrgang startete 2012/13. Auch Rosemarie Ferstl war vor einigen Jahren Teilnehmerin eines ZAMm-Kurses und sie resümiert: “Der ZAMm‑Lehrgang hat mir das nötige Rüstzeug für meine Funktionärstätigkeit gegeben - von sicherem Auftreten über klare Argumentation bis hin zum Verständnis agrarpolitischer Zusammenhänge. Diese Ausbildung war eine wichtige Grundlage für meinen weiteren Weg in der Interessenvertretung.“
 
Seither wurden - inklusive der beiden derzeit laufenden Lehrgänge - elf Zertifikatslehrgänge in Oberösterreich mit insgesamt 128 Teilnehmerinnen und einem Teilnehmer durchgeführt, denn in Kürze wird in OÖ erstmals ein Mann diese Ausbildung abschließen.

Das Internationale Jahr der Bäuerin 2026 ist ein Auftrag zum Handeln

Erstens: finanzielle und rechtliche Absicherung vorantreiben. Wir brauchen klare, leicht zugängliche Informationen und stabile Rahmenbedingungen für Pensions-, Sozial‑ und Familienleistungen sowie bei Hofübergaben - damit Frauen am Hof von Anfang an eigenständig abgesichert sind.

Zweitens: Gesundheit und Care‑Arbeit gezielt unterstützen und absichern. Von Prävention über Entlastungs‑ und Beratungsangebote bis zu unbürokratischen Anspruchswegen - wer Familie, Pflege und Betrieb trägt, braucht verlässliche Strukturen und Zeitfenster, um gesund zu bleiben.

Drittens: Gleichstellung in der Interessenvertretung ausbauen. Mehr Frauen in Gremien, Führungsfunktionen und auf Entscheidungsebenen stärkt die Landwirtschaft insgesamt. Unser Ziel ist eine ausgewogene Vertretung - partnerschaftlich, kompetent und auf Augenhöhe.
Die wichtige Rolle der Bäuerinnen wird oft zu wenig wahrgenommen. Deshalb sollen sie 2026 im internationalen Jahr der Bäuerin besonders ins Rampenlicht gerückt werden. Den Bäuerinnen gebühren Anerkennung und Dank: Ohne sie hätten 36% der österreichischen Betriebe keine Betriebsführerin und 100% keine Zukunft - wie Bundesminister Norbert Totschnig vor kurzem feststellte. “Wir wollen vermitteln, was es bedeutet, Bäuerin zu sein, welche Stärken und Talente diese Frauen mitbringen und welchen Herausforderungen sie sich stellen. Wir möchten 2026 nützen, um das Engagement der Bäuerin aufzuzeigen und ihrer Arbeit die nötige Wertschätzung entgegenbringen“, erläutert Johanna Haider, die Vorsitzende des Bäuerinnenausschusses der Landwirtschaftskammer OÖ.
 
Die Bäuerinnen in Oberösterreich sind gut vernetzt, weil auf Orts-, Bezirks- und Landesebene gewählte Vertreterinnen zusammenarbeiten und gemeinsam Projekte und Aktivitäten, wie z.B. die Aktionstage an den Volksschulen, umsetzen.
 
“Auf Landesebene gibt es in der Landwirtschaftskammer OÖ den Ausschuss für Bäuerinnenangelegenheiten, dessen Vorsitzende ich derzeit sein darf. In insgesamt drei Sitzungen werden Agrarpolitik und Zukunftshemen behandelt sowie die Jahresaktivitäten geplant. Mitglieder sind alle Vorsitzenden aus den 15 Bezirken, die Kammerrätinnen und Vertreterinnen aus allen Fraktionen. Auf Bezirksebene gibt es die Bäuerinnenbeiratssitzungen, die von der Vorsitzenden des Bäuerinnenbeirats geführt werden. Hier sind die Bäuerinnenbeirätinnen aus allen Gemeinden vertreten. Die gewählten Bäuerinnenbeirätinnen in jeder Gemeinde leiten die örtlichen Treffen“, erläutert Johanna Haider die Struktur der Bäuerinnenarbeit.

Brennpunkt Aus- und Weiterbildung

Der Stellenwert von Aus- und Weiterbildung ist bei Bäuerinnen sehr hoch und das nicht nur wegen der gesetzlich vorgeschriebenen und verpflichtenden Weiterbildungskurse. Auch das eigene Interesse und die Bereitschaft für ein breites Wissen ist sehr groß.
 
Das Ländliche Fortbildungsinstitut der Landwirtschaftskammer OÖ (LFI) bietet ein großes Angebot an Kursen, welche bequem von zuhause in Form von Onlinekursen oder in Präsenz in allen Regionen genutzt werden können. Die Kurse werden zu 40% von Frauen besucht. Besonders hohe Frauenanteile zeigen sich in den Bereichen, die Organisation, Wissenstransfer, soziale Kompetenzen und Wertschöpfung nahe am Betrieb betreffen: Kurse zu Ernährung und Gesundheit werden zu 84% von Frauen besucht, Kurse zu Betrieb und Unternehmen zu 59%, zur Direktvermarktung und Urlaub am Bauernhof zu 58% und zur Ausbildung und Persönlichkeit zu 55%.

Immer mehr weibliche Facharbeiterinnen und Meisterinnen

Auch bei der Facharbeiter- und Meisterausbildung ist die Zukunft zunehmend in weiblicher Hand. So machen immer mehr Frauen ihren Facharbeiter-Abschluss und ihre Meisterausbildung in verschiedenen Fachrichtungen. So gab es im Vorjahr rund 300 neue Facharbeiterinnen in der Fachrichtung Landwirtschaft und etwa ebenso viele in der Fachrichtung Ländliches Betriebs- und Haushaltsmanagement. 44% der neuen Facharbeiter waren 2025 weiblich, 1990 waren es nur 22%.
 
Die Entwicklung der Meisterabschlüsse zeigt einen klaren strukturellen Wandel: Zwar sind diese weiterhin überwiegend von Männern geprägt, doch der Frauenanteil hat sich seit 1990 stabilisiert und zuletzt deutlich erhöht. Während der Männeranteil insgesamt rückläufig ist, steigt der Anteil der Frauen bis 2025 wieder spürbar an. Damit nähern sich die Geschlechterverhältnisse an und machen sichtbar, dass Frauen zunehmend Verantwortung übernehmen und sich verstärkt in qualifizierten, unternehmerisch geprägten Ausbildungswegen positionieren.

Landwirtschaftskammer hilft den Bäuerinnen bei Herausforderungen

Im Internationalen Jahr der Bäuerin wird sichtbar gemacht, mit welchen vielfältigen Herausforderungen Bäuerinnen konfrontiert sind - sei es durch persönliche Schicksalsschläge, Überlastung oder durch hohe bürokratische und gesetzliche Anforderungen. Die Landwirtschaftskammer Oberösterreich sieht es als ihre Aufgabe, Bäuerinnen in unterschiedlichen Lebensphasen durch gezielte Beratung und Serviceangebote zu unterstützen.
 
Mit der Beratungsstelle “Lebensqualität Bauernhof“ bietet die Landwirtschaftskammer OÖ Unterstützung in besonderen Lebenssituationen. Diese reicht von einem umfangreichen Kursangebot - auch online und anonym - bis hin zu vertraulichen persönlichen Beratungsgesprächen. “Hilfe wird unter anderem bei zwischenmenschlichen Konflikten, Hofübergaben, Generationenkonflikten, betrieblicher Überlastung sowie bei Themen wie Sucht oder Gewalt angeboten“, erläutert Haider.
 
