Österreich: „ Bäuerinnen bevorzugen partnerschaftliche Betriebsführung“!

Bäuerinnen-Befragung 2016 zeigt, dass Bäuerinnen ihren Beruf gerne ausüben und positiv in die Zukunft schauen.
© APA/Jan Hetfleisch
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„Die österreichischen Bäuerinnen sehen die eigene betriebliche Zukunft positiv: Sieben von zehn Bäuerinnen würden diesen Beruf wieder wählen. Die Zufriedenheit hat gegen-über der letzten Bäuerinnenbefragung 2006 (69 %) sogar noch etwas zugenommen (73 %). Was die positiven Aspekte des Bäuerinnenberufes angeht, werden in erster Linie die gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie, die Naturverbundenheit als auch die Selbständigkeit und flexiblen Arbeitszeiten geschätzt“, erklärte Bundesbäuerin Andrea Schwarzmann, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Österreichische Bäuerinnen in der Landwirtschaftskammer Österreich, anlässlich des Bundesbäuerinnentages 2017 in Alpbach (Tirol).

„Österreich hat im internationalen Vergleich eine sehr junge Landwirtschaft: 33 Prozent der Bäuerinnen und Bauern, die den Hof bewirtschaften sind unter 45 Jahre alt und mit rund 32 Prozent weiblichen Betriebsführerinnen erreicht Österreichs Land- und Forstwirtschaft im internationalen Vergleich nach wie vor einen Spitzenwert“, unterstreicht Schwarzmann.

Partnerschaft und gemeinsames Eigentum
Die Ergebnisse der Bäuerinnenbefragung 2016 zeigen, dass gemeinsames Eigentum heute bereits bei 51 Prozent der Befragten Realität ist. Vor zehn Jahren befanden sich nur 43 Prozent der bäuerlichen Betriebe im gemeinsamen Eigentum von Bäuerin und Bauern. Darüber hinaus ist es für den Großteil der Bäuerinnen heute selbstverständlich, dass Entscheidungen gemeinsam getroffen werden. Auf 76 Prozent der Höfe wird dieses partnerschaftliche Modell gelebt und der Trend geht kontinuierlich nach oben. Bei der Bäuerinnenbefragung 1986 erreichte die partnerschaftliche Betriebsführung rund 64 Prozent“, berichtete die Bundesbäuerin. 81 Prozent der Bäuerinnen sind auch gemeinsam mit dem Ehepartner oder Lebensgefährten für das Betriebskonto zeichnungsberechtigt und 60 Prozent der Bäuerinnen verfügen über ein persönliches Konto. (2006: 47 %).

Vielseitiger Beruf mit hohen Anforderungen

Bäuerinnen haben neben der Arbeit am Hof bzw. außerhalb des Betriebes auch den Haushalt zu führen und die Versorgung der Familienangehörigen zu leisten. Hinsichtlich der Aufgaben bei der Haushaltsführung, Betreuung von Kindern und alten Menschen am Hof überwiegt die „klassische Rollenverteilung“. Schwarzmann: „Dennoch zeigt sich, dass der Partner und andere Personen von den Bäuerinnen heute mehr Arbeit übernehmen als dies noch vor zehn Jah-ren der Fall war“. Die befragten Bäuerinnen gaben an, 70 % der Hausarbeit (2006: 88 %), 62% der Kinderbetreuung (2006: 77 %) sowie 49 % bei der Pflege von Angehörigen (2006: 82 %) zu leisten. Hinzu kommen 57 % der Administration. Bei der Stallarbeit erledigen die Bäuerinnen 34 % der anfallenden Arbeit (2006: 45 %) und bei der Feld- und Außenarbeit sind es 23 Prozent. (2006: 28 %).

Herkunft der Bäuerinnen

Zwei Drittel aller Bäuerinnen sind auf einem landwirtschaftlichen Betrieb aufgewachsen. Der Anteil der Bäuerinnen, die selbst nicht auf einem Hof gelebt und gearbeitet haben, ist in den letzten Jahrzehnten deutlich gestiegen. Hatten 1986 noch 90 Prozent der Bäuerinnen einen landwirtschaftlichen Hintergrund, so waren es bei der Bäuerinnenbefragung 2016 nur noch 67 Prozent. Rund 33 Prozent der Bäuerinnen stammen heute nicht mehr aus dem bäuerlichen Bereich, sondern haben erst nach der Partnerwahl bzw. Heirat den Bäuerinnenberuf erlernt. „ Die jungen Bäuerinnen bringen mit ihrer Ausbildung und Erfahrung viel Know-how aus anderen Sparten in die bäuerliche Betriebsführung und in die Dörfer ein. Ihre vielfältigen fachlichen und sozialen Kompetenzen eröffnen neue Perspektiven und können frischen Wind in politische Entscheidungsgremien bringen“, betonte Schwarzmann.

Bäuerinnen haben gute Ausbildung

Das Bildungsniveau der österreichischen Bäuerinnen hat kontinuierlich zugenommen: Bei einem Vergleich mit den Bäuerinnenbefragungen 1996 und 2006 ist die Zahl der Bäuerinnen mit Matura oder Universitätsabschluss von 4 % (1996) bzw. 13 % (2006) auf 34 % gestiegen. Bei der Zunahme des Bildungsniveaus der Bäuerinnen zeigt sich ein Ost-West-Gefälle, wobei Burgenland und Kärnten hier Vorreiter sind. Rund 84 Prozent der befragten Bäuerinnen sind mit den Aktivitäten der ARGE Bäuerinnnen zur fachlichen und persönlichen Weiterbildung zu-frieden, freut sich die Bundesbäuerin.

