Kärnten: Wie viel Diskussion braucht unser Essen?

Der Kärntner Bildungstag am 24. Oktober steht ganz im Zeichen der Kommunikation mit den Konsumenten. Die Zukunft der Landwirtschaft liegt in den Händen der Verbraucher.
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Ktn.Bildungstag 2018 © Rawpixel.com/stock.adobe.com
Kaum ein anderer Sektor steht so im Blickpunkt der breiten Öffentlichkeit wie die Lebensmittelproduktion. Immer seltener haben Menschen die Möglichkeit, Landwirtschaft direkt zu erleben und zu begreifen. Sie sind darauf angewiesen, dass ihnen Fakten in Wort und Bild vermittelt werden. Es klingt paradox, aber im digitalen Informationszeitalter drohen Informationen, Wissen und Erfahrungen unterzugehen. Dies trifft nicht nur auf die Landwirtschaft zu. Aufmerksamkeit ist heute in der Fülle der Reize und Angebote zu einem knappen Gut geworden.

Viele Bäuerinnen und Bauern sagen: „Öffentlichkeitsarbeit muss die AMA, die Landwirtschaftskammer, das Ministerium, die Molkerei (oder wer auch immer) für uns machen.“ Richtigerweise beginnt Öffentlichkeitsarbeit an jeder Hofeinfahrt. Wie sieht mein Hof aus? Nehme ich Rücksicht auf meine Mitbürgerinnen und Mitbürger beim Gülleausbringen oder beim Verlassen der Feldwege? Mit vielen kleinen Dingen im Alltag werden Bäuerin und Bauer wahrgenommen. Und das alles hat im weitesten Sinne mit dem Image der Landwirtschaft zu tun und im engeren Sinne mit dem Image meines eigenen Unternehmens – meines eigenen Bauernhofs.

Nähe zu den Konsumenten

Viele Bäuerinnen und Bauern suchen mit ihren Angeboten bereits die Nähe zum Konsumenten. Sie kommunizieren über Hofläden, Bauernmärkte, Urlaub am Bauernhof, Schule am Bauernhof, Hofschilder, Tag der offenen Tür oder Facebookauftritte. Damit entsteht bereits ein neues Bild über Landwirtschaft, welches jeder Einzelne mitprägt. Die Landwirtschaft ist sehr facettenreich, und keiner kann meine Arbeit besser erklären als ich selbst. Deswegen dürfen wir es nicht anderen überlassen, über uns zu sprechen. „Vor 50 Jahren hat es keine divergierende Ansicht zwischen Landwirtschaft und Konsumenten gegeben. Jetzt brauchen wir eine Übersetzung der landwirtschaftlichen Sprache und Tätigkeiten hin zu den Konsumenten. Wir müssen uns verstärkt darauf einlassen: Was braucht der Konsument, die Gesellschaft, die Region an Informationen und Lebensmitteln von uns? Was kann mein Betrieb davon zur Verfügung stellen“, erklärt der Referent Univ.-Prof. Dr. Buchgraber im Vorfeld zum Bildungstag. In den nächsten fünf Jahren werden zwei von drei Menschen in den Städten wohnen. Meinungshoheiten übernehmen also zunehmend die Städter.

Im Mittelpunkt der Öffentlichkeit

Berufe, die mit Leben zu tun haben, genießen in der Gesellschaft eine hohe Vertrauenswürdigkeit: Feuerwehr, Ärzte und Bauern. Die Bevölkerung muss sich darauf verlassen können, dass etwa die Polizei Leben schützt, die Feuerwehr löscht und der Landwirt gesunde Lebensmittel erzeugt. Die Gesellschaft ist ganz elementar auf diese Berufe angewiesen. Und gerade weil jeder Bürger um die Abhängigkeit weiß, wird jeder Skandal oder auch scheinbare Skandal todernst genommen.

Ein großer Vorteil ist, dass die Landwirtschaft nicht erst versuchen muss, die Aufmerksamkeit der Bevölkerung zu gewinnen. Sie hat es bereits und dies auf Dauer. Gerade in den letzten Jahren hat sich das Interesse an Lebensmitteln gewandelt. Immer mehr Konsumenten möchten wissen: Wo kommen unsere Lebensmittel her und wie werden sie produziert?

Gerade hier sind wir gefordert, gesellschaftliche Vorstellungen über die Landwirtschaft aus vergangenen Tagen zurechtzurücken. Dabei gilt es, eine Sprache zu sprechen, die die Gesellschaft versteht. In agrarischen Kreisen wird mit vielen Fachwörtern gesprochen, die Außenstehende nicht kennen. Es ist wichtig, die richtigen Worte zu finden, die alle verstehen können. GVE, Invekos, MFA sind nur einige Abkürzungen, die außerhalb der Landwirtschaft mit Sicherheit niemand versteht. Gewisse „Vokabeln“ werden wir uns neu einlernen müssen, so dass alle verstehen, wovon wir reden. Ob die Landwirtschaft die Kommunikation bewusst pflegt oder sie dem Zufall überlässt – sie kommuniziert so oder so. Denn wie der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick (gebürtiger Villacher) schon sagte: „Man kann nicht nicht kommunizieren!“

Kärntner Bildungstag

Der Kärntner Bildungstag am 24. Oktober findet unter dem Titel "Wie viel Diskussion braucht unser Essen? Die Zukunft der Landwirtschaft liegt in den Händen der Konsumenten " statt. De Veranstaltung wird im Amthof Feldkirchen von 9 bis 13.30 Uhr abgehalten.

Mag. Friederike Parz