Ein gut ausgebautes Gesundheits- und Sozialleistungsangebot ist entscheidend, damit Bäuerinnen ihre Herausforderungen bewältigen können. Ebenso wichtig ist ein möglichst einfacher und unbürokratischer Zugang zu Leistungen wie dem Wochengeld. Zu den wesentlichen Erfolgen der Interessenvertretung zählen der gesetzliche Mutterschutz für Bäuerinnen (seit 1982), die Einführung finanzieller Leistungen zur Kinderbetreuung sowie die Bäuerinnen-Pension (seit 1992). Seit 2023 kann zudem der Angehörigenbonus für pflegende Angehörige in Anspruch genommen werden.
 
“Viele Frauen im ländlichen Raum engagieren sich darüber hinaus ehrenamtlich und leisten einen wesentlichen Beitrag zum gesellschaftlichen Leben. Sie wirken in zahlreichen Organisationen auf Orts- und Bezirksebene mit, erhalten Traditionen wie Erntedankfeste oder Brauchtumsmärkte und geben altes Kunst- und Handwerk innerhalb der Familien weiter“, betont Haider.

Finanzielle Absicherung der Bäuerinnen

Ein besonderes Anliegen ist der Landwirtschaftskammer Oberösterreich die finanzielle und rechtliche Absicherung junger Bäuerinnen. Zur Vertiefung dieser wichtigen Themen werden auf Bundesebene Online‑Webinare unter dem Titel “Recht(e) haben“ angeboten. Dabei werden zentrale Fragestellungen wie Familienrecht, Erbrecht, Hofübergabe, Sozialrecht und weitere relevante Bereiche praxisnah behandelt.
Dieser niederschwellige und unkomplizierte Zugang zu fundierten Informationen ist von großer Bedeutung, denn gezielte Aufklärung und frühzeitige Sensibilisierung leisten einen wesentlichen Beitrag zur finanziellen Eigenständigkeit von Bäuerinnen und zur Vermeidung von Altersarmut.
 
“Bäuerinnen, die über viele Jahre hinweg am Betrieb mitgearbeitet haben, haben erst seit 1991 die Möglichkeit, eine eigene Pension zu beziehen. Davor waren sie über ihren Ehemann mitversichert und verfügten über keinen eigenständigen Pensionsanspruch. Festzuhalten ist, dass die durchschnittliche Pension von Bäuerinnen mit rund 813 Euro vergleichsweise niedrig ausfällt - und das trotz eines hohen Arbeitseinsatzes, der sich vielfach über mehr als fünf Tage pro Woche und deutlich über 40 Arbeitsstunden hinaus erstreckt“, erläutert Haider.

Unterstützung für “Quereinsteigerinnen“

Immer häufiger kommen Bäuerinnen aus dem nicht landwirtschaftlichen Bereich und tauchen in eine völlig fremde Welt ein. Bäuerinnen stellen oft das Herzstück eines bäuerlichen Familienbetriebes dar und sind somit wichtig für den ländlichen Raum und dessen Zukunft.
 
Die Möglichkeit der Selbstbestimmtheit und die eigenen Entfaltungsmöglichkeiten sind häufig auf den ersten Blick nicht erkennbar, oft sieht man nur die Herausforderungen. Damit der Einstieg in das Leben und Arbeiten auf einem Bauernhof leichter gelingt, wurde von der Landwirtschaftskammer OÖ die Broschüre “Plötzlich Bäuerin“ erstellt, die einen Überblick für relevante Themen wie Ansprechpartner in den Regionen, Rechte der Frauen, Erweiterung der Erwerbstätigkeit bis hin zur Absicherung verschaffen.

Was passiert im Internationalen Jahr der Bäuerin in Oberösterreich?

Im Internationalem Jahr der Bäuerin wird die Landwirtschaftskammer OÖ eine Reihe von Veranstaltungen, Pressekonferenzen und Reportagen präsentieren, die sowohl für die Konsumentinnen und Konsumenten interessant sind, aber auch im speziellen für die Bäuerinnen organisiert werden, um auch ihnen Dank und Anerkennung auszusprechen. Weiters können alle Aktionen über Social Media-Beiträge mitverfolgt werden und diese sollen Einblick in das Leben und Wirken von Bäuerinnen geben.
 
