Niederösterreich: Wie Hofübergabe gut gelingt

Damit die Hofübergabe ohne Konflikte und Verstimmungen abläuft, gilt es einiges zu beachten. Anna Eckl, Beraterin und Expertin von "Lebensqualität am Bauernhof", beleucht nachfolgend die Bedürfnisse beider Seiten stellt mögliche Lösungsansätze vor.
Hofübergabe Die Hofübergabe ist eine wichtige Weichenstellung für die gesamte bäuerliche Familie. © Doris Erben
Hofübergabe Die Hofübergabe ist eine wichtige Weichenstellung für die gesamte bäuerliche Familie. © Doris Erben
Jahrzehntelang hatten sie hart gearbeitet und waren über die Grenzen ihrer Belastbarkeit gegangen. Zwangsläufig drehte sich ihr Leben viel mehr um das, was Familie, Tiere, Felder etc. brauchten, als um jenes, was sie selbst oder ihre Partnerschaft benötigt hätten. Nun war die Zeit gekommen loszulassen und die Verantwortung für den Hof in die Hände der nächsten Generation zu legen. Von außen betrachtet hatten sie Glück. Der Betrieb war gut aufgestellt und eines der Kinder war bereit, den Hof mit der eigenen Kleinfamilie zu übernehmen. Die Philosophie der Jungen war es weiterzuführen, was die Generationen davor aufgebaut hatten, und gleichzeitig ihre eigenen Ideen zu verwirklichen.

Es brauchte Zeit, gegenseitiges Einfühlungsvermögen und ehrliche Gespräche, um den Weg in eine gute Zukunft von Jung und Alt am Hof zu ebnen. Wesentliche Aspekte konnten bei Gesprächen mit Lebensqualität-Bauernhof-Beratern beleuchtet werden.
Dazu zählten:
  • das Bedürfnis der Älteren, noch am Hofalltag teilzuhaben, Kontakt zur jungen Familie zu haben und weiterhin einer sinnvollen Tätigkeit nachzugehen
  • das Bedürfnis der Jungen, den Betrieb zeitgemäß weiterzuentwickeln und so Arbeitsplatz und Hofexistenz abzusichern
  • Erfahrungen der jetzigen Übergeber aus der eigenen Übernahmesituation
  • Wertschätzung für das, was geleistet wurde und wird - für beide Generationen
  • die Botschaft, dass das Know-how der Älteren den Jungen viel bedeutet und es den Älteren nun gegönnt ist, mehr auf sich selbst zu achten
  • das Zutrauen, dass die Jungen es auf ihre Art gut machen werden
  • die Erkenntnis, dass getrennte Wohnbereiche Rückzugsmöglichkeiten bieten und ein freiwilliges Aufeinander- Zugehen ermöglichen. Ist eine Hofübergabe somit davon getragen, dass Alt und Jung einen guten Platz am Hof haben, kann eine Übergabe neues Leben bringen, das sich in seiner Fülle weiterentwickeln darf.

Breite Mauer der Ablehnung

Das Weiterführen war ganz im Interesse der Übergeber, die geplanten Änderungen stießen jedoch auf eine breite Mauer der Ablehnung. Für die Altbauern war es unvorstellbar, dass das, wofür sie so viel geleistet und Anerkennung geerntet hatten, in dieser Form nicht mehr bestehen sollte. Unvorstellbar auch, auf die gewohnten Tätigkeiten zu verzichten. Die Tatsache, dass ein neuer Betriebszweig, der den Interessen der Jungen mehr entsprach, aufgenommen werden sollte, verstörte die Übergeber zusätzlich. Zu wenig konnten sie sich vorstellen, im Neuen einen guten Platz zu finden. Hinzu kam der Wunsch der Jungen, für sich am Hof einen eigenen Wohnraum zu schaffen. Bei den Übergebern löste das die Angst aus, vom Tagesgeschehen ausgeschlossen und abgeschoben zu werden. Bei ihrer eigenen Übernahme war es selbstverständlich gewesen, mit den Älteren zusammenzuwohnen und sich ihren Wünschen zu fügen. Nun, da sie selbst übergeben sollten, schien ihr Leben in den Grundfesten erschüttert zu werden. Groß war die Angst, mit den Veränderungen nicht zurechtzukommen.

Bäuerliches Sorgentelefon

Das "Bäuerliche Sorgentelefon" ist eine wertvolle anonyme erste Anlaufstelle für kleine und große Probleme. Professionelle Ansprechpartner hören zu und geben Antworten, z. B. bei Hofübergabe bzw. -übernahme; Partnerschaft; Arbeitsüberlastung; Krankheit und Pflege; wirtschaftlichen Sorgen etc. Tel. 0810/676810, Mo bis Fr von 8.30 bis 12.30 Uhr (Ortstarif).