Österreich: Bäuerin – alles, bloß das nicht oder doch Bestimmung!?

Wie definiert sich eigentlich das Berufsbild einer Bäuerin? Lesen Sie nachfolgend die persönliche Sicht und Überlegungen einer Bäuerin.
Früh übt sich Früh übt sich © LK kÄrnten
Früh übt sich Früh übt sich © LK kÄrnten
Wahrscheinlich liegt es ja auch nur an der Bezeichnung des Berufstandes – vielleicht wäre es besser, statt „Bäuerin“ „Agrarökonomin“ zu sagen, denn dies klingt ja schon einmal nicht mehr so schlecht und wer weiß denn schon, was sich noch so alles hinter diesem interessanten Begriff verbirgt. Nehmen wir doch einmal an, eine junge Frau verliebt sich und wie das Schicksal eben spielt, ist der Begehrte ein Bauer, der der herkömmlichen Interpretation dieser Berufsbezeichnung auf alle Fälle gerecht wird. Und wie es sich auf einem Bauernhof so gehört, ist da auch eine sehr dominante Dame, die man mit dem Begriff einer überaus erfahrenen Schwiegermutter gleichsetzen kann und auch noch die Oma – ihres Zeichens natürlich auch eine Bäuerin, die vierundzwanzig Stunden am Tag nur Arbeit im Kopf hat bzw. hatte.
Die junge Frau, die - wie soll es denn anders gehen, wenn man in einer Beziehung steht - immer näher an die fremde Familie herantritt, sieht bald, dass es am Schauplatz Bauernhof eine ununterbrochene Abfolge von problembetonten und komplexen Situationen gibt und dies scheinbar durch ihre Anwesenheit noch gefördert wird. An dieser Stelle soll angemerkt sein, dass die junge Frau selbst von einem Bauernhof stammt, sie aber mehr das Negative am Bauerndasein vermittelt bekam, als nur irgend etwas winzig Positives davon. Es ist aufgrund der vorhandenen Gegebenheiten sicherlich nicht verwunderlich, wenn sich die junge Frau vermehrt ihrem Beruf zuwendet, zudem dies ein angesehener und auch herausfordernder seiner Art ist und nicht mit dem Gedanken spielt, Bäuerin zu werden. Dies bedeute ja für die junge Dame, ihren Beruf aufzugeben und zu Hause am Betrieb zu sein und ihre Selbstständigkeit oder besser gesagt Unabhängigkeit möchte sie keinesfalls missen.

Nur Arbeit im Kopf

Außerdem gibt es am Betrieb ja bereits zwei Bäuerinnen und die beiden messen ihre Wertigkeit, indem sie feststellen, wer denn in seinem Leben mehr gearbeitet hätte. Unter dem Begriff „Arbeit“ ist in diesem Zusammenhang schweres manuelles Arbeiten bzw. das Zuständigsein einfach für alles am Betrieb zu verstehen. Und zu allem Überfluss verlautbaren die beiden Damen dann noch, dass mit der Jungbauern „seiner“ nichts ist, denn „die“ – „die“ geht ja „nur“ arbeiten und nicht einmal eine Landwirtschaftsschule hat sie besucht – „die“ hat ja nicht einmal eine Ahnung und will eine Bäuerin sein - „die“.
Der Jungbauer ist alles Mögliche, nur nicht ausgeglichen, denn es ist auch für ihn eine Herausforderung, zu seiner Freundin bzw. Frau zu stehen, denn er will sie ja schließlich nicht verlieren – gleichzeitig bedeutet das aber für ihn, sich von seiner so vertrauten Situation und auch von seiner Mutter „loszulösen“. Die Lage am Bauernhof verschlimmert sich weiter, indem die junge Frau von gewissen Beteiligten zwar sicher nicht als Mitglied der Familie akzeptiert, aber zu dessen Kommunikationsspielball wird, da es Mutter und Sohn (Jungbauer) auf einmal vorziehen, nicht mehr miteinander zu sprechen.
Stellt man sich jetzt die Frage, wer denn nun schon wieder die Ursache für diese plötzlich auftretende Kommunikationslosigkeit sei, so landet man unweigerlich wieder bei der jungen Frau, man kann „die“ auch als Schwiegertochter betiteln oder einfach nur beim Namen (zB. Maria) nennen – es würde sie sicher sehr freuen. Betrachte man es, egal von welcher Seite, es dreht sich eben doch immer wieder um die junge Frau, um die Bäuerin, am Hof und wenn sie auch in diesem Fall die dritte im Bunde ist, denn es ist doch völlig egal, wenn ein Betrieb mehrere Bäuerinnen hat. Schließlich gibt es auch andere Unternehmen, in denen Aufgaben oder Zuständigkeitsbereiche auf mehrere gleichwertige Personen verteilt sind, warum sollte dies für einen Bauernhof dann nicht möglich sein?
Es ist sicherlich nicht so einfach, den Begriff Bäuerin zu definieren, wie zB festzustellen, ob eine Ampel rot oder grün leuchtet. Ich will damit zum Ausdruck bringen, dass es gar keine so eindeutige Abgrenzung gibt, was eine Bäuerin genau ist oder ausmacht, jedoch ist sie auf alle Fälle umfassender definierbar als einfach als Frau des Bauern.

Was macht eine Bäuerin aus?

