Vorarlberg: Achte auf die Lebensfreude

Gebietsbäuerin ÖKR Theresia Schneider freute sich über den gut gefüllten Rathaussaal in Andelsbuch, in dem die Bäuerinnen der umliegenden Gemeinden sich zum gemütlichen Austausch und einem wohltuenden Referat von Brigitte Pregenzer trafen.
Besinnungsnachmittag (2018) Andrea Schwarzmann und Theresia Schneider dankten dem Andelsbucher Bäuerinnenteam für die tolle Gestaltung des Besinnungsnachmittags. © LK: A. Huber

Besinnungsnachmittag für Bäuerinnen vom Hinterwald

Einen aktuellen Überblick von der Gemeinde Andelsbuch lieferte LAbg. Martina Rüscher als Mitglied der Gemeindevertretung. Die 2.500 Einwohner zählende Gemeinde ist sehr breit aufgestellt, hat viele Handwerks- und Gewerbebetriebe sowie eine funktionierende Landwirtschaft. Mehrere Projekte sind derzeit in Arbeit, etwa die Erweiterung von Volksschule und Kindergarten der Zuzugsgemeinde, andere werden noch diskutiert, beispielsweise die Zukunft des Sessellifts. Hinsichtlich Asyl und Integration hat die Gemeinde bis auf eine Ausnahme gute Erfahrungen gemacht; motivierte Menschen sollen in ihren Jobs gehalten werden. Rüscher schloss mit einem freundlichen Appell ans Ehrenamt: „Wenn Andrea fragt, ob ihr euch ein ‚Ämtle‘ vorstellen könnt, denkt nicht lange nach und sagt gleich ja“.

Freudvolle Besinnung
„Man wartet immer auf die großen Gelegenheiten oder Ereignisse, weil wir eine Eventgesellschaft geworden sind“, stellt die Referentin fest. Deshalb ist es gut, manchmal innezuhalten und den kleinen Dingen des Lebens mehr Beachtung zu schenken. Gute Anregungen dazu findet sie bei Hildegard von Bingen. Ihre Lehren können ein Anker oder ein roter Faden im Leben sein. „Die Fröhlichkeit oder die Fähigkeit, die Dinge positiv zu sehen, kann man dort wieder herholen.“
Einen guten Umgang mit den vier Elementen Erde, Feuer, Wasser und Luft zu pflegen mag für Bäuerinnen nichts Neues sein, hilft aber die Gedanken zu klären und Bodenhaftung zu gewinnen. Eine besondere Rolle spielen die Elemente im Jahresablauf für die Lebensmittel als Energielieferanten. Nach Hildegard spielt bei Lebensmitteln auch der feinstoffliche Wert, die Subtilität, eine Rolle,  nicht  nur  die  Kalorien  oder Vitamine. So nährt die so genannte Leibspeise nicht nur den ganzen Körper, sondern auch die Seele.
Ein Lebensmittel sollte regional und saisonal sein sowie Qualität bieten. Alles andere füllt nur den Bauch und tut niemandem gut. In der Hildegard-Lehre gibt es sogar Lebensmittel, die als Frohmacher eingestuft werden; sie tun innerlich so wohl, dass sie die Seele stärken. Dazu zählen Dinkel, Fenchel, Maroni. Besonders wertvoll sind alle Wurzelgemüse, weil sie genug Zeit haben, um das Element Sonne zu speichern. Neben Karotten sind das Pastinaken und Randig. Bei den Frohmacher-Gewürzen stehen Fenchel und Galgant ganz vorne, auch die Kubebe ist hilfreich. Die klassischen Frohmachergewürze Zimt, Muskat und Nelken sind in jeder Küche vorhanden.

Man sollte immer gut auf den Körper schauen, damit er nicht überbeansprucht wird und immer eine maßvolle Bewegung hat. Selbst so banale Dinge wie ausreichend Schlaf sind sehr wichtig. Erfahrungsgemäß schläft der moderne Mensch pro Tag eine halbe Stunde zu wenig. Wird das zu einem Dauerzustand, ist Erschöpfung vorprogrammiert. Um ein gutes Maß zwischen Aktivität und Ruhe zu finden, sollte man sich zwischendurch immer mal besinnen und sich ein paar Minuten zurückziehen, empfiehlt Pregenzer.

Tugenden und Talente
In der Hildegard-Lehre gibt es immer einen Zusammenhang zwischen Körper und Seele. Wenn man jemandem eine Freude macht, geht es einem selbst mindestens genauso gut wie dem anderen. Gute Werke hängen auch mit den eigenen Talenten und Stärken, mit denen wir ausgestattet wurden, zusammen. Zu den drei wichtigsten Tugenden gehören Geduld, Großzügigkeit und Barmherzigkeit. „Eine schöne Fähigkeit bzw. ein Talent oder eine Tugend, ist die Achtsamkeit.“ Sie passt zur Besinnung und in den adventlichen Alltag, indem man die Dankbarkeit wieder mehr übt und die kleinen Dinge im Alltag schätzt. Zur Achtsamkeit gehört auch die Meditation oder das Gebet, weil das eine Möglichkeit ist, sich zu zentrieren.
„Freude entdecken und pflegen ist auch Ausdruck des Lebens und Ausdruck der Göttlichkeit und gereichen dem anderen zur Freude.“
Abschließend regte Bundes- und Landesbäuerin Andrea Schwarzmann an, sich an guten Gesprächen oder guten Gedanken zu erfreuen, die man mit auf den Weg bekommt. Die Bäuerinnen sind oft in vielfacher Hinsicht gefordert und eine wichtige Tankstelle innerhalb der Familie. „Unser ausgleichendes Wirken ist unheimlich wichtig. Darum tun auch solche Tage wie heute, die die Bäuerinnenorganisation organisiert, den Frauen gut, weil sie selbst auftanken können.“

Die musikalische Umrahmung mit den „Bergziegen“ und der Austausch bei Kaffee und Kuchen rundeten den Nachmittag wunderbar ab.

Ein Fotoalbum zum Besinnungsnachmittag finden sie in der Mediathek und über untenstehenden Link!