Vorarlberg: Einladung an die kost.Bar

Regionale und saisonale Lebensmittel wertschätzen. Eine erfreulich große Zahl an Interessierten fand sich letzte Woche im BSBZ in Hohenems ein, um sich über das Thema Lebensmittel zu informieren und weiterzubilden.
IMG_2358 Landes- und Bundesbäuerin ÖKR Andrea Schwarzmann  Evy Halder  Referentin Dr. Karin Buchart und Andrea Huber freuten sich über ein fundiertes Referat  das mit manchen vermeintlichen Ernährungsempfehlungen aufräumte. © Archiv
IMG_2358 Landes- und Bundesbäuerin ÖKR Andrea Schwarzmann, Evy Halder, Referentin Dr. Karin Buchart und Andrea Huber freuten sich über ein fundiertes Referat, das mit manchen vermeintlichen Ernährungsempfehlungen aufräumte. © Archiv
Gehör fand die Veranstaltungsreihe erneut beim Landesschulrat mit Fachinspektorin Angelika Walser an der Spitze, KR Andreas Bitschnau und UaB-Obfrau Martha Roth. Dr. Elisabeth Bischofberger vom Kemptener Amt für Ernährung und Landwirtschaft sowie die Graubündner Bäuerinnen-Präsidentin Astrid Derungs-Koller mit Kolleginnen wurden ebenfalls willkommen geheißen. „In unserer Gesellschaft ist der Überfl uss von Lebensmitteln eigentlich ein Normalzustand“, stellte Landesbäuerin ÖKR Andrea Schwarzmann fest, „die Orientierung im Supermarkt fällt oft schwer.“ Hinzu kommen neue Ernährungstrends – vorwiegend, wenn es um die Verträglichkeit von Lebensmitteln geht. Zu diesem Thema informierte die Ernährungswissenschaftlerin Dr. Karin Buchart; ihr Vortrag wird zu einem späteren Zeitpunkt veröffentlicht.
DSC_5799 Nach dem informativen Teil blieb genügend Zeit für Kostproben und persönlichen Austausch mit den Projektbeteiligten. © Archiv
DSC_5799 Nach dem informativen Teil blieb genügend Zeit für Kostproben und persönlichen Austausch mit den Projektbeteiligten. © Archiv

Wieder mehr Bezug zur Ernährung schaffen

„Wir spüren ganz massiv auch in der Landwirtschaft, dass viel Wissen verloren gegangen ist und der Praxisbezug fehlt“, deutete Schwarzmann auf die wertvollen Lebensmittel, die ja schließlich auf dem Teller landen sollten. Dass sie einem Kreislauf entspringen, der mit dem Boden beginnt, ist den Konsumenten oft nicht bewusst. Man weiß nicht mehr, wann Obst den richtigen Reifegrad erreicht hat, welches Gemüse wann Saison hat, oder welches Stück Fleisch für ein bestimmtes Gericht geeignet ist, geschweige denn, wie mit Resten umgegangen werden kann. Die Bäuerinnenorganisation sieht es als ihre Aufgabe, sich dieses Themas anzunehmen und das Lebensmittel in den Mittelpunkt zu stellen. Auch auf Bundesebene soll das Schulfach Ernährung und Hauswirtschaft wieder stärker verankert werden, am besten als fi xer Bestandteil von Anfang an. Mit einem deutlichen Applaus belohnten die Zuhörerinnen diese Absicht. „Trotz allem spüren wir, dass gut und gesund bei jungen Konsumenten ein neuer Trend ist und das Selbermachen wieder mehr in den Mittelpunkt rückt“, erklärte die Bundesbäuerin den gemeinsamen Ansatz, um dieses kulinarische Handwerk wieder in den Fokus zu rücken.
IMG_2381 Gaumenfreuden aus regionalen Produkten wurden von den Schülerinnen für ihre Prüfung zubereitet und hübsch dekoriert serviert. Vorne links Maria Herburger  hinten rechts Ingeborg Winklehner-Marktl. © Archiv
IMG_2381 Gaumenfreuden aus regionalen Produkten wurden von den Schülerinnen für ihre Prüfung zubereitet und hübsch dekoriert serviert. Vorne links Maria Herburger, hinten rechts Ingeborg Winklehner-Marktl. © Archiv

