Österreich: Meine Schwiegertochter ist die Beste

Tipps und Überlegungen für ein gutes Zusammenleben
Lebensqualität am Bauernhof Generationen miteinander / Respektvoller und toleranter Umgang. © Archiv
Lebensqualität am Bauernhof Generationen miteinander / Respektvoller und toleranter Umgang. © Archiv

Quelle: „Der fortschrittliche Landwirt“

Vor einigen Monaten hat mich eine Altbäuerin angesprochen, ob ich über die Beziehung zwischen Schwiegermüttern und Schwiegertöchtern schreiben möchte. Sie drückte mir ein Blatt in die Hand, das sie bei einem Kuraufenthalt bekommen hatte. Es enthielt Tipps für beide Parteien.

 

Sie meinte, das wäre ein wichtiges Thema. Der Leidensdruck auf diesem Gebiet sei sehr hoch. Das kann ich durch meine Beratungs- und Lebenserfahrung bestätigen. Tipps sind immer etwas problematisch, weil man inhaltlich ohnehin Bescheid weiß, das Umsetzen sehr schwierig ist. Deshalb gehe ich zuvor auf die Probleme näher ein.

 

Klischee Schwiegermutter

Wer kennt es nicht, das Klischee der „bösen Schwiegermutter“? Es spiegelt sich vielfach in Märchen, Witzen und Sprichwörtern wider. Warum ist das so? Die Störanfälligkeit von Schwiegerbeziehungen ist strukturell vorgegeben. Durch die Nähe des Zusammenlebens gibt es mehr oder weniger große Berührungspunkte, aus denen sich Konflikte entwickeln können. Gelingt es den Beteiligten nicht, sich auf Grenzen und Regeln im Umgang miteinander zu einigen, beziehungsweise mit unterschiedlichen Wertesystemen zurechtzukommen, werden Konflikte unausweichlich. Ein gutes Generationsverhältnis setzt Toleranz und guten Willen von allen Beteiligten voraus. Dazu gehört die Fähigkeit, die Art der anderen zu akzeptieren. Besonders wichtig ist das Verhältnis der beiden Frauen zueinander. Sie können sich nicht so leicht aus dem Weg gehen.  

 

Schwiegermutter mit Schlüsselrolle

Häufig ist es Frauensache, dass das Zusammenleben funktioniert. Besonders die Schwiegermutter hat eine Schlüsselrolle, um die Eingliederung der jungen Frau in die Familie zu fördern. Das ist für die Ältere nicht leicht, weil die eigenen unaufgearbeiteten Erfahrungen aus der Zeit der Einheirat wieder aufsteigen. Auch wenn sie sich hundertmal vorgenommen hat, dass es die junge Frau besser haben soll. Vom Kopf her weiß sie es, aber vom Bauch her ist es schwer, weil es sein kann, dass sie selbst um eigene verpasste Chancen trauert. Erst am Beispiel der jungen Frau sieht sie, was sie versäumt hat. Das kann sie sich nicht offen eingestehen, weil sie sonst ihre Biografie in Frage stellen müsste.

 

Zwei Frauen, ein Revier

Obwohl nun eine junge Frau am Hof ist, hält die Schwiegermutter an ihren Aufgaben fest. Von der jungen Frau wird erwartet, dass sie mitarbeitet. Erst mit nachlassenden körperlichen Möglichkeiten kann die Schwiegertochter die Rolle der Schwiegermutter langsam  übernehmen. Insofern teilen sich beide Frauen dasselbe Revier. Finden die Mütter mit der Zeit ihre eigenen Betätigungsräume, lässt oft auch die Konkurrenz zur jungen Frau nach. Hilfreich wäre es, der jungen Frau von vornherein eigene Verantwortungsgebiete zu übertragen.

 

Von der Mutter lösen

Ist die Paarbeziehung zwischen den Eltern gut, hat das positive Auswirkungen auf das Verhältnis zwischen der älteren und der jungen Generation. Davon hängt zum großen Teil auch ab, ob sich die erwachsenen Kinder von den Eltern, insbesondere die Söhne von der Mutter, lösen können.

