Kärnten: Partnerschaftlich in die Zukunft

Alle agrarischen Verbände sind eingeladen, die „Charta für partnerschaftliche Interessenvertretung“ zu unterschreiben. In Kärnten wurde damit bereits begonnen.
Bäuerinnencharta Landesbäuerin Sabine Sternig und LK-Präsident Johann Mößler haben die Charta bereits unterschrieben. Sie ermutigen die agrarischen Verbandsobleute  ihrem Beispiel zu folgen. © Gruber
Bäuerinnencharta Landesbäuerin Sabine Sternig und LK-Präsident Johann Mößler haben die Charta bereits unterschrieben. Sie ermutigen die agrarischen Verbandsobleute, ihrem Beispiel zu folgen. © Gruber
Die ARGE der Bäuerinnen ist die erste Frauenorganisation, die eine Charta für einen partnerschaftlichen Weg auf den Weg gebracht hat. Die Bäuerinnenstudie 2016 hat ganz klar zum Ausdruck gebracht, dass auf den Höfen die partnerschaftliche Betriebsführung zwar gang und gäbe, in den agrarischen Gremien Frauen hingegen noch absolut unterrepräsentiert sind.

Die Charta für partnerschaftliche Interessenvertretung in der Land- und Forstwirtschaft zielt darauf ab,
  • die Rollenverteilung in der Familien- und Versorgungsarbeit, in der betrieblichen Entwicklung oder in der Vertretungsarbeit, ausgewogen zwischen Bäuerinnen und Bauern zu gestalten
  • die chancengleiche Entscheidungs- und Gestaltungsmacht als eine Selbstverständlichkeit in der Positionierung von Frauen und Männern in agrarischen Organisationen und Institutionen festzusetzen
  • die vielen Talente, Fähigkeiten und Erfahrungen von Frauen bewusst in die Gestaltung und Führung von agrarischen Organisationen und Institutionen einzubeziehen.

Leitende Positionen in bäuerlichen Organisationen sollen gleichwertig von Bäuerinnen und Bauern besetzt werden. Angestrebt wird ein Frauenanteil von mindestens 30 Prozent in Führungsfunktionen. Es ist dabei Führungsaufgabe, die Rahmenbedingungen zu schaffen, damit diese Ausgewogenheit auch gelingt. Konkret bedeutet dies beispielsweise, in der Planung von Sitzungen auf familienfreundliche Zeiten zu achten, sodass Frauen die Teilnahme ermöglicht wird. Finanzielle Mittel, Personal und Infrastruktur sollen gleichmäßig auf jene Themen und Anliegen verteilt werden, die entweder vorrangig von Frauen oder vorrangig von Männern forciert werden. In der Praxis bedeutet dies u.a. die gleiche Vergütung für gleichwertige Funktionen und Leistungen von Frauen und Männern. Auch Netzwerke zur Stärkung von Frauenpositionen sollen aufgebaut und genutzt werden.
 

Bäuerinnen in die erste Reihe

Es braucht eine konsequente und professionelle Haltung aller beteiligten Personen. Denn nur so kann sichergestellt werden, dass Frauen und Männer gleichberechtigt und partnerschaftlich in agrarischen Organisationen mitwirken. Arbeiten Frauen und Männer gleichberechtigt und wertschätzend miteinander, bedeutet das eine höhere Problemlösungskompetenz und Innovationskraft. Frauen sind zudem meist konfliktbereiter und sprechen Unbequemes eher an. Sie scheuen sich nicht, festgefahrene Vorgangsweisen kritisch zu hinterfragen.
„Auf unser Vorzeigeprojekt, den ZAM-Lehrgang, sind wir besonders stolz, da wir mittlerweile 80 Absolventinnen haben. Die Frauen wurden motiviert und geschult, um öffentliche Funktionen zu übernehmen. Darüber hinaus werden jährlich Netzwerktreffen mit interessanten Frauen aus Wirtschaft und Politik veranstaltet. So bekommen die Teilnehmerinnen Einblick in den Alltag von engagierten Frauen und können gute Netzwerke aufbauen. Alle Verbandsobleute möchte ich ermutigen, Frauen in ihre Gremien zu wählen, um partnerschaftlich die Zukunft zu gestalten.“
Landesbäuerin Sabine Sternig

30 Prozent Bäuerinnen in agrarische Gremien

Die Bäuerinnen-Charta war auch Gegenstand der Diskussion beim agrarischen Verbändegespräch Mitte Februar in Pitzelstätten.

Die von den Bäuerinnen vorgelegte Charta richtet sich an alle agrarischen Organisationen. Sie ist eine Selbstverpflichtung, in der sich die unterzeichnenden Organisationen dazu verpflichten eine 30-prozentige Frauenquote in ihren Gremien anzustreben. Ressourcen gleichwertig verteilen, Netzwerke zur Stärkung von Frauenpositionen forcieren und Frauen in der Öffentlichkeitsarbeit gleichwertig darstellen, sind weitere Ziele. Die Landwirtschaftskammer Kärnten hat sich bereits im Jahr 2017 zur Stärkung der Bäuerinnen in den LK-Gremien bekannt und die Charta unterschrieben. Präsident Mößler möchte so die Sichtweise der Bäuerinnen für die Weiterentwicklung der Landwirtschaft in Kärnten verstärkt nutzen. Nun hat die LK die agrarischen Verbände in Kärnten eingeladen, die Charta zu unterzeichnen und die Bäuerinnen in ihren Gremien zu stärken. Denn spätestens seit der Angelobung von Elisabeth Köstinger als erste Landwirtschaftsministerin Österreichs ist klar, dass Agrarpolitik in unserem Land auch Frauensache ist.
Dipl.-Ing. Mag. Bernhard Rebernig