Die Hausapotheke vor der Tür

Jetzt beginnt die Holunderzeit. Er blüht cremefarben und duftet herrlich süßlich. In vielen ländlichen Gegenden ist der Holunderbusch noch immer häufig neben Bauernhäusern sowie am Wald- und Ackerrand zu finden.
Holunderbaum Holunderbäume sind im heimischen Landschaftsbild sehr stark vertreten. © Plösch
Holunderbaum Holunderbäume sind im heimischen Landschaftsbild sehr stark vertreten. © Plösch
"Vor jedem Holunderbusch möge man den Hut ziehen“, so ein Zitat des berühmten Pfarrers und Heilkundlers Sebastian Kneipp. Er schätzte die Wirkung des Holunders sehr und war der Meinung, dass Holunder in vielfältiger Weise der Gesundheit diene. Auch Hippokrates, ein griechischer Arzt, bezeichnete den Holunderbusch schon als „Medizinschrank“, denn er war von der Allheilwirkung des Holunders besonders überzeugt. Im Volksmund sollte ein Holunderbusch weder zurückgeschnitten noch entfernt werden, da dies Auswirkungen auf das Glück und die Gesundheit der Hausbewohner habe. Aufgrund seiner Heilkraft wurde der Holunder schon seit jeher sehr geschätzt. „Rinde, Beere, Blatt und Blüte, jeder Teil ist Kraft und Güte …“ sagt eine alte Volksweisheit.
Holunderblüte  © Archiv
Holunderblüte © Archiv

Holunderblüten

Die Blüten sind ein beliebtes Hausmittel gegen fiebrige Erkältungskrankheiten und Verschleimungen. Sie regen die Schweißproduktion und damit die körpereigenen Abwehrkräfte an. Weiters können Holunderblüten bei Rheuma und Gicht schmerzlindernd wirken, da sie die Aktivität der Nieren beschleunigen und somit mehr Harnsäure aus dem Körper geschleust wird.

Die gelbweißen Blütendolden haben die beste gesundheitliche Wirkung, wenn die Blüten vollständig geöffnet sind und besonders stark riechen. Für die Ernte hat man nur eine kurze Zeitspanne, denn die kleinen Blüten neigen besonders schnell dazu, abzufallen. Idealerweise erfolgt die Ernte an einem trockenen, sonnigen Tag, am besten am späten Vormittag nach dem Morgentau. Die Blütenstände werden im Ganzen abgeschnitten und zum Trocknen auf einem Tuch oder Papier ausgebreitet. Zum Trocknen ist ein schattiger und luftiger Ort ideal. Wichtig ist, dass die Luft gut zirkuliert, damit es zu keiner Schimmelbildung kommt. Holunderblüten sollten rasch abwelken, denn sonst verfärben sie sich braun und die Wirkstoffe verflüchtigen sich.

Ein Tipp: Die getrockneten Dolden durch ein Drahtsieb reiben, damit die Blüten sich einfach von den Blütenständen lösen. Getrocknete Blüten immer in einem dunklen, gut verschließbaren Gefäß lagern, damit sie lichtgeschützt sind und die ätherischen Öle sich nicht verflüchtigen können.

Um aus den getrockneten Blüten einen Tee zuzubereiten, werden zwei gehäufte Esslöffel getrocknete Holunderblüten mit 1/4 l kochendem Wasser übergossen. Danach lässt man das Ganze ca. 15 Minuten zugedeckt leicht ziehen und seiht ihn ab. Der Tee wird lauwarm in kleinen Schlucken getrunken.

Holunderbeeren

Die nicht geernteten Blüten reifen im Herbst zu Beeren. Diese sind schwarzviolett und können ab Anfang September geerntet werden. Schwarze Holunderbeeren sind wahre Gesundheitsbomben, denn sie stecken voller gesundheitsfördernder Substanzen. Sie liefern reichlich Vitamine (Vit. A , Vit. C, Gruppe der B-Vitamine), Mineralstoffe (Calcium, Eisen und Kalium) sowie ätherische Öle.

Schwarzer Holundersaft wird daher gerne bei Erkältungen, Nieren- und Blasenleiden sowie zur Stärkung von Herz und Kreislauf eingesetzt. Besonders wertvoll an den Holunderbeeren ist der schwarze Farbstoff, denn dieser stärkt das Herz-Kreislauf-System und das Immunsystem des Körpers. Der Farbstoff ist außerdem reich an Antioxidantien, die krebsvorbeugend wirken. Dabei ist zu beachten, dass schwarze Holunderbeeren nicht roh gegessen werden dürfen, denn sie können eine giftige Substanz enthalten, welche Sambunigrin genannt wird. Der Verzehr der Beeren kann Brechreiz und Verdauungsstörungen hervorrufen, das Gift wird aber durch Erhitzen auf über 80 °C zerstört.

Holunderbeeren werden gerne zu Saft, Kompott, Likör oder gemischt mit anderen Früchten, beispielsweise Brombeere oder Zwetschke, zu Marmelade verarbeitet. Als Gewürze eignen sich hervorragend Nelke, Zimt und Zitrone.

Holunderblütensirup

Zutaten für 5 l Sirup
• 4,5 l Wasser , 8 dag Zitronensäure , 4 Stück Biozitronen, Holunderblüten (den 5-l-Behälter halb voll gefüllt)

Zubereitung
  • Wasser, die geputzten Holunderblüten, Zitronenscheiben (Kerne entfernen) und Zitronensäure in einen Eimer o. Ä. geben und zugedeckt an einem kühlen Ort ca. zwei bis drei Tage stehen lassen.
  • Den Ansatz durch ein Tuch seihen und je Liter Saft mit 60 dag Kristallzucker einmal kräftig aufkochen lassen, dabei immer wieder umrühren.
  • Den Sirup in saubere Flaschen füllen und gut verschließen.

Tipp: Die Flaschen liegend abkühlen lassen, denn dadurch wird verhindert, dass sich im Verschluss Kondenswasser bildet, welches ein Verderben des Sirups hervorrufen kann.
  • Fertigen Saft etikettieren und kühl und dunkel aufbewahren.

Holunderblütentee

• Holunderblütentee regt die Schweißproduktion an – die körpereigenen Abwehrkräfte werden gestärkt.
• Er hilft bei fieberhaften Erkältungskrankheiten und Verschleimungen.
• Er stärkt den Kreislauf, der Stoffwechsel wird gefördert.
• Er wirkt entwässernd.
• Er ist zudem wirksam bei Verdauungsproblemen, besonders bei Blähungen und Magenkrämpfen.