Österreich: Moderne Botschafterin der Bäuerinnen

Die steirische Hendlbäuerin Daniela Posch ist eine dynamische und engagierte Jungunternehmerin. Sie berichtet, was ihr im Umgang mit Konsumenten wichtig ist und wie ihr dabei der „ZAMm unterwegs"-Lehrgang hilft.
Daniela Posch aus Heimschuh (r.) beantwortet gerne Fragen ihrer Kunden zur Hühnerhaltung am Betrieb.  © (c) ZAMm unterwegs_Markus Beren
Daniela Posch aus Heimschuh (r.) beantwortet gerne Fragen ihrer Kunden zur Hühnerhaltung am Betrieb. © (c) ZAMm unterwegs_Markus Beren
Wer Daniela Posch im Business- oder Kickbox-Outfit vorbeimarschieren sieht, würde wohl kaum annehmen, dass es sich bei ihr um eine Vollblutbäuerin handelt; eine Frau, die tagtäglich in Gummistiefeln im Stall steht, ihre Hendln füttert und später sogar selbst verarbeitet. Genau diese Vielseitigkeit moderner Landwirtinnen aufzuzeigen, ist Posch enorm wichtig. "Ja, ich will allen sagen: Hey, schaut's her einmal, ich bin eine professionelle Bäuerin, kreativ und cool. Viele glauben, wir sind alle alteingesessen, fad und schon aus zehn Meter Entfernung zu erkennen. Aber das stimmt einfach nicht", betont die 37-Jährige. Daniela Posch ist eine moderne Powerfrau, die mit Herz und Verstand schon Enormes auf die Beine gestellt hat – am Hof, in der Familie und im Ehrenamt. Ihr persönliches Ziel ist es, das Verständnis für das bäuerliche Leben und Wirken zu fördern.

Eigenes Standbein aufgebaut

Ursprünglich stammt die Bäuerin aus einer Nachbargemeinde von Heimschuh, wo der „Posch Hendl“-Betrieb steht. Schon früh bekam sie Einblicke in die Fleischerei ihrer Eltern und arbeitete danach als Drogistin. Über Freunde lernte sie ihren Mann Peter kennen, zu dem sie vor 17 Jahren auf den elterlichen Vollerwerbsbetrieb gezogen ist. Dieser besteht bereits seit drei Generationen und konnte in den vergangenen 30 Jahren immer weiter modernisiert und vergrößert werden. Für Lachen und Lebendigkeit sorgen auch die beiden gemeinsamen Kinder, Matthias (15) und Paula (10). Peter kümmert sich – unterstützt durch seinen Vater – um Mastschweine und Ackerbau. Danielas Domäne ist hingegen das Geflügel. In diesem Bereich hat die junge Frau zusammen mit ihrem Mann aus der kleinen Direktvermarktung ein wichtiges Betriebsstandbein entwickelt.

Primär setzt sie auf Klasse, statt auf Masse. So werden die Küken von einem Bauern in der Nähe gekauft. Zu fressen bekommen sie hochwertiges Futter mit natürlichen Kräuterextrakten. Wichtig ist der Bäuerin auch eine schonende Schlachtung am eigenen Betrieb. Dadurch entfallen lange Transportwege und die Ware ist immer frisch. Unterstützung bekommt die Bäuerin von jungen Frauen aus der Umgebung und ihrer Schwiegermutter.
Die Hühner am Betrieb Posch bekommen hochwertiges Futter. Dazu mischt Daniela Posch auch natürliche Kräuterextrakte.  © (c) ZAMm unterwegs_Markus Beren
Die Hühner am Betrieb Posch bekommen hochwertiges Futter. Dazu mischt Daniela Posch auch natürliche Kräuterextrakte. © (c) ZAMm unterwegs_Markus Beren

Qualität und Regionalität

„Wir beliefern mittlerweile die gesamte steirische Weinstraße und darüber hinaus. Alle sind hier sehr bedacht auf regionale, gute Qualität. Abnehmer sind Haubenlokale, Buschenschänke, Gasthäuser, Ab-Hof-Läden und Privatpersonen“, so Posch, die auch selbst einen Hofladen führt. „Den möchte ich in Zukunft ausbauen, denn die Direktvermarktung ist wieder sehr gefragt.“ Daher freut sich die Bäuerin sehr, dass Sohn Matthias in Graz eine darauf spezialisierte Landwirtschaftsschule besucht und Interesse am Hof zeigt.
Angeboten werden im Posch’schen Hofladen primär natürlich Hendln – im Ganzen und in Teilen. Zusätzlich gibt es auch andere Produkte vom eigenen Betrieb und benachbarten Bauern. „Unser Motto ist 'von der Region für die Region'. Das ist eine Win-Win-Situation“, so Posch.

