Christiane Plasser ist bäuerliche Unternehmerin 2019

Die Auszeichnung für Mut und gute Ideen von Frauen in der Landwirtschaft
Bäuerinnen, die selbstbewusst ihren Arbeitsplatz schaffen, wurden im Rahmen der Rieder Messe zum sechsten Mal von der Landwirtschaftskammer OÖ mit dem Titel „Die bäuerliche Unternehmerin“ ausgezeichnet. Als Siegerin gekürt wurde Christiane Plasser aus Schwand im Bezirk Braunau. Sie hat den ersten Bioenten-Elterntierbetrieb Europas auf die Beine gestellt.
„Wir wollen mit dem Wettbewerb zeigen, wie engagiert Frauen auf den bäuerlichen Familienbetrieben sind und wie sie konsequent an der wirtschaftlichen Entwicklung arbeiten und sich ihren Arbeitsplatz am Hof sichern oder neu schaffen“, so LAbg. Annemarie Brunner, Vorsitzende des Ausschusses für Bäuerinnenangelegenheiten, bei der Prämierungsfeier auf der Rieder Messe.

Fast die Hälfte der Höfe wird von Bäuerinnen geführt

Mit dem Titel „Bäuerliche Unternehmerin“ holt die Landwirtschaftskammer OÖ Einkommensstandbeine vor den Vorhang, die Frauen am bäuerlichen Familienbetrieb entwickeln. 49 Prozent der Bauernhöfe werden von Frauen geführt – entweder alleine oder gemeinsam mit ihrem Partner.
„Es ist uns ein besonderes Anliegen, darauf aufmerksam zu machen, mit welchen Weitblick die Bäuerinnen die landwirtschaftlichen Märkte nutzen, um Einkommen zu erwirtschaften. Sie schätzen die Selbstständigkeit und die Arbeit in der Natur, weil viele von ihnen außerlandwirtschaftliche Berufserfahrung als Mitarbeiterinnen in Betrieben gesammelt haben. Die gute Vereinbarkeit von Beruf und Familie wird als Besonderheit erlebt“, betont LAbg. Michaela Langer-Weninger, Präsidentin der Landwirtschaftskammer OÖ.
Viele Bäuerinnen absolvieren umfangreiche Ausbildungen, denn Fachwissen in der Urproduktion ist wichtig, um gleichwertiger Partner in der Betriebsführung zu sein. Der Dialog mit Konsumenten liegt den Bäuerinnen am Herzen, weil sie spüren, dass in der Gesellschaft immer mehr Menschen wissen wollen, wie auf den Höfen gearbeitet wird. Das direkte Gespräch bringt beiden Seiten einen Mehrwert an Information und Verständnis.
Die Kandidatinnen, die sich um den Titel „bäuerliche Unternehmerin“ beworben haben, sind selbstbewusste Betriebsführerinnen, die ihre Berufung in der Landwirtschaft gefunden haben. Fast alle haben einen anderen Beruf erlernt und sind durch Heirat oder Hofübernahme zu bäuerlichen Unternehmerinnen geworden. Wichtig ist allen Teilnehmerinnen am Wettbewerb, dass sie einen starken Rückhalt durch Partner und Familie haben, um erfolgreich den einen Betriebsschwerpunkt auszubauen.
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Christiane Plasser © privat

Christiane Plasser – Schwand – Bezirk Braunau ist die bäuerliche Unternehmerin 2019

