Schwarzmann zum Weltlandfrauentag 2020: Frauen in der Corona-Krise gezielt stärken

Förderung der Frauen ist beste Maßnahme zur Ernährungssicherung.
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Andrea Schwarzmann 2019 © LKÖ/APA Ludwig Schedl
Der Corona-Ausbruch hat vieles verändert, Denk- und Verhaltensmuster wurden durchbrochen, die Bedeutung einer verlässlichen, regional produzierenden Landwirtschaft ist verstärkt ins Bewusstsein der Menschen gerückt. Dabei ist oft nicht klar, welch großen Anteil Frauen in der Lebensmittelerzeugung und für die ökonomische Entwicklung ihres Landes haben. “Rund 30% der landwirtschaftlichen Produktion in der industrialisierten westlichen Welt werden von Bäuerinnen erbracht. Umso wichtiger ist aus ökonomischer, ökologischer und auch sozialer Sicht die gezielte Förderung und Stärkung der Frauen, damit Maßnahmen zur Ernährungssicherung auch Erfolg haben“, appelliert Andrea Schwarzmann, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Österreichische Bäuerinnen in der LK Österreich anlässlich des Weltlandfrauentages am 15. Oktober an die Politik.

Krise als Chance sehen

Österreich hat im EU-Vergleich eine sehr junge Landwirtschaft - 33% der Bäuerinnen und Bauern sind unter 45 Jahre alt - mit einem hohen Anteil an Betriebsführerinnen (32%), womit wir an 5. Stelle liegen (Quelle: Eurostat). Die von Frauen geführten Höfe sind meist kleiner, mehr als ein Drittel verfügen im Schnitt über 20 ha Grund. Innovationen und Diversifizierung sind daher ein wichtiger Faktor der Betriebsentwicklung und Einkommenssicherung. "Corona hat verdeutlicht, dass sich die Österreicherinnen und Österreicher nach regionalen, ehrlichen Angeboten aus den für uns typischen Familienbetrieben sehnen. Daraus ergeben sich viele Chancen, die wir Bäuerinnen aufgreifen und entwickeln sollten“, meint Schwarzmann. Dabei gehe es nicht nur um die Lebensmittelproduktion an sich, sondern ganz wesentlich um die Vermarktung. Dabei haben viele Bäuerinnen einen deutlichen Wissensvorsprung, denn mehr als ein Drittel von ihnen stößt aus anderen Berufen zur Landwirtschaft. "Durch ein ausreichendes Angebot in Bauernläden, Onlineshops, Verkaufsautomaten und bei Kooperationen mit der Gastronomie können wir dazu beitragen, dass die Konsumenten regionalen Genuss auf ihren Tellern haben", so die ARGE-Vorsitzende.

Perspektive Landwirtschaft

Denn die Einkommenssituation für die land- und forstwirtschaftlichen Unternehmen bleibt schwierig. Der jüngste Grüne Bericht zeichnet kein rosiges Bild, die agrarischen Einkünfte sind 2019 leicht gesunken. Viele Höfe wurden schon aufgegeben. Allein in den vergangenen zehn Jahren waren es in Österreich zirka 25%. "Wir setzen uns für mehr Perspektiven für Frauen und junge Menschen in der Landwirtschaft ein, unter anderem auch, wenn in der Familie keine Hofübernahme oder -übergabe möglich ist", so Schwarzmann mit Verweis auf die von der ARGE unterstützte Initiative "Perspektive Landwirtschaft". Denn "eine aktive und nachhaltig betriebene Landwirtschaft sorgt nicht nur für Versorgungssicherheit, sondern ebenso für Umwelt- und Klimaschutz und damit für Lebensqualität."

Regional einkaufen schafft Arbeitsplätze und vermeidet lange Transportwege

Schließlich sichert die Landwirtschaft auch zahlreiche Arbeitsplätze direkt auf den Höfen, aber ebenso in anderen, damit zusammenhängenden Branchen. Das bringt Wertschöpfung für die Region und stärkt den ländlichen Raum. "Deshalb braucht es bessere Rahmenbedingungen, die die Diversifizierung auf den Bauernhöfen fördert und unsere Bäuerinnen darin bestärkt, neue Projekte umzusetzen und Arbeitsplätze auf den Betrieben zu schaffen", so Schwarzmann. Außerdem braucht es weiterhin gute Aus- und Weiterbildungsangebote sowie niedrige Einstiegsschwellen in die Investitionsförderung, um Frauen Mut zu machen, in die Diversifizierung einzusteigen und ihre Ideen umzusetzen.

Der Weltlandfrauentag am 15. Oktober (festgelegt 1995 von der FAO (Food and Agriculture Organization of the United Nations) würdigt die wichtige Rolle der Bäuerinnen und Landfrauen in der Gesellschaft. Das weltweite Netzwerk der Bäuerinnen und Frauen im ländlichen Raum nimmt diesen Tag zum Anlass, um auf die besondere Lebenssituation der Frauen auf dem Land aufmerksam zu machen, sowie deren Rolle bei der Ernährungssicherung und beim Umweltschutz zu würdigen.