Frauen in der Landwirtschaft: Starke Kräfte am Hof und Gestalterinnen der Zukunft

Frauen spielen in der Landwirtschaft eine zentrale Rolle. In Österreich wird rund jeder dritte Betrieb von einer Frau geführt - aktuell sind es rund 36%. Die “Bäuerin“ ist längst nicht mehr nur Helferin, sondern Betriebsleiterin, Unternehmerin und Entscheidungsträgerin.

Darauf macht auch das Internationale Jahr der Bäuerin und Landwirtin 2026 aufmerksam. Die Vereinten Nationen stellen Frauen in der Land- und Forstwirtschaft weltweit in den Mittelpunkt - mit dem Ziel, ihre Leistungen sichtbar zu machen und ihre Rahmenbedingungen zu verbessern. Frauen leisten einen wesentlichen Beitrag zur Land- und Forstwirtschaft, stehen aber vielfach noch vor strukturellen Herausforderungen und sind oft weniger sichtbar.

Viele Bäuerinnen in Österreich setzen auf mehrere Standbeine. Laut Bäuerinnenstudie, die seit 1976 alle zehn Jahre durchgeführt wird, sind rund ein Drittel der Bäuerinnen Quereinsteigerinnen. Sie bringen neue Perspektiven, Qualifikationen und Ideen auf die Betriebe.

Neben der klassischen Landwirtschaft engagieren sich Frauen stark in Bereichen wie Direktvermarktung, Lebensmittelverarbeitung, “Urlaub am Bauernhof“, “Schule am Bauernhof“, Green Care oder als Seminarbäuerinnen. Damit sichern sie Einkommen, stärken die regionale Lebensmittelversorgung und machen ihre Betriebe widerstandsfähiger und zukunftsfit.

Ein Blick auf die Arbeitskräfte zeigt die Bedeutung deutlich: In Österreich werden rund 79% der Arbeit in der Land- und Forstwirtschaft von Familien selbst geleistet. Insgesamt sind etwa 305.000 Arbeitskräfte in der Landwirtschaft tätig, rund 40% davon sind Frauen. Frauen tragen damit wesentlich zum Funktionieren der Betriebe bei und sind in vielen Bereichen tragende Säulen. Gleichzeitig zeigt sich: Viele Frauen gelten offiziell noch als “mithelfende Familienangehörige“ - oft ohne eigenes Einkommen und mit eingeschränkter sozialer Absicherung. Hier besteht weiterhin Handlungsbedarf.

Auch bei der Hofübergabe gibt es Unterschiede: Nur etwa 12% der Betriebe gehen an Töchter, während 88% an Söhne übergeben werden. Gründe dafür sind unter anderem traditionelle Rollenbildern, fehlende Kinderbetreuung, geringere Anerkennung und unsichere Einkommensperspektiven.

Auffallend ist, dass in den letzten Jahren Technik, Digitalisierung und Innovation immer stärker in den Fokus rücken. Moderne Land- und Forstwirtschaft ist längst High-Tech: Sensoren im Stall, digitale Anwendungen am Feld, automatisierte Maschinen und neue Technologien prägen den Arbeitsalltag.

 

Gleichzeitig endet Digitalisierung nicht im Stall oder am Acker. Sie spielt eine zentrale Rolle in der gesamten Betriebsführung - von Aufzeichnungen, Planung und Dokumentation bis hin zur Direktvermarktung, Kommunikation und Diversifizierung. Gerade in diesen Bereichen sind Frauen häufig maßgeblich eingebunden und treiben Entwicklungen aktiv voran.

Die Landwirtschaft ist heute in vielen Bereichen “per se MINT“. Digitale Anwendungen, künstliche Intelligenz, Präzisionslandwirtschaft und neue Geschäftsmodelle eröffnen laufend neue Möglichkeiten. Für junge Frauen bedeutet das: MINT-Kompetenzen werden zur Schlüsselqualifikation - am Betrieb und darüber hinaus.

Für die Landjugend heißt das: Die Zukunft der Landwirtschaft ist nicht nur technisch, sondern auch unternehmerisch, kreativ und vielfältig. Wer sich einbringt, gestaltet aktiv mit.

Das Internationale Jahr der Bäuerin 2026 setzt genau hier an. Es steht für mehr Sichtbarkeit, Anerkennung und Gleichstellung - und für die Weiterentwicklung der rechtlichen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Frauen in der Land- und Forstwirtschaft. Ein Blick auf Hintergründe, Initiativen und Themen findet sich auf der Landingpage des BMLUK “Bäuerinnen im Fokus“.

Wie sich vieles verändert hat, bringt Katja Müllner, Ackerbäuerin aus dem Burgenland, treffend auf den Punkt: “Früher wurde die Arbeit von Frauen am Hof oft als ‘Mithilfe‘ gesehen, auch wenn sie tragende Säulen des Betriebs waren. Heute treten Frauen viel sichtbarer auf. Trotzdem gibt es immer noch traditionelle Denkmuster, die wir überwinden müssen. Sich zu behaupten, ist alles eine Frage der Übung. Praktische Fähigkeiten kann man lernen, sie sind nicht geschlechtermäßig angeboren. Niemand kommt auf die Welt und kann einen Traktoranhänger rückwärts schieben.“

Klar ist: Frauen sind starke Kräfte am Hof - und gestalten die Zukunft der Landwirtschaft entscheidend mit.