Vorarlberg: Unterwegs sein...

Mit einem etwas anderen Konzept empfingen die verantwortlichen Bäuerinnen Irene Biedermann, Waltraud Wüstner und Jutta Maissen die Vorderländer Bäuerinnen im weihnachtlich geschmückten J.J.-Ender-Saal in Mäder.

Vorderländer Bäuerinnentag einmal anders

Der Tag begann mit einem guten, regionalen Frühstück, das die Frauen in Ruhe genießen und sich austauschen konnten, bevor der offizielle Teil begann. Als Ehrengäste berichteten Bürgermeister Rainer Siegele über Aktuelles aus der Gemeindestube, LR Christian Gantner würdigte aus seiner Warte die Bedeutung der Bäuerinnenorganisation, deren Arbeit ja dem gesamten Bauernstand zugute komme. Nicht nur ihre Arbeitskraft und die Tatkraft brächten die Bäuerinnen auf dem Betrieb ein, sondern auch die Freude. „Sie sind die Seele der Landwirtschaft und schauen, dass der Betrieb läuft und die Familien zusammenhalten.“

… über Gott und die Welt plaudern
Für die bekannte Interviewrunde ließen Jutta Maissen und ihre Mitstreiterinnen den üblichen Ablauf hinter sich, es sollte lockerer, familiärer und spontaner sein. Wie bringt die Bundes- und Landesbäuerin ihre vielen Funktionen unter einen Hut? „Der Grundstock ist die Familie, an erster Stelle mein Mann, bei dem ich einen guten Rückhalt habe“, so Andrea Schwarzmann. „Dort, wo ich einen Sinn sehe, wo ich Freude habe, finde ich auch die nötige Kraft und Energie.“  

Demnächst gibt Dr. Gebhard Bechter sein Amt als Direktor der Landwirtschaftskammer nach über 30 Jahren ab. „Was dann?“, fragte Jutta Maissen nach. Da gebe es viele Parallelen mit der Hofübergabe auf den Bauernhöfen. „Es ist nicht eine Sache von einem kurzen Moment oder ein juristischer Akt, es spielt sehr viel Menschliches mit und rundherum eine gute Vorbereitung“, so Bechter. Deshalb wurde das Projekt „LK-Zukunft“ noch zur aktiven Zeit des Direktors eingeleitet. Mehr Gewicht wird die Öffentlichkeitsarbeit bekommen, um das Berufsbild von Bauern und Bäuerinnen stärker zu kommunizieren. Neu in der Runde war Markus Hartmann. Der Käsereimeister aus Dünserberg hat 2012 den Milchviehbetrieb seiner Eltern mit knapp 30 Hektar Grünland übernommen. Er war schon sehr jung als Gemeindevertreter kommunalpolitisch engagiert und ist jetzt in der dritten Periode Vizebürgermeister. Im Frühjahr übernahm er das Landtagsmandat von Barbara Schöbi-Fink. Unterstützung im Betrieb erhält der dreifache Familienvater von seiner Frau und seinem Vater.

Unterwegs sein
„Es gibt viele verschiedene Arten von unterwegs sein“, verdeutlichte Pater Christoph Müller mit einem guten Schuss Humor, „selbstverständlich ist es nicht.“ Der Benediktiner betreut die Pfarren Blons, St. Gerold und Thüringerberg. Je nach Beruf und Wohnort seien die Menschen unglaublich viel unterwegs und merken es fast gar nicht. „Im Mittelalter hat man gesagt, der Mensch ist ein Unterwegs-Wesen.“ Von allen lebenden Kreaturen können nur Menschen und Tiere unterwegs sein. Der größte Teil der Lebewesen samt Pflanzen bleibt immer am gleichen Ort, nur ein knappes halbes Prozent ist unterwegs. Anhand seiner tiefen Einblicke in naturwissenschaftliche Vorgänge gab der Referent eine Fülle von Beispielen aus dem weitgehend unerforschten Gebiet über die Intelligenz der Pflanzen. Da der Mensch aber am längeren Hebel sitzt, sollte er sich auch seiner Verantwortung gegenüber der Schöpfung bewusst sein.

Als früherer Novizenmeister vermittelte er den jungen Menschen die Lebensregeln des heiligen Benedikt. Ähnlich wie die Bundesbäuerin eine Fülle von Terminen koordiniert und motivierend auf ihr Umfeld wirkt ohne gestresst zu sein, hat der Cellerar, der für die wirtschaftlichen Belange, den Haushalt des Klosters, zuständig ist, auch für eine gute Atmosphäre zu sorgen. In jedem Fall spielt die Balance zwischen Leib und Seele eine Rolle, keine Seite darf vernachlässigt werden. Analog sei für den modernen Menschen, der häufig sein ganzes Berufsleben im Büro verbringt, ein Ausgleich an der frischen Luft und unmittelbarer Kontakt mit der Natur äußerst wichtig.

Zum Schluss nahm Jutta Maissen die Bäuerinnen mit auf eine filmische Reise durch das Gebiet Vorderland. Wie vielfältig die Landwirtschaft ist, wurde an Betriebszweigen deutlich, die in der Öffentlichkeit total übersehen worden sind. Bei den 16 Gemeinden richtet sich der Blick nicht auf die Einnahmequellen des Ortes, sondern auf die Möglichkeiten, die man aus dem Ort schöpfen kann oder die man nützt. So stand jeder Ort für einen Betriebszweig der Landwirtschaft.

Mit einem Suppenbuffet und einer attraktiven Kuchentafel war auch für das leibliche Wohl bestens gesorgt.

Ein Fotoalbum zum Bäuerinnentag finden sie in der Mediathek und über untenstehenden Link!!