Vorarlberg: Bregenzerwälder & Kleinwalsertaler Bäuerinnentag

Mit viel Liebe und Herzblut“, so ÖKR Andrea Schwarzmann, „hatten die Schwarzenberger Bäuerinnen den Angelika-Kauffmann- Saal für den Festtag dekoriert und durften sich über regen Zustrom freuen.“
R_AnetteGerhold_1 Gebietsbäuerin Theresia Schneider und Ortsbäuerin Bettina Metzler aus Schwarzenberg mit ihrem Team freuen sich über die viel beachteten  gelungenen Werkstücke aus ihrer Talschaft. © DI Anette Gerhold
R_AnetteGerhold_1 Gebietsbäuerin Theresia Schneider und Ortsbäuerin Bettina Metzler aus Schwarzenberg mit ihrem Team freuen sich über die viel beachteten, gelungenen Werkstücke aus ihrer Talschaft. © DI Anette Gerhold
Die Gebietsbäuerinnen Theresia Schneider und Kriemhilde Steurer hießen eine lange Reihe von Ehrengästen willkommen. Besonders erfreut waren die beiden über die Teilnahme mehrerer Bürgermeister/ -innen aus der Talschaft, deren Anwesenheit für die Bäuerinnen Anerkennung und Wertschätzung bedeutet. Allen voran begrüßten sie Hausherr Bürgermeister Armin Berchtold und zeigte die Veränderungen in der Gemeinde und in der Landwirtschaft auf, die sich seit dem letzten Bäuerinnentag innerhalb von nur zehn Jahren vollzogen haben. Dennoch bleibe das friedvolle Miteinander in der Gemeinde, mit den Nachbarn und in der Familie dabei das Wichtigste.
R_AnetteGerhold_5 Die erfahrenen Bregenzerwälderinnen ernteten viele bewundernde Blicke für ihre perfekten alten Handwerkstechniken. © Archiv
R_AnetteGerhold_5 Die erfahrenen Bregenzerwälderinnen ernteten viele bewundernde Blicke für ihre perfekten alten Handwerkstechniken. © Archiv

Vertrauen in Familie und Gesellschaft stärken

Die Bundes- und Landesbäuerin erinnerte die Versammlung, was das Arbeitsmotto „Wir bauen auf Vertrauen“ in der Familie auch bedeutet: Trotz aller Arbeit steht der Mensch im Mittelpunkt, daher hat die Lebensqualität am Bauernhof einen besonderen Stellenwert. Dennoch gibt es Familien, in denen es aus verschiedenen Gründen in der Partnerschaft oder im Generationenleben nicht rund läuft. „Heute wird dieses Thema offen diskutiert“, wies sie auf die zahlreicher gewordenen Angebote zur Problembewältigung mit fremder Hilfe, etwa dem ifs. In der Partnerschaft gilt es, sich auf Augenhöhe zu begegnen und den Mut aufzubringen, die Anliegen offen anzusprechen. Im Generationenleben heißt ein gelingendes Rezept: Vertrauen schenken und jedem Gestaltungsspielraum geben. Das gilt vor allem für junge Frauen bzw. die neue Generation am Betrieb, die ihre Ideen einbringen möchte. Schließlich geht es nicht nur um Entfaltung, es ist ihr Lebenswerk. „Geben wir ihnen die Möglichkeit dazu.“ Im neu aufbereiteten Hofübergabeseminar soll der menschliche Aspekt auch mehr Gewicht bekommen. Partnerschaftliches Arbeiten ist auch das Ziel in der Interessensvertretung. Zur Vorbereitung der Frauen auf die Arbeit in den Gremien dient das Weiterbildungsprojekt ZAM, zu dem eigens ein Handbuch erarbeitet wird. Stets ist es aber wichtig, sich um das Vertrauen der Bevölkerung in die heimische Landwirtschaft zu bemühen. „Jede von uns kann in ihrem Bereich durch persönliche Gespräche vieles bewirken. So wachsen Verständnis, Vertrauen, Wertschätzung und Wertschöpfung“, deutete die Landesbäuerin auf die Zukunftsperspektive für die bäuerlichen Familien. Was Wertschätzung der bäuerlichen Arbeit auf Landesebene und im Rahmen der Ökolandstrategie bedeutet, legte Landesrat Ing. Erich Schwärzler den Bäuerinnen dar. Mit einem in den letzten Monaten erarbeiteten 7-Punkte-Programm sollen regionale Produkte in den Krankenhäusern Einzug halten. Auch die Menschen in den Seniorenheimen sollen von mehr Regionalität profi tieren.
R_AnetteGerhold_4 Mit ihren farbenfrohen Trachten boten die Kleinwalsertalerinnen immer einen schönen Anblick. (v.l.): Rosi Fontain  Ortsbäuerin Barbara Rinner  Stellvertreterin Dagmar Hilbrand  Berta Senn  Klara Jochum und Stellvertreterin Claudia Moosbrugger. © DI Anette Gerhold
R_AnetteGerhold_4 Mit ihren farbenfrohen Trachten boten die Kleinwalsertalerinnen immer einen schönen Anblick. (v.l.): Rosi Fontain, Ortsbäuerin Barbara Rinner, Stellvertreterin Dagmar Hilbrand, Berta Senn, Klara Jochum und Stellvertreterin Claudia Moosbrugger. © DI Anette Gerhold