Berufstätigkeit der Bäuerin außerhalb des Betriebes

Weiters zeigt die Bäuerinnenbefragung 2016, dass die Berufstätigkeit von Bäuerinnen außerhalb des eigenen Betriebs in vielfältigen Tätigkeitsfeldern zunimmt: 37 % der befragten Bäuerinnen sind außerbetrieblich berufstätig (2006: 22 %). Als Hauptmotive für eine außerbetriebliche Berufstätigkeit nannten die befragten Bäuerinnen die finanzielle Unabhängigkeit (55 %), gefolgt von der Motivation die „erlernten Fähigkeiten einzusetzen“ (53%) und der „Notwendigkeit eines zusätzlichen Einkommens“ (49 %).

Alltag am Hof in der Großfamilie

„Die Großfamilie hat im bäuerlichen Bereich Tradition und 68 Prozent der Bäuerinnen haben zwei oder drei Kinder“, so Schwarzmann. 2016 beträgt die Anzahl der Hofbewohner durchschnittlich fünf Personen (2006: 5,3; 1996: 5) und liegt damit über der durchschnittlichen Haushaltsgröße der Gesamtbevölkerung von 2,2 Personen für das Jahr 2015. Im Vergleich mit der durchschnittlichen Kinderzahl aller in Österreich lebenden Frauen (1,46 Kinder) haben österreichische Bäuerinnen nach wie vor mehr Kinder.

Deutlicher Trend zu getrennten Wohnungen am Bauernhof 

Schwarzmann: „Hinsichtlich des Zusammenlebens von Jung und Alt an Hof zeigt sich gegenüber der Bäuerinnenstudie 2006 eine Abnahme der gemeinsamen Haushalte und ein deutlicher Trend zu getrennten Wohnungen im bäuerlichen Betrieb“. Die vollständige Trennung von Haushalt und Alltag ist in Oberösterreich (29 %), Salzburg (29 %) und Tirol (28 %) am stärksten ausgeprägt. Hier leben die junge und die übergebende Bauerngeneration ihren Alltag am unabhängigsten voneinander.

Bäuerinnen engagieren sich im Ehrenamt

„Es ist erfreulich, dass sich rund 66 % der befragten Bäuerinnen ehrenamtlich engagieren und rund 77 Prozent der befragten Bäuerinnen die Bäuerinnenorganisation und deren Tätigkeitsfelder kennen. Derzeit üben bereits rund 27 % der befragten Bäuerinnen eine leitende Funktion in einem Verein oder einer Organisation aus. „Diesen Anteil wollen wir erhöhen, indem wir unseren Bäuerinnen ein Bildungsangebot zur Stärkung ihres Selbstbewusstseins anbieten und allen bäuerlichen Funktionärinnen gute Aus- und Weiterbildungsangebote zur Verfügung stellen“, erklärte Schwarzmann.

Für die ARGE Bäuerinnen sind die Ergebnisse der Bäuerinnenbefragung 2016 eine wichtige Basis für die Ausrichtung und Positionierung der Interessen der Bäuerinnen innerhalb der Landwirtschaft und in der Gesellschaft. „Wir wollen den großen Nutzen der partnerschaftlichen Lebens- und Betriebsführung für die bäuerliche Landwirtschaft in Österreich künftig noch besser sichtbar machen. Gleichzeitig wollen wir mit der Erhöhung des Frauenanteils in agrarischen und politischen Gremien die aktive Mitgestaltung der Bäuerinnen in der Interessenvertretung noch weiter ausbauen“, betonte die Bundesbäuerin abschließend.

Kurzinfo

Studie zur Situation der Bäuerinnen in Österreich 2016
Seit 1976 werden Österreichs Bäuerinnen alle zehn Jahre befragt. Die vorliegende Studie zur „Arbeits- und Lebenssituation der Bäuerinnen in Österreich 2016“ wurde im Auftrag der Arbeitsgemeinschaft Österreichische Bäuerinnen in der Landwirtschaftskammer Österreich, dem Ländlichen Fortbildungsinstitut (LFI) und dem Bundesministerium für Land- und Forstwirtschaft, Umwelt und Wasserwirtschaft durchgeführt. Erstellt wurde die Bäuerinnen-Studie 2016 von KeyQUEST Marktforschung GmbH in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Agrar-wirtschaft. Die Arbeitsgemeinschaft Österreichische Bäuerinnen wurde 1972 gegründet und vertritt die Interessen von rund 130.000 Österreichischen Bäuerinnen. Die bundesweite Koordinierung der in allen Bundesländern vertretenen ARGE Bäuerinnen erfolgt in der Landwirtschaftskammer Österreich. Die Vorsitzende der ARGE Bäuerinnen, Bundesbäuerin Andrea Schwarzmann ist Bergbäuerin im Biosphärenpark Großes Walsertal, Vorarlberg und bewirtschaftet in Raggal einen Bergbauernhof mit Milchwirtschaft und Alpwirtschaft.