Kärnten: Die Bäuerin als Schauspielerin

Wie sich die Regionalität der Landwirtschaft mit kulturellem Wirken trifft, beschreibt Susanne Unterweger, Bäuerin im Mölltal
unterweger spittal Susanne Unterweger ist Bäuerin  ZAM-Absolventin und demnächst auf der Bühne in Spittal zu bewundern. © photo-baurecht
unterweger spittal Susanne Unterweger ist Bäuerin, ZAM-Absolventin und demnächst auf der Bühne in Spittal zu bewundern. © photo-baurecht
In meinem Leben habe ich schon so allerhand ausprobiert. Nach Lehre, Studium und Berufstätigkeit in Salzburg lernte ich meinen Mann Hans-Paul kennen und bin durch ihn Bäuerin im Mölltal geworden. Meine Aufgaben im Betrieb (die Herstellung sowie Direktvermarktung unserer Produkte, aber auch die Vermietung unserer Ferienwohnung und der Almhütte) sowie in der Familie sind sehr abwechslungsreich, über mangelnde Arbeit kann ich mich nie beklagen.

2016/17 absolvierte ich den ZAM-Lehrgang, welchen ich jeder Bäuerin sehr empfehle. Durch die persönlichkeitsbildenden Seminare im Rahmen dieses Lehrgangs entdeckte ich meine Liebe zur Bühne und zur Kamera. Gestärkt durch diese Erfahrung ging ich zum ersten Mal mit „Die Hutterer“ von Felix Mitterer auf die Bühne.

Die Leidenschaft für das Theater bzw. die Bühne hat mich seitdem nicht mehr losgelassen. Als Gertrud Reiterer-Remenyi (Schauspielerin) Gerhard Pleschberger (Schriftsteller) und mich (Bäuerin) in den Vorstand des neu gegründeten Vereins „Stadtbühne Spittal“ einlud, zögerte ich nicht lange. Und schon nach kurzer Zeit kann ich sagen, dass wir mit unserem unterschiedlichen Hintergrundwissen in der Vereinsarbeit gut vorankommen.

Die „Stadtbühne Spittal“ als ein lebendiger Ort für heimische Profis und Amateure bietet diesen eine Plattform und die Gelegenheit, sich durch langfristige Probenarbeit gekoppelt mit künstlerischen Ausbildungen durch Profis zusätzliche Kompetenzen anzueignen. Hierzu werden etwa Workshops und Fortbildungen im Bereich Stimme, Schauspiel, Gesang und Tanz angeboten. Diese Angebote richten sich auch an andere Vereine, um deren Vertreterinnen und Vertreter bei ihren „Auftritten“ - etwa im Einsatz von Stimme und Körpersprache - zu stärken

Regionalität als Stärke

Theater und Landwirtschaft mögen auf den ersten Blick nicht viel gemein haben, doch bei näherer Betrachtung fällt schnell die Regionalität als gemeinsames und verbindendes Element auf. Sowohl bei Kunst und Kultur als auch bei unseren bäuerlichen Produkten bin ich von der Bedeutung der Regionalität überzeugt, denn „kulturelle Regionalität“ trägt ebenso wie Landwirtschaft zu einem guten und gesunden Umfeld bei. Der Bezirk Spittal als unser geografisches Umfeld ist stark von Abwanderung betroffen. Sich lediglich darüber zu beklagen, bringt nichts - aktives Gestalten jedoch schon!

Wir sollten uns daher unserer vielen Ressourcen bewusst sein und diese auch nutzen, denn sie sind es wert, hier zu leben und die nachfolgenden Generationen dafür zu begeistern. Ebenso bin ich davon überzeugt, dass ich als Schauspielerin viele Menschen erreichen kann, um ihnen bewusst zu machen, wie gut wir es hier haben, wie wertvoll es ist, am Land leben, arbeiten, wirken und sich verwirklichen zu können.

Viele Menschen in meinem Umfeld interessieren sich für meine Arbeit im Verein und für die Schauspielerei. Das Vernetzen mit Leuten aus anderen Berufsgruppen geschieht hierbei fast automatisch – und gerade dieser Blick „über den bäuerlichen Tellerrand hinaus“ ist wichtig und aufschlussreich!