Kärnten: Soll sich der Betrieb auf die Frau einstellen oder die Frau auf den Betrieb?

Die Veränderungen in der Land- und Forstwirtschaft führen zu einer generellen neuen Aufgabenverteilung innerhalb der bäuerlichen Familienbetriebe.
Familie Darmann Frauen brauchen starke Partner - die ohne Wenn und Aber zu ihnen stehen. © lk kärnten
Familie Darmann Frauen brauchen starke Partner - die ohne Wenn und Aber zu ihnen stehen. © lk kärnten
Je nach Betriebsausrichtung und –größe, Ausbildung und Fähigkeiten der Betriebsinhaber wird entschieden, wie der Hof geführt wird. Zieht dann eine junge Frau auf einen landwirtschaftlichen Betrieb ein, hoffen alle, dass alles so bleibt wie es ist, da jede Veränderung auch Unsicherheit bedeutet. Jede Veränderung im Familien- und Arbeitssystem hat Auswirkung auf alle Beteiligten hat. So verändert sich die Rolle der Mutter und bisherigen Bäuerin ebenso wie die des Sohnes. Die aus einem anderen Familiensystem kommende Frau kennt die Gewohnheiten und Umgangsformen der neuen Familie noch nicht und muss diese erlernen, obwohl darüber in den meisten Fällen nicht gesprochen wird.

Neuorientierung

Besonders Frauen, die vorerst mit dem Leben auf einem Bauernhof noch keinerlei Erfahrungen gemacht haben, haben häufig das Gefühl, dass sie viel aufgeben müssen, wenn sie auf einen Bauernhof ziehen. Sie steigen meist aus dem Beruf aus, ziehen in eine andere Gegend und haben wenig bis keine Zeit, die alten Freundschaften und Hobbies zu pflegen und sind vorerst nur damit beschäftigt, sich im neuen Umfeld zurecht zu finden. Gerade in dieser „Orientierungsphase“ braucht es einen starken Partner, der sich zur Herkunftsfamilie abgrenzen kann und die eigene Partnerin unterstützt. Gemeinsam müssen neue Werthaltungen, Umgangsformen und Grenzen definiert werden. In dieser Zeit ist es notwendig, viel innerhalb der Familie zu reden, um die Erwartungshaltungen, Ängste und Befürchtungen voneinander zu kennen und zu klären. Der Jungbauer wird zu seinen Eltern auch einmal sagen müssen: „Liebe Eltern, die Dinge, die ich jetzt zu entscheiden habe, werde ich in erster Linie mit meiner Frau besprechen. Ich bitte euch uns mit Rat und Tat zur Seite zu stehen, es kann aber auch sein, dass ich mit meiner Frau andere Entscheidungen treffe, als ihr euch erwartet.“

Selbst gestalten

Für viele Bauern und Bäuerinnen ist der Arbeitsplatz zu Hause und sie sind selbst die Gestalter der Rahmenbedingungen am Hof. Es ist auf jeden Fall leichter, über die vorgefundenen Bedingungen auf einem Arbeitsplatz zu schimpfen, als sie selber optimal zu gestalten. Was ist optimal? Ist für jeden das Gleiche optimal? Haben Bauer und Bäuerin dieselben Ansprüche auf einen optimalen Arbeitsplatz? Welche Bedürfnisse habe ich überhaupt? Sobald man sich mit einem Thema näher beschäftigt, erhält man meist mehr Fragen als Antworten und dann wird es richtig kompliziert.

Die Bundesbäuerin Andrea Schwarzmann betont immer wieder, dass man in den Beruf „Bäuerin“ hineinwachsen kann und muss. Dasselbe gilt auch für den Bauern. Viel Wissen und viele Fertigkeiten sind auf einem Hof notwendig und diese müssen irgendwann gelernt werden. Ein Sprichwort sagt, es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen.