Wien: Bauernhöfe als Gesundheitsoasen

Bei der 6. Green Care-Tagung in Wien wurden "Auszeithöfe" vorgestellt. Der Bauernhof als Gesundheitsoase bietet sich auch in der betrieblichen Gesundheitsförderung an.
greencare_LOGO_web Green Care © Archiv
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Dass sich Bauernhöfe angesichts einer zunehmend gestressten Gesellschaft als regelrechte Gesundheitsoasen positionieren können, war Thema der 6. Green Care-Jahrestagung, die am 22. Juni 2017 in der HBLFA Schönbrunn in Wien stattfand. Zwei Betriebe stellten dabei ihren persönlichen Zugang zum Thema Gesundheitsförderung und -prävention dar. Weiters wurde der Auszeit-Aspekt beleuchtet und Maßnahmen des Betrieblichen Gesundheitsmanagements vorgestellt. Zusätzlich berichtete das Green Care Österreich-Team über den Green Care Auszeithof als neues Produkt sowie bisherige Erfolge und weitere Pläne.
 

Qualitätsabsicherung und Forschung entscheidend

Wie Robert Fitzthum, Obmann des Vereins Green Care Österreich, und Geschäftsführerin Nicole Prop erläuterten, betragen die Kosten aller psychischen Erkrankungen für die Volkswirtschaft Österreich jährlich 7,16 Mrd. Euro, was 3% des BIP (Quelle: Österreichischer Bundesverband für Psychotherapie 2010) entspricht. Knapp ein Drittel der Menschen fühlt sich zumindest etwas burn-out-gefährdet und der Großteil der Krankenstände ist mittlerweile auf Stress zurückzuführen. Um derartige Entwicklungen zu bremsen und gleichzeitig als Chance für aktive Land- sowie Forstbetriebe zu nützen, wurde der Green Care-Auszeithof als neues Produkt ins Leben gerufen. "Wir sind überzeugt, dass Bauernhöfe Orte sind, an denen Menschen etwas für ihre Gesundheit erreichen können", so Fitzthum. Prop ergänzte, dass die Sicherstellung der Qualität dabei eine entscheidende Rolle spielt. So ist die Absolvierung des LFI-Zertifikatslehrgangs "Green Care - Gesundheit fördern am Hof" für eine Auszeichnung zum Auszeithof Grundvoraussetzung. Auch lassen sich immer mehr Betriebe Green Care-zertifizieren.
 

Betriebliche Gesundheitsvorsorge als Chance

Psychologin und Betriebswirtin Alexandra Weilhartner die bei der ÖSB Consulting GmbH für die Konzeption, Evaluierung und Umsetzung von österreichweiten sowie regionalen Beratungsprogrammen zuständig ist, gab einen Überblick über betriebliche Gesundheitsmanagement-Maßnahmen für Firmen und Einzelpersonen. Klar wurde dabei, wie vielseitig die Bedürfnisse von Unternehmen und Mitarbeiterinnen wie auch Mitarbeitern in diesem Bereich sind und welche möglichen Anknüpfungspunkte für Green Care-Betriebe bestehen. Prop ergänzte, dass es bereits punktuelle Einzelverträge zwischen Bauernhöfen und Sozialträgern gibt. Darüber hinaus führen die Green Care-Verantwortlichen derzeit umfangreiche Gespräche mit den Krankenkassen zur Abklärung der erforderlichen Rahmenbedingungen, um in das akzeptierte Leistungsportfolio aufgenommen zu werden. So soll es gelingen, die Maßnahmen zur Betrieblichen Gesundheitsförderung auf Bauernhöfen auch von offizieller Stelle unterstützt zu bekommen.
 

Pionierbetriebe im Gesundheitsbereich

Über einen Vertrag mit der Wiener Städtischen Versicherung verfügt bereits der Green Care-Auszeithof "Peintnerhof", der im kärntnerischen Lesachtal gelegen ist und von der diplomierten Behindertenpädagogin Andrea Unterguggenberger geführt wird. Gemeinsam mit dem Chirurgen Georg Lexer bietet sie seit einigen Jahren Lebensstil-Seminare und -Wochen an. Da Lexer die "Reparaturmedizin" auf dem derzeitig hohen Niveau als künftig nicht mehr finanzierbar erachtet, setzt er bei der Gesundheitsprävention an und zeigt auf, wie positiv sich gesunde Ernährung, Bewegung sowie die Förderung der seelischen Gesundheit auswirken können. Wichtigste Grundlage dieses Auszeithof-Programms ist die Natur vor der Haustüre.Zum Abschluss der Tagung beleuchtete Bäuerin und Beraterin Reingard Winter-Hager die Entwicklung des niederösterreichischen "Bergbauernhofs Sulzbach" (zertifizierter Green Care-Betrieb) von einem einfachen Milchviehbetrieb zu einem lebendigen Seminarbauernhof. Ihr ist es innerhalb von wenigen Jahren gelungen, Unternehmens- und Persönlichkeitsberatung mit tiergestützter Therapie zu kombinieren sowie daraus ein erfolgreiches Geschäftsmodell mit dem Namen "soulsteps" abzuleiten. Dieses wird von Firmen zum Teambuilding genauso angenommen wie von Einzelpersonen zur Burn-out-Prävention. Sie appellierte an interessierte Höfe, mutig zu sein und eigene Wege zu finden, um in diesem Bereich etwas auf die Beine zu stellen.