Wie Bäuerinnen erfolgreich gründen

Studie untersucht, welche Hürden Bäuerinnen bei der Unternehmensgründung meistern müssen und was hilft, (neue) Betriebszweige weiterzuentwickeln.
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Wie Bäuerinnen erfolgreich gründen Studie "Wie Frauen erfolgreich gründen –Unternehmerinnen in der Landwirtschaft" © LFI Österrich/Lisa Piller
Dr. Stefanie Düsberg ist Autorin der Studie "Wie Frauen erfolgreich gründen –Unternehmerinnen in der Landwirtschaft". Im Interview gibt Sie einen Einblick in Ihre Forschungsarbeit und Erkenntnisse aus dem EU-finanzierten Projekt „FEMAGREE“: Zur Vereinbarkeit von Beruf-Familie-Freizeit, kurz- bis langfristigen strategischen (Personal-) Entscheidungen und Tipps für den Schritt in die Selbständigkeit.
Im Rahmen des Forschungsprojekts FEMAGREE haben Sie untersucht, wie noch mehr Frauen zu erfolgreichen Unternehmerinnen werden können. Wie definieren Sie eine „erfolgreiche“ Unternehmerin?

Dr. Stefanie Düsberg: Für mich wären die wichtigsten Erfolgsziele, dass das gegründete Unternehmen die Frau finanziell absichert und unabhängig macht; dass die Arbeitsbelastung in einem gesundheitsverträglichen Rahmen liegt; und dass die Unternehmen ökologisch und sozial nachhaltig ausgerichtet sind.

35 landwirtschaftliche Unternehmerinnen aus Ost-Bayern und West-Irland wurden in Ihrer Studie dabei befragt. Welche Ergebnisse sind Ihrer Meinung nach auch für österreichische Bäuerinnen übertragbar?

Düsberg: Bei fast allen Unternehmerinnen habe ich eine sehr hohe Arbeitsbelastung festgestellt. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Bäuerinnen in Österreich ähnliche Probleme haben. Unter der Arbeitsbelastung leiden nicht nur die Frauen und Familien, sondern es bleibt auch wenig Zeit sich den strategischen Planungsaufgaben für den Betrieb zu widmen. Dies wäre jedoch wichtig, um langfristig aus der Arbeitsfalle herauszukommen. Ein Teufelskreis kann entstehen.

Außerdem ist mir aufgefallen, dass nur wenige der selbständigen Frauen ausreichend für ihre Altersvorsorge planen. Es könnte gut sein, dass auch in Österreich dazu Beratungsbedarf gibt.

Was war für Sie selbst eine überraschende Erkenntnis aus den Befragungen?

Düsberg: Mich hat überrascht wieviel die Frauen arbeiteten, und das teilweise über viele Jahre hinweg. Arbeitszeiten von morgens früh bis spät in die Nacht waren keine Seltenheit. Überrascht hat mich auch wie selten sie Urlaub machen und dass die Frauen in Bayern und Irland mit sehr ähnlichen Problemen zu kämpfen hatten. Und dennoch waren fast alle Befragten mit ihrer Lebenssituation sehr zufrieden.

Sie beschreiben, dass die erfolgreichen Unternehmerinnen mit Durchsetzungsvermögen, Beharrlichkeit und Kreativität Hindernisse überwunden und sich die vielfältigen Ressourcen und Unterstützungsmöglichkeiten aus ihrem privaten Umfeld sowie der öffentlichen Hand zu Nutze gemacht haben. Trotz allem ist die Arbeitsbelastung bei vielen Befragten ausgesprochen hoch. Welche Ideen haben Sie, die Work-Life-Balance zu verbessern bzw. die Arbeitsbelastung zu verringern?

Düsberg: Für einige der Interviewpartnerinnen lag die Lösung darin, Personal einzustellen. Das ging aber nur, weil der Betrieb eine gewisse Größe erlangt hatte. Es mag sich zunächst widersinnig anhören, aber mittelfristig liegt die Lösung im betrieblichen Wachstum. Denn meist handelt es sich bei den gegründeten Unternehmen ja um Ein-Frau-Betriebe. Kurzfristig könnten Aushilfskräfte wie Au-Pairs, Praktikanten und Studenten – auch aus dem Ausland – Abhilfe schaffen. Auf diese Möglichkeit wurde erstaunlicherweise sehr selten zurückgegriffen. Lebensmittelproduktion und –verarbeitung sind momentan sehr angesagte Themen bei jungen Leuten in vielen Ländern. Ich denke da gäbe es durchaus einen Pool von interessierten Aushilfskräften. Eventuell könnte man mit den Praktikumsämtern der landwirtschaftlichen Universitäten zusammenarbeiten.

*Anmerkung: Die Universität für Bodenkultur bietet mit dem neu gegründeten BOKU-Praxisnetzwerk in Kooperation mit den Landwirtschaftskammern die Möglichkeit StudentInnen auf Betriebe zu vermitteln.

Laut „European Startup Monitor“ liegt die Zahl der Gründerinnen in Österreich bei 7,1% (Stand 2016). Woran, denken Sie liegt es, dass nicht mehr Frauen den Schritt in die Selbständigkeit wagen?

Düsberg: Eine meiner Interviewpartnerinnen sagte „das größte Hindernis ist das mangelnde Selbstvertrauen.“ Das liegt zum einen daran, dass noch immer wenige Unternehmerinnen aus dem Nicht-Technologiebereich als ermutigende Rollenvorbilder in der Öffentlichkeit stehen. Zum anderen aber auch an fehlenden betriebswirtschaftlichen Kenntnissen. Denn was sich wie mangelndes Selbstvertrauen anfühlt, ist oft nur die Unsicherheit darüber, ob die Geschäftsidee Erfolg haben könnte. Wenn man die Idee in einen konkreten Businessplan/ Betriebskonzept umsetzt, kann man die Erfolgschancen ganz gut abschätzen und traut sich dann auch eher sie zu verwirklichen.

*Anmerkung: Bei der Erstellung von Betriebskonzepten helfen die BetriebswirtschaftsberaterInnen der Landwirtschaftskammern gerne weiter. Mehr Informationen finden Sie unter: https://www.lko.at/beratung

Welchen Ratschlag würden Sie einer jungen Bäuerin, die einen neuen Betriebszweig am Betrieb aufbauen möchte, mitgeben?

Düsberg: Sie sollte sich klare finanzielle Ziele setzen, kurz-, mittel- und langfristig. Sie sollte sich die Frage stellen wieviel muss der Betrieb abwerfen, damit ich davon leben und für mein Alter vorsorgen kann und wie sollen meine Arbeitszeiten aussehen. Wenn man an die Betriebsgründung herangeht, ist es wichtig sich bezüglich der eigenen finanziellen Absicherung im Alter oder Scheidungsfall beraten zu lassen, denn das vergessen viele in der Euphorie der Gründungs-Honeymoons.

Mehr Informationen zur Studie

Herausgeber: Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten

Die Broschüre ist unter folgendem Link downloadbar: https://www.stmelf.bayern.de