Kärnten: Lebe leichter, lebe froh …

Was Ordnung und Entrümpeln im eigenen Leben bewirken können, zeigt der diesjährige Bildungstag des Bezirks Wolfsberg am Dienstag, dem 31. Jänner.
Ordnung und Chaos  © L.Klauser/Fotolia
Ordnung und Chaos © L.Klauser/Fotolia
Die Hausreinigung – etwa als Vorbereitung auf die Adventzeit – gibt uns die Möglichkeit, Raum zu schaffen für das, was auf uns zukommen will. Durch die bewusste Pflege schaffen wir für uns eine Oase der Ruhe und Ordnung in einer oft stressigen Zeit. Nach den Weihnachten ist vom Weihnachtsputz oft nicht mehr viel übrig. Doch der nächste Frühjahrsputz kommt bestimmt.
Dieser Rhythmus gehört zum Leben. Was einen Rhythmus hat, hat auch eine Ordnung. Unordnung tritt meistens auf, wenn zu viel vorhanden ist. Und so auch bei der Überforderung, da ist es einem auch immer zu viel. Überforderung ist letztlich eben nichts anderes als Unordnung. Dort ist Unordnung, wo Sachen an Orten auftauchen, wo sie eigentlich nicht hingehören. Wir lassen etwas liegen, bringen das nicht zu Ende, womit wir angefangen haben, wir verschieben etwas zum x-ten Male auf morgen. Oder auch: Wir horten, wir können uns von nichts mehr trennen. Alles, was man sich selbst überlässt, wird zum Chaos. Überforderung führt zu Unzufriedenheit und Frustration.

Reinheit gehört auf jede Ebene. Reinheit bringt dem physischen Körper Gesundheit, dem Herzen bringt sie Gefühle von Glück und Freude, dem Willen bringt sie Kraft zum Handeln. Der erste Schritt aus der Überforderung ist oft der Schritt in die Pflege, in die Herstellung von Ordnung. Manchmal hilft es sogar nur die Handtasche aufzuräumen und alles zu entsorgen, was dort nicht hingehört. Hermann Hesse (1877–1962) sagte: „Nimm Abschied und gesunde!“ Das trifft offensichtlich nicht nur auf den Abschied von Menschen, sondern auch von Gegenständen zu.
Wir leben in einer Zeit, in der sehr viel eingekauft, gesammelt, verstaut, aber auch gedankenlos weggeworfen wird. Viele Menschen leiden unter all den vielen Objekten, die sie angesammelt haben, weil sie einfach nichts mehr wegwerfen können. Es gibt aber Objekte, die sehr negativ auf das Umfeld wirken können. Wir behalten Geschenke, die uns irgendwann überreicht wurden und obwohl sie uns gar nicht gefallen, glauben wir, sie behalten zu müssen, um den anderen Menschen, der sie uns geschenkt hat, nicht zu verletzen. Oft ist es so, dass es sich nur um einen Gegenstand handelt, wenn wir etwas störend in einem Raum empfinden.

Es ist wichtig, im täglichen Leben darauf zu achten, welche Dinge uns umgeben. Welche bereiten uns Freude, welche bedrängen uns und was können wir neu ordnen? Dinge und Menschen gehören eben zusammen. Dinge, die wirklich geschätzt und gepflegt werden, sind belebt und nehmen ihren Platz nicht nur im Haus, sondern auch in einem gemeinschaftlichen Gefüge ein. Im Gegensatz zu den vernachlässigten Dingen. Aufräumen ist Loslassenlernen, Vertrauen stärken. Es ist wichtig, sich ein Bild zu machen von den Dingen, die uns stören, uns umgeben, vielleicht auch fehlen. Dadurch kann nicht nur Ordnung, ja vielleicht sogar Raum für Neues im eigenen Leben geschaffen werden. Das kann wiederum helfen, neue Wege im Leben einzuschlagen.

Reinigungsarbeit ist sozusagen ein Modell von Arbeit für das Leben. Ohne diese Arbeit zerfällt eine Familie. Im Haushalt wird die Zukunft der Gesellschaft generiert, und wenn wir glauben, dass es den Kindern gleichgültig ist, wie es zu Hause aussieht, irren wir uns gewaltig.

Leichter leben

Heike Zeiringer-Reinwald ist selbständige Wohnraumpsychologin in Klagenfurt. In ihrer über 25-jährigen beruflichen Tätigkeit hat sie schon unendliche Baustellen, Wohnungen und Häuser mitgestaltet. Sie bringt Menschen mit Räumen in Verbindung, um sich darin wohlzufühlen. Sie sagt: „Die Wohnung ist der ehrlichste Spiegel unseres Inneren – so wie ich mich fühle, so sieht es auch daheim in den eigenen vier Wänden aus.“

Sie gibt am Bezirksbildungstag Anregungen, wie man durch einfache Veränderungen in den Lebens- bzw. Wohnräumen sein Zuhause in eine „Tankstelle“ für die ganze Familie verwandeln kann. „Wenn ich könnte, wie ich wollte“ – Mag. Martina Neuwirther von der LK Kärnten setzt in ihrem Vortrag ganz auf eigene innere Stärken und Fähigkeiten. Statt andere für die eigene Situation verantwortlich zu machen, sollten wir mehr Selbstverantwortung übernehmen, um unser Leben doch in die „selbst gelenkte“ Richtung steuern zu können. Auch dazu kann der erste Schritt alleine schon durch Ordnung gelegt werden.