Christiane Plasser, geboren 1982, hat auf ihrem elterlichen Betrieb mehr als Mut bewiesen und den ersten und größten Bioenten-Elternbetrieb Europas aufgebaut. Seit April 2017 legen Elterntiere auf ihrem Hof Bruteier, am Hof leben 1.000 Bio-Enten und 250 Bio-Erpel. Christiane Plasser lebt in Schwand mit ihrem Lebensgefährten und zwei Kindern und kann familienfreundlich, biologisch und tierfreundlich – Vier Pfoten geprüft – ihren eigenen Betrieb führen. Sie maturierte an der HLW Braunau, arbeitete im Büro und nach der Geburt ihrer Kinder setzte sie sich in den Kopf, den verpachteten Betrieb wieder zu aktivieren und sich einen Arbeitsplatz zu Hause zu schaffen. Geflügel war der Betriebszweig, der zu Beginn der betrieblichen Entwicklungsschritte stand. Zu dieser Zeit dachte die Firma Eiermacher in Kremsmünster über die Umsetzung der ersten Bioentenproduktion nach und Plasser erfuhr am Telefon von dieser Innovation. „Anfangs waren schon viele Hürden zu nehmen. Jetzt, nach zwei Jahren, bin ich aber mit der Entwicklung zufrieden. Die Bruteier werden wöchentlich abgeholt, dann in einer eigenen Geflügelbrüterei in Schlierbach ausgebrütet, um dann auf anderen Höfen in ganz Oberösterreich aufgezogen zu werden“, erläutert Christiane Plasser. Der Speisezettel in Österreich ist um eine bäuerliche Spezialität reicher: die Bio-Ente mit Herkunftsgarantie aus dem Innviertel. 2017 lag der Selbstversorgungsgrad bei Enten bei vier Prozent, 2018 waren es bereits zwölf Prozent. Erhältlich ist das Bio-Entenfleisch österreichweit im Lebensmitteleinzelhandel.
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Eva Riederer © privat

Zweiter Platz: Eva Riederer – Hartkirchen – Bezirk Eferding

Eva Riederer lebt mit ihrer Familie – Mann, drei Kindern und Schwiegereltern – in Hartkirchen und hat sich dem Kräuter- und Sonderkulturanbau verschrieben. Als Frisörmeisterin war sie auf Winter- und Sommersaison. Nach der Geburt der Kinder entschloss sie sich hauptberuflich in der Landwirtschaft zu arbeiten. Seit 2005 ist sie Betriebsführerin. „Wir bauen seltene Getreidearten wie Einkorn und Emmer an, sowie auch Dinkel, Roggen und Weizen. Das Getreide wird mit einer hauseigenen Steinmühle vermahlen und zu Brot und Gebäck veredelt“, so Eva Riederer. Hanf, Estragon und Brennnessel werden für den Großhandel erzeugt. Die Riederers richteten Verarbeitungsräume ein und ein Hofladen lädt seit 2017 zum Einkauf ein. Am Hof werden Gewürzkräuter, Tees, Kräutersirup, Gewürzessig und Kräuterpestos erzeugt. Als besondere Innovation werden auch Safran und Austernpilze angeboten. Zahlreiche Ausbildungen sind eine der Grundlagen für ihren erfolgreichen Weg, zurzeit setzt Riederer die Ausbildung zum „Schule am Bauernhof“-Betrieb um. Eines der Programme, mit denen Riederer Kinder begeistern will, heißt „Ringelblume und Co – meine erste selbstgemachte Salbe“.
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Karin Mallinger © privat

Dritter Platz: Karin Mallinger – Peuerbach – Bezirk Grieskirchen

Karin Mallinger hat die Buchhalter- und Lohnverrechnerprüfung gemacht und genau diese Fähigkeiten sind für den Betriebszweig „Fresser-Einsteller“ eine entscheidende Grundlage. Tiere werden unabhängig von Erzeugergemeinschaften direkt ohne Zwischenhandel an Bauern verkauft und die gesamte Verrechnung wird am Hof durchgeführt. Die langjährige Erfahrung in der Kälberaufzucht war Ausgangspunkt, diese Nische mit 250 Kälbermastplätzen auszubauen und 2018 wurden 850 Kälber direkt an Rindermäster verkauft. Kälber werden mit 85 bis 100 Kilo auf Versteigerungen gekauft und mit ca. 190 Kilo weiterverkauft. Die Abrechnung, die Buchhaltung und alle weiteren bürokratischen Aufgaben sind Karin Mallingers Kompetenz, die Tierbetreuung und Managementaufgaben werden partnerschaftlich erledigt. „Der Kundenkontakt ist uns wichtig und daher liefern wir rund die Hälfte der Fresser mit unserem eigenen Hänger aus“, erläutert Mallinger. Wald, Christbaumkulturen, Mastschweine und auch ein Karpfenteich runden die vielfältige Eva Riederer, die Zweitplatzierte, betreibt den Anbau von Sonderkulturen und die Veredelung zu Brot und anderen Spezialitäten. Die Mallingers haben drei Kinder und auch die Schwiegereltern leben am Hof.
Im Internet: www.fresser-einsteller.at