Die Schwierigkeit einer wirklich treffenden Beschreibung hängt mitunter auch damit zusammen, dass das Betätigungsfeld einer Bäuerin so unglaublich vielfältig ist. Grundgedanken, die ich immer wieder mit dem Wort „Bäuerin“ in Verbindung bringe, sind für mich die Liebe zur Natur und zu den Tieren sowie der respektvolle und würdevolle Umgang mit der herrlichen Natur und all den Dingen, die uns eine intakte Natur bietet. Sie ist es ja, die die Quelle für all das Leben, für Körper, Geist und Seele bildet – ohne unsere Natur gebe es gar kein Leben und scheint es nicht so, dass wir gerade in unserer hektischen Zeit ein wirklich gutes und erfülltes und noch dazu zufriedenes Leben bewusst wieder lernen müssen? Ein anderer ausschlaggebender Gedanke, mich doch für das Bäuerinnen-Sein zu entschließen, war das sich heutzutage zeigende Getrieben-Sein der Menschen, das eben nicht nur in der Berufswelt zu erkennen ist sondern sich auch ganz deutlich in unserem Familien- und Freizeitleben widerspiegelt. Ein Hineingezwängt-Sein in ein Muster, das vorwiegend von anderen bestimmt wird und unsereins muss da unweigerlich „mitschwimmen“, ob man will oder nicht. Der gesamte, ich bezeichne es als, „Gesellschaftsstrom“ fließt in diese eine Richtung, die vorschreibt: „Je mehr und in je kürzerer Zeit, desto besser!“ Und das so genannte „besser“ bedeutet automatisch eine bessere finanzielle Situation und somit mehr Geld. Ist aber nun das Geld wirklich das Allheilmittel für alle Beschwerden unserer Zeit geworden?
Käsnudel Gemeinsam kann vieles gut gelingen! © LK Kärnten
Käsnudel Gemeinsam kann vieles gut gelingen! © LK Kärnten

Geld ist kein Allheilmittel

Ich beantworte diese Frage mit einem klaren Nein. Freilich wird jeder Mensch in seinem Leben auch Geld benötigen, das ist unumstritten. Es ist aber nicht der alleinige Maßstab für ein zufriedenes und erfülltes Leben, zu dem man anstandslos und mit Begeisterung sagen kann: „Ja das ist es - das bin ich!“, wenn man diese Frage an sich selbst zu stellen überhaupt wagen darf. Für mich ist es ein wahrer Genuss in dieser Freiheit eines „Bäuerinnen-Daseins“ zu leben und ich erbaue mich jeden Tag daran, mein eigener Herr bzw. meine eigene „Frau“ zu sein und ebenso daran, mich gegen diese vorhin beschriebenen bedenklichen Gesellschaftsentwicklungen der heutigen Zeit zu stellen und andere Zugänge diesbezüglich zu finden. Ich habe mir bei dieser alles verändernden Entscheidung sehr wohl überlegt, ob es denn für eine Frau der heutigen Zeit nicht einen erheblichen Rückschritt bedeute, eine, ich sage einmal, relativ sichere Anstellung aufzugeben, um Bäuerin zu werden. Heute weiß ich für mich, dass gerade dieser Rückschritt zur Natur, mein großer Fortschritt war, denn ich persönlich gehöre genau dort hin und vielleicht bedeutet für uns alle in Zukunft, ein wenig Rückschritt mehr Fortschritt in Richtung Lebensqualität. Heißt es denn nicht so schön, dass die Qualität vor der Quantität das Rennen macht?

Ob ich denn nun eine „richtige“ Bäuerin bin, diese Frage lasse ich dennoch offen stehen, denn wer darf schon darüber urteilen was richtig ist und was nicht. Wichtig ist nur, das ich eine bin – ich identifiziere mich mit dem Berufstand „Bäuerin“ eben aus der vorangehenden Definition meines Charakters und meiner Mentalität – und ich bin es vor allem gerne – eine Bäuerin.

Brauchen Bäuerinnen eigentlich eine solide land- und hauswirtschaftliche Ausbildung, dass sie ihrer Sache gerecht werden oder kommt man auch mit dem automatischen Hineinwachsen in den Beruf aufgrund von Erfahrungen aus? Diese Frage wird oft in den Raum gestellt, vor allem dann, wenn die Berufsbildung der Bäuerin in eine ganz andere Richtung geht und mit einer bloßen Heirat eines Bauern ist dieses Thema nicht ganz abgetan. Meiner Meinung nach ist es wie bei vielen anderen Berufsgruppen auch, es kommt nicht alleine auf eine fundierte theoretische Ausbildung an sondern es bedarf auch einer Menge praktischer Erfahrungen. In das Bäuerinnensein kann man hineinwachsen, eine fundierte Ausbildung wie z.B. die Ausbildung zur Meisterin für Betriebs- und Haushaltsmanagement ist sicher sehr hilfreich.

Es gibt aber auch noch etwas, auf das ich in diesem Zusammenhang noch nicht hingewiesen habe und das ist auch sozusagen des „Pudels Kern“ in diesem Abenteuer. Und zwar meine ich eine gute Paarbeziehung zwischen Bauer und Bäuerin, denn diese ist das „Grundprodukt" auf dem erst alles weitere aufbauen kann.

Wie bereits gesagt, ich bin und bleibe eine „Bäuerin“ und wir Bäuerinnen brauchen nichts verschönern, denn für mich ist das Bäuerinnen-Sein, wie es ist, etwas so Schönes und vor allem Natürliches. Überdies wissen wir Bäuerinnen es ja doch, dass die Bäuerin es ist – die heimliche Managerin am Bauernhof - denn ohne sie läuft nichts!


Da dies ein sehr persönlicher Beitrag ist, wird auf die Bekanntgabe des Namens der Autorin verzichtet.