Allianz "Stoppt Bodenvernichtung" kämpft gegen das Zubetonieren unseres Landes

Moretti und Welser-Möst mahnen vor massiven negativen Auswirkungen.
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Tobias Moretti, Kurt Weinberger und Franz Welser-Möst 2020 © ÖHV
Der Bodenverbrauch in Österreich ist eines der brennendsten Umweltprobleme unserer Zeit. Nicht nur werden täglich rund 13 ha Ackerflächen versiegelt (alleine in den letzten 20 Jahren sind damit 150.000 ha zerstört worden), also ein Vielfaches des im Regierungsprogramm verankerten Ziels von maximal 2,5 ha. Damit verbunden sind auch verheerende Folgen für die Umwelt sowie für die heimische Bevölkerung. Schauspieler Tobias Moretti und Stardirigent Franz Welser-Möst haben gemeinsam mit Kurt Weinberger, dem Vorstandsvorsitzenden der Österreichischen Hagelversicherung, eine Allianz ins Leben gerufen, die verhindern soll, dass unser Land zu einer Beton- und Asphaltbrache wird. Ihr Anliegen besteht darin, den Bürgern bewusst zu machen, dass Boden, Luft oder Wasser auf langfristige Sicht für das Wohlergehen einer Nation wichtiger sind als kurzfristige wirtschaftliche Zuwachsraten. Und sie appellieren an die Entscheidungsträger, den täglichen Bodenverbrauch auf 2,5 ha zu begrenzen.

Wir legen unsere Lebensmittelversorgung in Schutt und Asche

Als langjähriger Unterstützer der Bodenverbrauchskampagne der Hagelversicherung sieht Moretti vor allem die Selbstversorgung Österreichs gefährdet: "Wir legen unsere Lebensmittelversorgung in Schutt und Asche und sägen damit am eigenen Ast. Besonders in Krisenzeiten legen die Bürger mehr Augenmerk auf regionale Produkte. Wir jedoch machen uns durch den hohen Flächenverbrauch immer mehr von ausländischen Lieferanten abhängig. Ganz abgesehen vom Wahnsinn, ständig unsere Grün- und Ackerflächen in Bau- und Industrieland umzuwidmen. Es gibt ja kein Zurück mehr. Braucht wirklich jedes Dorf sein eigenes Industrie- beziehungsweise Shoppingcenter?", fragt der Schauspieler mit Blick auf die Situation in seiner Tiroler Heimat, wo es in und um die Landeshauptstadt Innsbruck mittlerweile mehrere große Einkaufszentren gibt.

Die Landschaft ist die Seele eines Landes

Welser-Möst wiederum sieht durch die Zerstörung der Landwirtschaftsflächen eine damit einhergehende Verschandelung unserer Landschaft und somit die Identität Österreichs in Gefahr: "Die Kultur Österreichs - die Musik, die Salzburger Festspiele, aber auch die wunderschöne Landschaft - wird auf der ganzen Welt geschätzt und geliebt. Mit jedem Quadratmeter Boden, den wir unter Beton vergraben, stirbt auch ein Teil dieser Identität. Doch wir alle brauchen den Boden - einerseits für unser tägliches Brot, andererseits für unsere Seele. Er ist ein Auffangbecken, nicht nur für Wasser, Pflanzen und Tiere - der Boden nährt mit seiner grünen Natur auch unsere Seele." Studien zeigen, dass Kinder, die in einer ungünstigen Umgebung, im Sinne von verbauter sowie zubetonierter Fläche, aufwachsen, im späteren Leben auch vermehrt zu Aggressionen neigen. Deswegen sollten die Böden in Zukunft nicht nur nach ihrem Quadratmeterpreis oder ihrer Flächenwidmung beurteilt werden, sondern vor allem nach ihrer Bedeutung für das Ökosystem und unser seelisches Wohlbefinden.

Kartoffeln bald aus Peru statt aus Österreich?

Weinberger weist auf die dramatischen Auswirkungen und Gefahren für eine Gesellschaft ohne ausreichende Selbstversorgung mit Lebensmitteln hin: "Wenn der Bodenverbrauch so weitergeht wie in der Vergangenheit, wird es in 200 Jahren in Österreich keine Agrarflächen mehr geben. Tag für Tag wird der systemrelevanten heimischen Landwirtschaft damit ein Teil ihrer Produktionsgrundlage sowie unseren Kindern ein Teil ihrer Zukunft verbaut. Diese Entwicklung gefährdet unsere Ernährungssouveränität massiv. Beim Brotgetreide haben wir bereits jetzt nur mehr einen Selbstversorgungsgrad von 86%, bei Kartoffeln sind es 80%, bei Gemüse nicht einmal mehr 50% und bei Soja sogar nur 15%. Aber auch der Klimawandel wird beschleunigt. Durch die Versiegelung des Bodens geht notwendiger CO2- sowie Wasserspeicher für immer verloren, Schäden durch extreme Wetterereignisse, wie Dürreperioden und Hochwasser, werden mehr. Wir brauchen den Boden zum Leben, wie die Luft zum Atmen, denn ein Land ohne Böden ist wie ein Mensch ohne Haut: nicht überlebensfähig."