Jänner
Gemeinsam mit Vizepräsidentin Rosemarie Ferstl und Bäuerinnenausschuss-Vorsitzender Johanna Haider wurde ein Podcast als Auftakt zum Internationalen Jahr der Bäuerin aufgenommen, der auf YouTube nachgehört werden kann.
 
März
Anlässlich des Weltfrauentages können Konsumentinnen an einem Gewinnspiel teilnehmen und einen halben Tag bei einer Bäuerin im jeweiligen Bezirk verbringen. Ziel ist es, Einblicke in den vielfältigen Alltag der Bäuerinnen zu geben - von Acker- und Gemüsebau über Tierhaltung bis hin zu Verarbeitung und Spezialkulturen.
Ende März ist zudem eine Pressekonferenz geplant, bei der drei Bäuerinnen im Porträt vorgestellt werden. Unter dem Motto “Das Bild der Bäuerin im Wandel der Zeit“ erzählen drei Absolventinnen derselben Schule (Maturajahrgänge 1967, 1993 und 2018) von ihren Betrieben, Herausforderungen und Lebenswegen.
 
April
Der April steht ganz im Zeichen der Bäuerinnen: Neben dem Bundesbäuerinnentag in Vorarlberg mit internationalen Gastrednern, darunter FAO-Experte Arafat Hanani, findet in Oberösterreich ein Vernetzungstreffen mit der Unterzeichnung der “Charta für partnerschaftliche Interessenvertretung“ durch den Präsidenten der Landwirtschaftskammer und die Obleute der oberösterreichischen Verbände aus dem agrarischen Bereich statt. Ergänzt wird das Programm durch eine Bezirksveranstaltung in Freistadt zum Thema Lebensmittel.
 
Mai
In den Bezirken Linz, Perg und Steyr werden Veranstaltungen auf und rund um Bauernhöfe organisiert, bei denen die Ernährungssicherheit im Mittelpunkt steht.
 
Juni & Juli
Im Juni findet im Bezirk Rohrbach ein großes Brauchtumsfest statt. Im Juli rückt unter dem Motto “Auch Bauern brauchen Urlaub“ ein Urlaub-am-Bauernhof-Betrieb in den Fokus und zeigt, wie Höfe während der Abwesenheit von Bauer und Bäuerin weitergeführt werden. Zudem gibt es ein Sommertreffen der Bäuerinnen im Bezirk Schärding.
 
August & September
Im August wird am Beispiel von St. Wolfgang die Bedeutung der Bauernschaft für Kulturlandschaft und Tourismus beleuchtet.
Im September folgt das traditionelle Erntedankfest im Linzer Mariendom mit Bäuerinnen-Chören, mehreren Erntekronen und einem Schmankerlmarkt. Zusätzlich ist Oberösterreich beim Ernte.dank.festival am Wiener Heldenplatz vertreten.
 
Oktober
Bäuerinnen gestalten Aktionstage an Volksschulen und vermitteln Wissen zur Landwirtschaft. Darüber hinaus findet in mehreren Bezirksbauernkammern der “Tag der Landwirtschaft“ mit Stationenbetrieb für Schulklassen statt. Zum Weltlandfrauentag und Welternährungstag wird eine Gugelhupf-Challenge organisiert, deren Erlös sozialen Einrichtungen zugutekommt.
 
November & Dezember
Im November werden Bäuerinnen-Veranstaltungen in den Bezirken Eferding und Grieskirchen abgehalten. Im Dezember steht ein Rückblick auf die Vielfalt, Leistungen und Stärken der Bäuerinnen im Mittelpunkt.
 
“Wo Frauen wirken, wächst Zukunft - stellen wir 2026 gemeinsam die Weichen dafür“, plädiert Haider abschließend.