Charta für mehr Chancengleichheit

Als wichtigen Schritt für den Ausbau der Chancengleichheit von Frauen und Männern richtet sich die Charta für partnerschaftliche Interessenvertretung in der Land- und Forstwirtschaft an alle agrarischen Organisationen. Grundlage ist das Bewusstsein, dass beide Geschlechter wertvolle Perspektiven einbringen.
Zahlreiche wissenschaftliche Studien bestätigen: Frauen in Führungsteams bedeuten für Organisationen mehr Erfolg. Mit emotionaler Kompetenz, Kommunikations- und Konsensfähigkeit, komplexer Wahrnehmung und ihrem Improvisationstalent verfügen Frauen über jene Kompetenzen, die für alle Unternehmensbereiche und zum Erreichen von Wirtschafts- oder Entwicklungszielen von größter Bedeutung sind. Umso wichtiger ist ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis – auch in agrarischen Institutionen und Organisationen.
  • Arbeiten Frauen und Männer gleichberechtigt und wertschätzend miteinander, bedeutet das eine höhere Problemlösungskompetenz und Innovationskraft – Faktoren, die Organisationen auch im wirtschaftlichen Wettbewerb stärken.
  • Frauen sind zudem meist konfliktbereiter und sprechen Unbequemes eher an, sie scheuen sich auch nicht, festgefahrene Vorgangsweisen kritisch zu hinterfragen. Diese Kompetenzen zu erkennen und zu nutzen, und ein ausgewogenes Verhältnis von Frauen und Männern in Führungspositionen und Entscheidungsprozessen zu erreichen, ist ein fest verankertes Ziel der Charta und gleichzeitig ein wichtiges demokratiepolitisches Element.
Gleichberechtigte Zukunftsgestaltung: Worauf es da ankommt! Um eine Gleichstellung von Frauen und Männern zu erreichen sind konkrete Maßnahmen notwendig:
  • Positionen besetzen: Leitende Positionen in bäuerlichen Organisationen sollen gleichwertig von Bäuerinnen und Bauern besetzt werden. Angestrebt wird ein mindestens 30-Prozent-Frauenanteil in Führungsfunktionen. Es ist dabei Führungsaufgabe, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit diese Ausgewogenheit auch gelingt.
  • Ressourcen verteilen: Finanzielle Mittel, Personal und Infrastruktur sollen gleichmäßig auf jene Themen und Anliegen verteilt werden, die entweder vorrangig von Frauen oder vorrangig von Männern forciert werden. In der Praxis bedeutet dies u.a. die gleiche Vergütung für gleichwertige Funktionen und Leistungen von Frauen und Männern. Auch Netzwerke zur Stärkung von Frauenpositionen sollen aufgebaut und genutzt werden.
  • Gestaltungsspielraum erweitern: Die Charta will traditionelle Rollenerwartungen und -zuschreibungen aufbrechen – sowohl was Frauen als auch Männer betrifft. In den Fokus rücken sollen vielmehr die persönlichen Fähigkeiten und Neigungen, die in der Familie, im Betrieb oder in den Interessenvertretungen eingebracht werden sollen. Was es dafür braucht: ein neues Bewusstsein für die Handlungsmöglichkeiten beider Geschlechter und die Förderung von politisch aktiven Frauen.
  • Familienfreundlichkeit: Die Vereinbarkeit von Familie, Betrieb und öffentlicher Funktion hat in der Charta einen hohen Stellenwert. Denn eine partnerschaftliche Organisation ist Voraussetzung dafür, dass Frauen und Männer gleichberechtigt in den Interessenvertretungen teilhaben können. Dafür ist eine familienfreundliche Sitzungs- und Organisationskultur notwendig.
  • Öffentliche Präsentation: Frauen und Männer sind in der Öffentlichkeit gleichwertig anzusprechen, die partnerschaftliche Zusammenarbeit ist ein Grundsatz in der Öffentlichkeitsarbeit. Das heißt konkret, dass Themen sowohl auf die Interessen von Frauen und Männern fokussieren, bei der Auswahl von Referenten, Podiumsdiskutanten und Moderatoren ist auf eine ausgewogene Geschlechterverteilung zu achten.