Der Erfolg des Betriebs ist aber kein Zufall, sondern Ergebnis harter Arbeit. „Ich nehme auch jede Gelegenheit wahr mich weiterzubilden“, so Posch, die zahlreiche Kurse beim Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI) und bei der Österreichischen Qualitätsgeflügelvereinigung (QGV) absolviert hat. Dabei genießt sie auch den Austausch mit Berufskolleginnen. Zusätzlich schätzt sie auch die LFI-Online-Kurse, die sie abends bequem von daheim machen kann.

Weiterbilden, vernetzen

Besonders stark profitiert die Hendlbäuerin laut eigenen Angaben auch vom „ZAMm unterwegs“-Zertifikatslehrgang. „Er hat mir ganz viel gebracht – von Agrarpolitik über Kommunikation bis zu Führungskompetenzen. Die Ausbilderinnen waren hochprofessionell und spitze.“ Seither fühlt sich Posch auch für Vermarktung, Medien und Ehrenamt noch besser gewappnet: „Durch ZAMm unterwegs bin ich auch Gemeinderätin geworden. Man wächst extrem dadurch. Ich habe alles aus mir herausgeholt und gesehen, wozu ich fähig bin. Ich kann den Lehrgang wirklich nur wärmstens weiterempfehlen.“ Außerdem konnte sie sich ein neues, wertvolles Netzwerk knüpfen.

Kämpfernatur

Sich selbst bezeichnet Daniela Posch als „Kämpfernatur“ und „Botschafterin für unsere Bäuerinnen“. Das setzt sie nicht nur als Gemeinde- sondern auch Kammerrätin und im Beirat der Bäuerinnen um. Zusätzlich schreibt sie in der Zeitschrift „Steirerland“ Kolumnen über die Landwirtschaft und ihre Menschen. „Mir ist wichtig, dass die Leute sagen: Schaut’s, da ist eine junge, engagierte Bäuerin, die sich traut, gewisse Themen anzusprechen. Und dabei bin ich ziemlich ehrlich“, lacht Posch. Aktiv tritt die junge Bäuerin ebenso an Schulen heran: „Aufklärungsarbeit ist enorm wichtig und die kann ich am besten machen, wenn ich die Menschen zu mir auf den Hof einlade“.
Für die Bäuerin ist der Ausgleich zum Arbeitsalltag wichtig. Sie geht gerne laufen oder trainiert für ihr Hobby  das Kickboxen.  © (c) ZAMm unterwegs_Markus Beren
Für die Bäuerin ist der Ausgleich zum Arbeitsalltag wichtig. Sie geht gerne laufen oder trainiert für ihr Hobby, das Kickboxen. © (c) ZAMm unterwegs_Markus Beren

Für Berufsstand einsetzen

„Mein Lebensmotto ist: ‚Wer kämpft, kann verlieren, wer nicht kämpft, hat schon verloren“, unterstreicht die Powerfrau, die mit Vorurteilen gegenüber der Landwirtschaft aufräumen möchte. „Ich brenne für dieses Thema. Wir Bäuerinnen müssen wirklich vorpreschen, präsenter werden und uns für unseren Berufsstand einsetzen“, so Posch, die in Zukunft noch mehr Berufskolleginnen für dieses Ziel gewinnen möchte.

Dieser Artikel ist auch in top agrar Österreich (6/2018) erschienen.

ZAMm unterwegs

Mit dem „ZAMm unterwegs“-Zertifikatslehrgang „Professionelle Vertretungsarbeit im ländlichen Raum“ bekommen Bäuerinnen ein umfassendes Rüstzeug für ein professionelles Engagement in Politik und Gesellschaft. Ziel ist, den Stellenwert von Bäuerinnen und Landwirtschaft in Österreich zu erhöhen. Das Bildungsprojekt „ZAMm unterwegs“ (früher „ZAM“ - Zukunftsorientierte Agrarwirtschaftliche Motivation) ist eine Initiative der ARGE Bäuerinnen, des Ländlichen Fortbildungsinstituts (LFI) und des Landwirtschaftsministerium.