Projekte zur Regionalität

Bäuerinnen-Referentin FL Evy Halder, die die Veranstaltung wieder bestens organisiert hatte, konnte zunächst zwei Schülerinnengruppen der FH1 begrüßen. Die Koch- und die Serviergruppe stellten die aus regionalen Produkten bestehenden Köstlichkeiten vor, mit denen die Besucher empfangen und später mit Kostproben verwöhnt wurden. Dieses Projekt des BSBZ wird von den Fachlehrerinnen Maria Herburger und Ingeborg Winklehner- Marktl geleitet. Ganz im Sinne der Regionalität war auch das von Praktikantin Rebecca Vögel im letzten Jahr begonnene Projekt. Familien haben sich überwiegend mit heimischen Lebensmitteln ernährt und dies dokumentiert. Nach ihrer Motivation zum Mitmachen befragt, sieht Jolanda Rohner aus Wolfurt auf Anhieb die kurzen Transportwege, das Wohlergehen der Tiere sowie den Bezug und direkten Kontakt zum Bauern als Motivation zum Teilnehmen. Und wo liegen die Vorteile regionaler Ernährungsweise? Die Großwalsertalerin Josefi ne Dünser erachtet zwar auch den kurzen Transport als ersten Pluspunkt, stellt aber darüber hinaus klar fest: „Mir liegt regional mehr am Herzen als bio!“ Es gebe so viele wertvolle Lebensmittel in Vorarlberg; im Übrigen nütze es nichts, Biolebensmittel einzukaufen, wenn sie aus Afrika kämen. Mit den Produkten aus dem eigenen Garten, dazu Fleisch und Eier, finde ihre Familie weitgehend das Auslangen. „Bei dem Experiment ist mir auch bewusst geworden, dass uns die regionalen Lebensmittel gut tun.“
DSC_5790 Karl und Agathe Lingenhel warteten mit einem Buffet aus köstlichen eigenen Produkten auf. © Archiv
DSC_5790 Karl und Agathe Lingenhel warteten mit einem Buffet aus köstlichen eigenen Produkten auf. © Archiv

Biohof mit Bildungsangeboten

Agathe und Karl Lingenhel aus Doren haben schon 1999 auf biologische Wirtschaftsweise umgestellt. Auf dem Heumilchbetrieb stehen 25 Milchkühe, daneben werden Vollmilchkälber gemästet. Hochstammbäume mit alten Obstsorten liefern eine schmackhafte Grundlage für weitere wertvolle Lebensmitteln vom Hof. Im vergangenen Jahr wurden ein neuer Hofladen und eine Verarbeitungsbzw. Erlebnisküche geschaffen, um Kochkurse abhalten zu können. Der neue Seminarraum wird auch vermietet. Ein wichtiger Bereich ist „Schule am Bauernhof“. Dabei werden den Schulklassen verschiedene Themen angeboten, beispielsweise von Kräutern über Naturkosmetik, Milch, Bienen, Apfel, eben alles, was das Jahr so bietet. Das Ehepaar hält sich an den Leitspruch „Wir Menschen können niemals gesünder sein als die Pflanzen und Tiere, von denen wir unsere Nahrung beziehen; wenn wir wirklich heilen wollen, haben wir dort anzufangen“ (von Hans Peter Rusch, Vordenker der ökologischen Landwirtschaft). Ein Buffet mit selbst gemachten Produkten aus Früchten und Milch vom eigenen Hof erfreute im Anschluss an die Informationen Auge und Gaumen der Besucher.
DSC_5793 Mit viel Begeisterung schilderte Monika Ebenhoch das Burger-Projekt  bei dem das heimische Rindfleisch samt Drum und Dran thematisiert wird. © Archiv
DSC_5793 Mit viel Begeisterung schilderte Monika Ebenhoch das Burger-Projekt, bei dem das heimische Rindfleisch samt Drum und Dran thematisiert wird. © Archiv

Konkurrenz für Mc Donald’s

Unter dem Titel „Wie kommt das Gras in den Burger?“ wird bundesweit ein Seminarbäuerinnen- Projekt für Hauptschulen oder Höhere Schulen angeboten. In Vorarlberg bemüht sich Monika Ebenhoch aus Röthis um die Schüler. Sie ist ausgebildete Seminarbäuerin und speziell für dieses Bäuerinnen-Projekt geschult. „Die Schüler sehen, dass Bäuerinnen bzw. die Landwirtschaft wieder etwas tun und vor allem, was sie tun, weil ja sonst nur im Laden eingekauft wird“, berichtete die engagierte Bäuerin. Nur mit regionalen Produkten wurde ein Burger gezaubert, der geschmacklich voll und ganz überzeugt. Das fanden auch ihre drei eigenen Kinder, die mitgeholfen haben und alle Zutaten selbst auswählen konnten. Ebenhoch ist voller Begeisterung, weil das Projekt an die Schulen kommt. „Wie ein Lebensmittel entsteht und wie man es ganz einfach selbst machen kann, ist bis jetzt zu kurz gekommen.“ Man müsse bei den Kindern anfangen von Bauern, Gärtnern und regionalen Lebensmitteln zu sprechen, damit sie wertgeschätzt werden. „Die regionalen Lebensmittel sollten vor allen anderen die Hauptsache sein“, wies sie auf das große Angebot im Ländle.