Lernen im Zeitalter der Digitalisierung

"Das lernende Gehirn im Zeitalter der Digitalisierung", lautete der Titel des Vortrages von Dr. Katharina Turecek, Buchautorin und Gehirnforscherin, vor kurzem an der Hochschule für Umwelt und Agrarpädagogik in Wien.
Lernen und erinnern – wie geht das am besten? Welche Schritte erforderlich sind, damit Lernen gut gelingt und das Wissen nachhaltig abgespeichert wird, das zeigte Dr. Katharina Turecek, Autorin und Vortragende für angewandte Gehirnforschung, in einem Vortrag an der Hochschule für Umwelt und Agrarpädagogik in Wien auf. Wer kennt das nicht? Da büffelt man in kürzester Zeit eine Menge von Wissen, um es anschließend ebenso schnell wieder zu vergessen. Nachhaltiges Lernen und erfolgreiche Veränderung braucht das Zusammenspiel von Wissen und Können.
„Erkunden Sie Ihr eigenes Gedächtnis und finden Sie in verblüffenden Selbstexperimenten heraus, warum wir uns manchmal an etwas erinnern, was gar nicht da war und andere Informationen in Vergessenheit geraten“, so Turecek. Die Expertin für Angewandte Gehirnforschung zeigte eindrucksvoll auf, wie man Informationen nicht nur kurzfristig im Kopf behalten, sondern nachhaltig im Gehirn verankern kann. Durch regelmäßiges Wiederholen in kleinen Stücken und an mehreren Tagen gelingt dies am besten.

Kompetenz= Wissen + Können

Das gehirngerechte Lernen und die Auswirkungen des digitalen Zeitalters auf unser Gedächnis sind derzeit zwei ihrer aktuellen Forschungsfelder. „Kompetenz ist das, was entsteht, wenn Wissen und Können zusammenkommen“, erläuterte die Expertin das 3-Speicher-Modell des Gedächnis. „Spannend sind die Übergänge, also wie etwas in die Lagerhalle unseres Langzeitgedächnisses gelangt. Ein gutes Gedächnis filtert und vergisst etwas“, so Turecek. Verständnis heiße nicht, dass man alles weiß. Generell gilt: Ohne Aufmerksamkeit ist auch kein Wissensererb möglich!
 

Singletasking statt Multitasking

Nachrichten hören und sich nachher fragen, was denn die drei wichtigsten Informationen waren, das sei eine gute Übung. Das Gleiche gilt bei Vorträgen oder Seminaren, auch da sollte man sich zum Schluss drei Dinge notieren, die man behalten will. Das gilt auch für alle e-learning-Angebote. Sich nur berieseln zu lassen, das bringe nichts. „Die wahre Kunst ist nicht das Multitasking, sondern das Singletasking, also die volle Konzentration auf die eine, wichtige Aufgabe, ist Turecek überzeugt. Zudem zeige die „Vergessenskurve“ nach Ebbinghaus, dass wir alles, was wir nicht oder schlecht verstanden haben, sehr schnell vergessen. Sie verwies auf ein Experiment, wo die Teilnehmer ein Fahrrad zeichnen sollten. Jeder kennt zwar ein Fahrrad, aber beim Zeichnen gab es Probleme, fast alle Skizzen waren unvollständig. In der Fachsprache nennt man dies die „Illusion des Verständnisses“.
 

Berieselung stört das Lernen

Wir haben derzeit einen regelrechten Trend zur Berieselung, was aber für das Erinnern und Lernen sehr störend sei. Man sollte sich bei allen Angeboten immer fragen, wo kann ich selber aktiv werden. All das, was man binnen 72 Stunden nicht umgesetzt hat, werden wir wohl nie in Angriff nehmen. Man müsse unbedingt ins das Tun kommen und daher riet die Expertin: „Nehmen Sie sich einen Zettel und notieren Sie das, was für Sie neu und wichtig war!“
 

Virtuelle Figuren können beim Lernen motivieren

Eine große Chance komme den E-learning-Angeboten bei der Demokratisierung des Wissens zu, weil man viele Inhalte für möglichste viele Menschen verfügbar machen kann, betonte Turecek. Die Wissenschafterin und Gehirnexpertin sieht das große E-learning-Angebot etwas kritisch, weil die Umsetzung und Nutzbarkeit vieler Angebote nicht immer so optimal sei. Ihrer Meinung nach werde auch der direkte Kontakt mit dem Lehrpersonal einfach unersetzbar bleiben. Auch das soziale Feedback habe beim Lernen einen hohen Stellenwert und daher empfiehlt die Expertin beim E-learning den Einsatz virtueller Figuren: „Sie können da sehr hilfreich sein!“