Kräfte bündeln - statt zündeln

Unter diesem eindrücklichen Titel referierte die bayrische Familientherapeutin und Mediatorin Margret Hospach über eine lebendige Kultur des Miteinanders. „Will man Erfolg im Betrieb, muss man in das Miteinander genauso investieren wie in den Betrieb“, gab sie klar zu verstehen. Früher gab es ein großes Wir; sich zu trennen, war nicht vorgesehen. Diese Grundorientierung prägte den Umgang der Generationen. „Es gab wenig Handlungsspielraum, dafür aber Sicherheit und Vorhersagbarkeit fürs Dasein“, fasste sie zusammen, ohne alles schlechtreden zu wollen. Heute bewegen sich die Generationen im Spannungsfeld zwischen Betriebsorientierung, Familienorientierung und dem Wunsch nach Individualität bzw. eigener Gestaltung. Der landwirtschaftliche Betrieb ist zu einem Wirtschafts- und Beziehungsunternehmen geworden. „Investitionen laufen ins Leere, wenn die Kräfte nicht gebündelt werden“, weist Hospach auf die enge Wechselwirkung zwischen Betrieb und Familie. „In Betrieben, wo mehrere Familien zusammen leben und arbeiten, ist der Umgang miteinander der Schlüssel zum berufl ichen und persönlichen Erfolg.“ Gefragt ist soziale Kompetenz. Einheirat einer junge Frau stellt eine besondere Herausforderung dar. Zwangsläufi verschieben sich Familiengefüge und Machtverhältnisse. Schlussendlich geht es um die nderung der Grundhaltung vom Sohn als Kind hin zum erwachsenen Ehemann; er sollte wissen, dass sein Platz nicht zwischen Mutter und Ehefrau ist, sondern er seiner Frau zur Seite steht. Manchmal muss er dabei gegen den Willen und die Erwartung der Mutter handeln. Das kann Ärger nach sich ziehen. Aber als erwachsener Mann muss er sein Leben und Handeln selbst verantworten; dies zeigt sich auch daran, dass er sich auf faire und respektvolle Weise abgrenzt. Für die Eltern ist es eine große Herausforderung, Kinder in die eigene Verantwortung zu entlassen. Die Kräfte als Eltern zu bündeln erfordert, dass sowohl Eltern als auch Kinder voneinander loslassen müssen, um ihren jeweils eigenen Weg zu gehen. Das braucht Mut und bringt so manchen Trennungsschmerz mit sich, vor allem, wenn die erwachsenen Kinder nicht so handeln, wie es die Eltern für am besten halten. „Kinder in die eigene Verantwortung zu entlassen, ist eine der großen Herausforderungen im Eltern- Sein.“ Gleichzeitig bedeutet es ein Zutrauen in die eigene elterliche Kompetenz, nämlich dass man ihnen gegeben hat, was man vermocht hat. Was die Jungen daraus machen, müssen sie selbst verantworten und können es nicht ihren Eltern in die Schuhe schieben.
R_AnetteGerhold_2 Wertschätzen die Bäuerinnen im Land (v.l.): LAbg. Bernhard Feuerstein  NR Norbert Sieber  LK-Präsident StR. Josef Moosbrugger  Bundesbäueri Andrea Schwarzmann  Kriemhilde Steurer  Theresia Schneider  Referentin Margret Hospach und Landesrat Ing. Erich Schwärzler. © DI Anette Gerhold
R_AnetteGerhold_2 Wertschätzen die Bäuerinnen im Land (v.l.): LAbg. Bernhard Feuerstein, NR Norbert Sieber, LK-Präsident StR. Josef Moosbrugger, Bundesbäueri Andrea Schwarzmann, Kriemhilde Steurer, Theresia Schneider, Referentin Margret Hospach und Landesrat Ing. Erich Schwärzler. © DI Anette Gerhold

Wertschätzung füreinander

Grund für viele Auseinandersetzungen ist oft fehlende gegenseitige Anerkennung des Geleisteten. Für ein friedliches Miteinander ist Anerkennung und Respektierung des Bisherigen sowie der beteiligten Personen unumgänglich. Es sollte aber auch die Bereitschaft der Jungen honoriert werden, sich auf die Betriebsnachfolge einzulassen; das wird meist nicht bedacht und als selbstverständlich erachtet. Hospach sieht in diesem gegenseitigen Honorieren eine Art Kräfte zu bündeln. Auch Dank kann die Kräfte des Miteinanders stärken. „Als Grundlage des Kräftebündelns gilt: Das Alte wertschätzen und das Neue willkommen heißen“, brachte es die Referentin auf den Punkt. Im Übrigen treten in jeder Familie Konfliktsituationen auf. Man sollte aber auch sehen, dass das Zusammenleben in landwirtschaftlichen Familienbetrieben viele Vorzüge und angenehme Seiten hat wie gegenseitige Hilfe, das Aufwachsen der Kinder mit den Großeltern oder das Älterwerden in vertrauter Umgebung. Von Jung nach Alt vermittelt ein Lob eine positive Bestätigung und hinterlässt ein Gefühl der Zufriedenheit und Selbstwertschätzung. „Lob macht das Miteinander geschmeidiger“, betonte die Familientherapeutin abschließend das wohl stärkste Kräfte bündelnde Element im familiären Miteinander. „Gerade der bäuerliche Familienbetrieb hat das Fundament in der Familie. Deshalb ist die Stimmung ganz wesentlich für den Zugang der jungen Leute zur Landwirtschaft“, dankte Präsident StR. Josef Moosbrugger in seinem Schlusswort der Bäuerinnenorganisation für die Wahl des Themas und der Referentin. Die musikalische Begleitung von Familie Bär, Gereimtes von Mundartdichterin Regina Kaufmann sowie die Handwerksausstellung und das Kuchenbuffet rundeten den Festtag angenehm ab.