Ist die Beziehung der Eltern nicht zufriedenstellend, so werden die unerfüllten Sehnsüchte der Frau, die eigentlich dem Partner gelten, auf die Kinder übertragen. Diese werden „festgehalten“ und bleiben in Abhängigkeit. Kommt nun eine Schwiegertochter, die einen Mann heiratet, der eigentlich noch sehr an der Mutter hängt, so führt diese die Mutterrolle weiter.

Das Problem hat schon lange existiert, tritt aber oft erst mit der Heirat an die Oberfläche. Kommen die jungen Leute eine Zeit lang vom Hof weg und lernen andere Lebensmodelle kennen, fördert das ihre Selbstständigkeit und somit auch die Loslösung von den Eltern.

 

Entlastungsräume schaffen

Nun ist die Frage, wie der Hoferbe mit diesen Loyalitätskonflikten umgeht, und ob er zu seiner Frau oder zur Mutter steht. Steht er zur Mutter, wird es für die junge Frau in ihrer einsamen Position schwierig. Ungeklärte Verhältnisse zwischen den Generationen belasten nicht nur das Zusammenleben von Jung und Alt, sondern auch die Partnerschaft.

Ich denke, dass es für Frauen sehr wichtig ist, sich emotionale Entlastungsräume zu schaffen. Reden und von früher erzählen zu können, hilft die Erlebnisse der Vergangenheit ins Leben einzubetten. Auf diese Weise nimmt sie sich selbst ernst und wichtig. Suchen Sie sich Gesprächspartnerinnen, von denen Sie wissen, dass Sie verstanden werden oder gehen Sie in eine professionelle Beratung. Sie verhindern damit, dass Sie die Jungen am Hof mit Vergangenem belasten.

Gespräche sind auch  innerhalb der Familie notwendig. Dazu gehört, an einer Verbesserung der Konfliktkultur zu arbeiten, damit auch heikle Themen in Ruhe besprochen werden können. Und dennoch immer wieder abwägen: „Was sag ich und was behalte ich lieber für mich?“ – Nicht alles zu sagen, ist nicht gelogen.

Was Menschen jetzt und in Zukunft brauchen, sind Fähigkeiten, die gute Beziehungen schaffen: Miteinander im Gespräch bleiben, Konflikte aushalten und bewältigen. Das ist eine wichtige und lebenslange Aufgabe.

 

Tipps: Die ideale Schwiegermutter

  • Die Schwiegertochter anzuerkennen bedeutet, den eigenen Sohn anzuerkennen. Schließlich hat der Sohn diese Frau gewählt.
  • Veränderungen gehören zum Leben – wer weiß das besser wie Sie als Bäuerin?
  • Lassen Sie Veränderungen und neue Ideen zu – bleiben Sie neugierig!
  • Übergeben Sie den Hof nicht nur auf dem Papier – tun Sie es mit ganzem Herzen!
  • Der Satz: „Es wird schon gut gehen“ hilft den Jungen mehr als Ihre Sorgen um den Hof.  Geben Sie die Verantwortung an die Jungen weiter!
  • Die ersten Jahre ist die Schwiegertochter meist besonders sensibel. Gestehen Sie ihr diese Sensibilität zu!
  • Jede Person braucht Freiräume. Für alle Paare ist es wichtig, allein sein zu können – auch zum Streiten.
  • Persönliche Dinge der Schwiegertochter müssen tabu sein und bleiben.
  • Ergreifen Sie bei einem Streit nicht die Partei Ihres Sohnes. Die beiden lieben einander und werden sich wieder versöhnen.
  • Verabschieden Sie sich von der Vorstellung, alles gemeinsam zu machen. Junge Paare und Familien wollen auch unter sich sein. Das hat auch Vorteile für Sie!
  • Nicht der Sohn ist Ihr Partner, sondern Ihr Ehemann.
  • Die besten Eltern für die Kinder sind Vater und Mutter und nicht die Großeltern.
  • Lassen Sie die Jungen ihre eigenen Erfahrungen sammeln.