Zehn Institutionen unterzeichnen Charta für partner-schaftliche Interessenvertretung

Frauenanteil in Entscheidungs- und Führungspositionen der Landwirtschaft erhöhen
Mindestens 30% Frauenanteil in allen land- und forstwirtschaftlichen Entscheidungsgremien und Führungsebenen ist das erklärte Ziel der im April 2017 auf Initiative der ARGE Österrei-chische Bäuerinnen gemeinsam mit der Landwirtschaftskammer (LK) Österreich ins Leben gerufenen "Charta für partnerschaftliche Interessenvertretung in der Land- und Forstwirt-schaft". Gestern Abend haben sich zehn weitere landwirtschaftliche Verbände und Organisa-tionen der Verpflichtung für eine partnerschaftliche Gestaltung und Führung angeschlossen. Im feierlichen Rahmen des Festsaals der LK Österreich in Wien haben die Charta nun auch der Waldverband Österreich, der Österreichische Weinbauverband, die ARGE Meister, BIO AUSTRIA, Green Care Österreich, der Verband österreichischer Schweinebauern (VÖS), der Österreichische Bundesverband für Schafe und Ziegen (ÖBSZ) sowie die Zentralen Arbeits-gemeinschaften der österreichischen Rinderzüchter (ZAR), der österreichischen Geflügel-wirtschaft (ZAG) und der Pferdezüchter (ZAP) unterzeichnet.
"Noch immer sind Frauen in Entscheidungsgremien und auf Führungsebenen in der Land- und Forstwirtschaft deutlich unterrepräsentiert. Mit der Charta wollen wir den Frauenanteil in leitenden Funktionen gezielt erhöhen und einen wichtigen Schritt für das langfristige Ziel der Geschlechterparität setzen. Künftig sollen in allen agrarischen Organisationen und Verbänden mehr Bäuerinnen mitreden und mitentscheiden können. Eine ausgewogenere Verteilung der Geschlechter eröffnet neue Perspektiven, fördert Kreativität und Innovationen sowie gute Ergebnisse", unterstreicht Bundesbäuerin Andrea Schwarzmann.
"Unsere Bäuerinnen sind das stabile Fundament unserer heimischen Familienbetriebe und geben gleichzeitig wertvolle, innovative Impulse. Heutzutage sorgen sie vielfach nicht nur für ein intaktes Familienleben - von der Kinderbetreuung bis zur Pflege, sondern stellen auch er-folgreiche und gut ausgebildete Unternehmerinnen dar. Außerdem sind gerade sie es, die mit vollem Einsatz und ehrenamtlich den Dialog mit den Konsumentinnen und Konsumenten füh-ren und das gegenseitige Verständnis fördern. Durch ihr Engagement verfügen Bäuerinnen bzw. Frauen oft über ein enormes Wissen bzw. Erfahrungen, von denen jede landwirtschaftli-che Organisation bzw. Berufsvertretung enorm profitieren kann - und das auf allen Ebenen", betont LK Österreich-Präsident Josef Moosbrugger. "Untersuchungen zeigen klar auf, dass sich ein ausgewogenes Geschlechterverhältnis äußerst positiv auf den Erfolg von Unterneh-men oder anderen Einrichtungen auswirkt. Und ich halte es für wichtig, dass sich all jene Gruppen, die in der tatsächlichen Landwirtschaft zu finden sind, auch in den Berufsvertretun-gen widerspiegeln. Die Charta ist somit ein entscheidender Schritt, um dieses Miteinander auf Augenhöhe zu verstärken. Gemeinsam sind wir dran, diese Initiative mit Leben zu erfüllen und noch mehr Bäuerinnen bzw. Frauen zu finden, die bereit sind, Führungsverantwortung zu übernehmen, und ihnen entsprechende Möglichkeiten dafür zu bieten."

Fünf Charta-Handlungsfelder

In der Charta sind folgende Ziele festgeschrieben: Eine ausgewogene Beteiligung von Bäue-rinnen und Bauern, harmonische Verteilung von Ressourcen, wie finanzielle Mittel, Personal, Infrastruktur sowie Diskussions- und Entscheidungszeit; die Erweiterung der partnerschaftli-chen Gestaltung, indem politisch aktive Frauen geschätzt und Aufgaben geschlechtsneutral verteilt werden; die Schaffung einer familienfreundlichen Sitzungs- und Organisationskultur; eine gleichwertige Darstellung beider Geschlechter und deren Interessen in der Öffentlich-keitsarbeit. Die Umsetzung wird alle drei Jahre evaluiert.

Bäuerinnen sind tragende Säule in der Landwirtschaft

"Bäuerinnen sind in der Landwirtschaft eine tragende Säule. Sie sind heute mehr denn je in Arbeitsabläufe und Entscheidungen auf den landwirtschaftlichen Betrieben involviert. Immer-hin liegt Österreich mit 32% landwirtschaftlichen Betriebsführerinnen an bemerkenswerter sechster Stelle im EU-Vergleich. Von den vielseitigen Aktivitäten der Bäuerinnen profitiert nicht nur der Betrieb selbst, sondern die gesamte Gesellschaft. Ihr Know-how und Engage-ment für die Landwirtschaft soll mit der weiblichen Besetzung von Gremien und Führungspo-sitionen gezielt Beachtung finden", bekräftigt Schwarzmann.

Noch am selben Tag, am 20. April 2017, an dem die Charta in Kraft getreten ist, haben alle Bundes- und Landesbäuerinnen sowie alle Präsidenten der heimischen Landwirtschaftskam-mern unterzeichnet. Etwas später folgten auf Bundesebene die Sozialversicherungsanstalt der Bauern sowie verschiedenste Verbände in den Bundesländern. Nun sind gestern zehn weitere Unterstützer hinzugekommen.
Unterstützer der Charta für partnschaftliche Interessenvertretung.jpg
Unterstützer der Charta für partnschaftliche Interessenvertretung © Archiv