Niederösterreich: Engpassfaktor Zeit

Eine Herausforderung für den wachsenden Familienbetrieb. Je größer der Betrieb, desto größer die Arbeitsbelastung. Ist das wirklich so? Und wie kann die Arbeitszeit am Betrieb effektiver eingeteilt werden?
Uwe Gottwald vom Landwirtschaftsamt Rosenheim in Bayern, beschäftigt sich schon seit vielen Jahren mit diesen Fragen. In seiner Tätigkeit als Arbeitskreisbetreuer hat er bereits einige Untersuchungen zum Thema Zeitmanagement durchgeführt und ist dabei zu sehr interessanten Schlüssen gekommen.
Zeitmanagement ist immer Prioritätenmanagement. Wir haben kein Zeitproblem, sondern immer ein Prioritätenproblem. Jeder Tag hat grundsätzlich 24 Stunden, die Frage ist nur, wofür verbrauchen wir diese vorhandene Zeit.
Zeitmanagement in der Landwirtschaft wird von den meisten Betriebsleitern als ein technisches Problem gesehen, das heißt Arbeitszeit wird eingespart durch größere und schnellere Technik. Dieser technokratische Ansatz hat natürlich seine Berechtigung, sonst würden wir heute immer noch hinter dem Ochsen herlaufen und pflügen oder unsere Kühe mit der Hand melken, aber die Wurzel des Problems bei Arbeitsüberlastung ist es meistens nicht. „Nimm einen doppelt so breiten Grubber und die Bodenbearbeitung dauert nur noch halb so lange oder bau dir eine Abnahmeautomatik ein und die Melkarbeit geht schneller“.
Das ist zwar alles richtig, aber es ändert sich wenig an der Arbeitsbelastung oder Arbeitszeit, wenn sich nicht Einstellung und Bewusstsein des Betriebsleiters ändern.

 
Wer wirklich Zeit einsparen will muss sich als erstes ein Ziel setzen. Aber nicht: „Ich will weniger arbeiten!“ – das ist nur eine schwammige Absichtserklärung und es wird sich wenig ändern. Man muss sich selbst Grenzen und Ziele setzen und nicht bei der Technik anfangen, weil ich mich so selbst motiviere, effizienter zu werden und weniger Zeit zu verbrauchen. Die Veränderung der Technik ist dann die zwangsläufige Folge. Meist fehlen klare Ziele im betrieblichen, vor allem aber auch im Privatbereich. Sehr aufschlussreich ist es auch, sich einmal mit seinen „Zeitdieben“ zu beschäftigen. Einige „Zeitdiebe“ stehlen bei vielen Landwirten kostbare Stunden. Gehen wir mit unserer Zeit genauso sorgfältig um, wie mit unserem Geld? Zeitdiebe muss jeder selbst einfangen. Die Umsetzung einer dafür notwendigen Änderung des Blickwinkels ist nicht einfach, weil es um die Änderung von Einstellungen und nicht um die Änderung von Ernte- oder Stalltechnik geht. Außerdem erfordert es eine gehörige Portion Selbstdisziplin. Das geht nicht allein mit einer Checkliste. Aber es lohnt sich sehr und viele Landwirte haben diese Erkenntnisse bereits umgesetzt und daraus profitiert.
Dringend und wichtig oder – Hauptsache die Hauptsache bleibt die Hauptsache.
Grafik Engpassfaktor Zeit  © Archiv
Grafik Engpassfaktor Zeit © Archiv